28.08.2018 - 16:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Heftige Hiebe und hartes Glas

Dumpfe Schläge nachts um 3.40 Uhr am Nabburger Tor. Panzerglas splittert, es zerbricht aber nicht. Der Einbruch in ein Pfandleihhaus scheitert. Drei Täter flüchten. Doch es wird relativ rasch deutlich, um wen es sich handelt.

Symbolbild

(hwo) Der heute 23-Jährige, den Polizeibeamte gefesselt aus der Strafhaft vorführten, brauchte im Sommer letzten Jahres offenbar dringend Geld. Er wohnte bei einem Bekannten in Kümmersbruck und startete eine Serie hoch krimineller Straftaten. Für zwei davon bekam der Mann aus dem Kreis Schwandorf unterdessen von der Ersten Strafkammer des Landgerichts viereinhalb Jahre Haft.

Am 22. Juni 2017 entriss der junge Mann auf einem Spazierweg an der Vils einer Frau die Handtasche. Er spurtete mit seiner Beute davon und überfiel nicht lange darauf mit vorgehaltener Schreckschusswaffe einen Getränkemarkt in Kümmersbruck. Auch dort machte er Beute.

"Mit Waffe bedroht"

Wie sich bei Ermittlungen ergab, war der Mann eine Nacht zuvor quasi als Anführer auch mit dabei, als das Pfandleihhaus am Nabburger Tor ausgeräumt werden sollte. Das deshalb gegen ihn laufende Verfahren wurde eingestellt. Begründung: Die dafür zu erwartende Strafe falle angesichts der Ahndung für die Raubüberfälle nicht mehr ins Gewicht.

Zwei heute 20-Jährige, die ihn damals begleiteten, wurden jetzt von der Jugendrichterin Kathrin Rieger beim Amtsgericht abgeurteilt. Sie hatten sich vor dem spektakulären Einbruchsversuch zusammen mit dem tags darauf zum Räuber gewordenen Mann bei einem Bekannten aufgehalten. Erst in der vierten Morgenstunde machten sie sich auf den Heimweg. Und dann, so sagte jetzt einer der Angeklagten, "sind wir mit einer Waffe bedroht und zum Mitmachen aufgefordert worden". Sein Kumpel mochte das allerdings nicht bestätigen.

Um 3.40 Uhr an diesem 21. Juni tauchten die drei Männer vor dem Pfandleihhaus auf. In der Nähe befand sich ein Metallgerüst, lagen Rohre herum. Damit wurde auf eine der Schaufensterscheiben massiv eingedroschen. Das Panzerglas splitterte zwar, doch es gab nicht nach. Die zum Abtransport von Schmuckstücken mitgebrachte Tasche blieb leer. Vorrangig deswegen, weil wohl ein Anwohner die Geräusche gehört hatte und auf die Straße hinabrief.

"Ich verzeihe euch das"

Der damalige Gastgeber der Freundesrunde, später als nicht beschuldigt geltend, meldete sich im Fortgang der Ereignisse ebenso bei der Polizei wie die beiden jetzt unter Anklage stehenden 20-Jährigen. Das wurde ihnen positiv angerechnet. Beim Inhaber des Pfandleihhauses entschuldigten sie sich im Prozess und hörten: "Ich verzeihe euch das." Den Schaden in Höhe von 6000 Euro hatte eine Versicherung beglichen. Die Jugendrichterin kam dem Antrag von Staatsanwältin Christina Denk nach. Sie verhängte gegen einen der beiden einen zweiwöchigen Dauerarrest. Der andere muss auf richterliche Weisung hin ein soziales Kompetenztraining machen.

Den eigentlichen Drahtzieher brachten Polizeibeamte nach seiner Zeugenvernehmung zurück in die Zelle. Im Prozess hatte der 23-Jährige wissen lassen, dass er allein auf die Scheibe eingeschlagen habe. Seine Begleiter hätten quasi nur Schmiere gestanden. Entschuldigt beim Besitzer des Pfandleihhauses hat er sich nicht. "Dazu haben Sie ja jetzt noch ein paar Jährchen Zeit", schrieb ihm die Staatsanwältin ins Stammbuch.

Weiterer Vorwurf:

Es gab noch einen weiteren Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft einem der beiden 20-Jährigen machte. Er hatte eine Cannabispflanze aufgezogen und sie dann, damit den grünen Trieb auch keiner sehen konnte, im Rucksack zu einer jungen Frau nach Sulzbach-Rosenberg gebracht. Sie bekam den Auftrag, den sprießenden Rauschgiftspender zu gießen, stellte den Topf ans Fenster und tat, wie ihr befohlen. Aus welchem Grund später die Polizei Wind von der unerlaubten Aufzucht bekam, wurde nun im Prozess nicht deutlich. Sie kam jedenfalls, nahm den Cannabis-Sprössling mit und vernichtete ihn. "In den Mülleimer hätten Sie ihn auch selbst werfen können", vernahm der 20-Jährige jetzt von der Richterin. (hwo)

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