28.02.2019 - 21:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Hexennacht verwandelt Amberg in Partymeile

Tausende Faschingsfans feiern am Unsinnigen Donnerstag auf dem Amberger Marktplatz die Hexennacht. Das Herz der Altstadt verwandelt sich in einen gigantischen Tanzplatz. Bis 23 Uhr tobt die Meute unter freiem Himmel.

von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Danach ging es ab in die Kneipen. Hinter den Amberger Hexen lag zu diesem Zeitpunkt schon ein anstrengender Tag. Bereits um 13 Uhr waren rund 15 von ihnen bei der Amberger Zeitung in der Mühlgasse, um dort Stimmung zu machen. "Ich schwitz' jetzt schon", verkündete ein besonders wildes und faltiges Exemplar. Die Hexen ritten auf ihren Besen weiter durch die Fußgängerzone, stoppten in diversen Geschäften, mischten einen Fasching im Marienheim auf und enterten am Ende das Rathaus. Dort hatte OB Michael Cerny - diesmal als Steam-Punk verkleidet - gemeinsam mit seiner Crew schon vorgesorgt. "Es riecht etwas nach Männerfleisch", befürchtete das Stadtoberhaupt. Doch vielleicht waren es auch nur die bereit stehenden Schnittchen. "In Amberg ist der Unsinnige Donnerstag der Tag, an dem sich viele nicht schminken", sagte Cerny, ziemlich mutig angesichts der wilden Horde. Die kreischte und nahm ihm prompt den Rathaus-Schlüssel ab. Musikant Florian Gröninger spielte tapfer auf seiner Quetschn.

Bildergalerie zur Amberger Hexennacht

Oberhexe Gertrud Neiswirth verkündete, dass sie ab sofort niemanden mehr raus lässt. Während die Mitarbeiter der Stadtverwaltung schon befürchteten, die ganze Nacht durcharbeiten zu müssen, schob sie noch hinterher: "Außer zum Feiern." Gegen 18 Uhr füllte sich der Marktplatz mit Hexennacht-Fans. Zuvor hatten die Kids der Tanzschule Schwandner ihren großen Auftritt. Die Wellenbrecher vor der Bühne hielten die innigen Fans der Partyband Quertreiber in Zaum. Laut Stadtmarketing-Verein ist die Hexennacht in Amberg die "größte Outdoor-Faschingsparty Bayerns am Unsinnigen Donnerstag". Vorsitzender Thomas Eichenseer und OB Michael Cerny wünschten den Besuchern bei der offiziellen Eröffnung bereits, dass es eine "Riesenparty" werde - niemand wurde enttäuscht.

Gegen 20 Uhr gab es kaum noch ein Durchkommen. Enten, Gewitterwolken, Flamingos, Ärzte, Bären, Löwen, Banditen, Bundeswehrler, Skelette, Geister - die Verkleidungen waren heuer besonders fantasievoll und kreativ. Wer nicht kostümiert war, hob sich deutlich von der Masse ab. Aber wer bei der Hexennacht sein Narrenmütze zu Hause lässt, ist selber schuld.

„Die Menschen, die hierher kommen, haben immer ein Lachen im Gesicht und feiern fröhlich.“

Andrea Fuhrmann aus Ludwigsburg

Publikumsmagnet Hexennacht

Viele Narren aus der Region pilgern am Unsinnigen Donnerstag auf den Marktplatz. Doch es gibt auch Gäste, die von weit her zu der Veranstaltung anreisen – oder schon an vielen Orten dieser Welt waren und den Amberger Fasching besonders finden.

Aus Oberbayern fährt Markus Armann extra zur Hexennacht nach Amberg. Als Elektrotechnikstudent arbeitete er von 2005 bis 2011 im Siemens-Gerätewerk. Ein Kollege erzählte ihm von der Veranstaltung am Unsinnigen Donnerstag, er ging dorthin und geboren war ein neuer Fan. Seit 2006 besucht der gebürtige Gangkofener (Landkreis Rottal-Inn) die Hexennacht jedes Jahr, „außer 2013, da war ich beruflich im Ausland“. Für Markus Armann ist die Hexennacht „eine der schönsten – wenn nicht die schönste – Faschingsveranstaltungen überhaupt.“ Er schätzt die Stimmung sowohl am Marktplatz als auch in den vielen Kneipen und Gastwirtschaften in der Altstadt. Während meiner Zeit in Amberg habe ich hier auch meine Freundin kennengelernt, die am Amberger Klinikum beschäftigt war. Aus dieser Zeit sind bis heute noch sehr viele enge Freundschaften in Amberg und Umgebung geblieben.“ Die Jahre in Amberg hat er beruflich wie privat in bester Erinnerung behalten. „Ich freue mich daher immer wieder, in die Oberpfalz zurückzukehren.“ Eine von vielen Gelegenheiten sei der Besuch der Hexennacht, aber auch andere Feste, wie das Mariahilfbergfest, das Altstadtfest und natürlich private Feiern.

Fasching 2019 in der Oberpfalz

Oberpfalz

Eine der Fans ist auch Evette Kesler. Sie lebt seit drei Jahren in Amberg und kommt ursprünglich aus Las Vegas. Die Hexennacht ist für sie unvergleichlich. „Es kann mit nichts mithalten, was ich je zu Hause erlebt habe – und ich komme aus der Hauptstadt der Unterhaltung.“ Besonders die Männer, die sich als Frauen verkleiden, findet sie witzig. „Das ist ziemlich lustig zu sehen, wie sie in den kleinen Schuhen laufen.“ or allem das reichhaltige gastronomische Angebot schätzt die Amerikanerin an Amberg. Es gebe hier sehr viele Möglichkeiten, die deutsche Kultur zu genießen. Ihr Lieblingsplatz: der Marktplatz. „Jeden Tag scheint es eine Party oder ein Fest zu geben.“

Andrea Fuhrmann liebt das Verkleiden. Sie war sogar schon mal mit den Hexen in der Altstadt unterwegs. Die Ambergerin wohnt seit 2017 „der Liebe wegen“ in Ludwigsburg. Doch zur Hexennacht muss sie unbedingt ihrer Heimat einen Besuch abstatten. Was an der Veranstaltung so besonders ist: „Die Menschen, die hierher kommen, haben immer ein Lachen im Gesicht und feiern fröhlich.“ Die Gruppe, mit der sie sich ins Getümmel wirft, verkleidet sich als „Halloween-Mimen“. Gefeiert wird, bis alle müde sind.

"Die Hexennacht ist eine der schönsten, wenn nicht die schönste Faschingsveranstaltung überhaupt."

Markus Armann aus München

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