21.07.2019 - 09:42 Uhr
AmbergOberpfalz

"Hey, ho, let's go": CJ Ramone singt in Amberg gegen Nazis

Er ist ein Stück Musikgeschichte, ein Punkrock-Superstar: CJ Ramone, ehemaliger Bassist der Kultband Ramones. Am Freitag war er in Amberg zu Gast und heizte dem Casino-Saal ordentlich ein. Denn auch er hat: Keinen Bock auf Nazis.

von PKMOProfil

"Hey! Ho! Let's go", schreit die Menge im Chor und reißt die Arme nach oben. Wie sehr CJ Ramone, der Bassist der Kult-Punkband Ramones, das Parkett im Casino-Saal in Amberg zum Beben bringen würde, ahnte am frühen Freitagabend noch niemand.

Startschuss für Runde vier

Jakob Fromm und Verena Künster gingen dieses Jahr in die vierte Runde ihrer "Laut gegen Nazis"-Konzertreihe. Über ihren prominenten Headliner freuten sich die beiden Organisatoren besonders: "Es ist immer noch ein bisschen surreal für uns. Aber wir freuen uns wahnsinnig, dass es geklappt hat", sagte Fromm. "Der hatte auch Angebote aus München oder Nürnberg, aber wir haben frühzeitig angefragt und konnten CJ Ramone deshalb zu uns in die Oberpfalz holen. Die Booking-Welt ist auch irgendwie ein Dorf."

Schon im Vorfeld gab es für Fromm und Künster ein Treffen mit der Musiklegende: "Das ist ein ganz bodenständiger Kerl, super sympathisch." Neben CJ Ramone sollten noch DeeCracks aus Wien und AKD aus Amberg-Sulzbach die Bühne am Abend rocken. Laut den beiden Organisatoren lief bereits der Vorverkauf besser als im vergangenen Jahr. Tickets wurden sogar weit über die bayerischen Grenzen hinaus bis nach Berlin oder Frankfurt verkauft. "Für uns ist es wichtig, die Bands und Künstler so auszuwählen, dass sie für große Aufmerksamkeit sorgen", erklärte Künster. Oft würden Events, die sich für den Kampf gegen Rassismus und Nazis einsetzen, nur im kleinen Rahmen stattfinden und damit zu wenig Leute erreichen. "Wir wollen das auch nicht zu politisch machen. Die Leute sollen Spaß haben und gern kommen. Wir möchten Entertainment bieten und damit zugleich die gute Sache unterstützen", sagte Künster.

Mit DeeCracks und AKD

Wie schon in den Jahren zuvor wanderten pro verkauftem Ticket ein Euro sowie der Konzerterlös an die Kampagne "Kein Bock auf Nazis" aus Berlin. Für das Veranstalter-Paar aus dem Landkreis bedeutet die Organisation einen immensen Zeit- und Kraftaufwand. "Laut gegen rechts" will zeigen, dass in Amberg rechtsextreme Parolen kein Gehör finden und sich die Stadt nicht von Panikmache mitreißen lässt. Die Bedeutung der Veranstaltung ist für Fromm und Künster deshalb jeden Schweiß und jede Anstrengung wert. Kurz nach 21 Uhr war es dann soweit: Die dreiköpfige Band DeeCracks aus Wien machte den Auftakt für einen rockigen Abend und brachte das erste Mal die Boxen zum Dröhnen. Nach einer Dreiviertelstunde dann der fliegende Wechsel zu AKD, der Band von Organisator Jakob Fromm, seinem Bruder Lukas am Schlagzeug und Bassist Franky. Mit Songs aus ihrem Album "Das Herz am linken Fleck" sowie einigen Kult-Covern bewiesen sie, dass Musik auch heute noch ein politisches und kritisches Statement gegen rechte Tendenzen sein kann.

Kraftvolles Auftreten

Zum Abschluss des Abends kam der Höhepunkt: CJ Ramone, Bassist der Ramones von 1989 bis zur Band-Auflösung 1996. Er begann seinen rund einstündigen Ausflug in die Musikwelt der Ramones und anderer Rocklegenden wie Motörhead. Bereits sein kraftvolles Auftreten versprühte auf der Bühne im Casino-Saal ein bisschen Großstadt-Flair. Mit im Gepäck hatte er auch einige Stücke seiner drei Soloalben, denen ebenfalls der unverwechselbare Ramones-Klang innewohnt. Gekonnt zog er das Publikum in seinen Bann, bis es im Saal kein Halten mehr gab. Nicht nur bei dem wohl berühmtesten Ramones-Song "Hey! Ho! Let's go" bewiesen die Amberger ihre Textsicherheit und tanzten ausgelassen.

Eine wilde Punkrocknacht, wie sie im Buche steht. Ob es noch weitere Ausgaben von "Laut gegen rechts" geben wird, hängt vor allem davon ab, welche Künstler die Organisatoren ins Boot holen können. "Wir wollen das nicht einfach mit irgendwem machen. Für nächstes Jahr haben wir aber schon jemanden im Auge", verriet Verena Künster nach dem friedlichen und rundum gelungenen Abend.

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