28.10.2018 - 16:59 Uhr
AmbergOberpfalz

IHK ohne Johann Schmalzl: Unvorstellbar

Der Leiter der Amberg-Sulzbacher IHK-Geschäftsstelle, Johann Schmalzl, geht in den Ruhestand ‒ und hat große Pläne. Doch einige aktuelle Entwicklungen bereiten ihm auch große Sorgen.

Johann Schmalzl plädiert bei seiner Verabschiedung für "Anstand, Toleranz und Menschlichkeit".
von Miriam Wittich Kontakt Profil

28 Jahre. So lange arbeitet Johann Schmalzl schon für die Industrie- und Handelskammer. Im Oktober 1990 fing er dort an, seit Juli 1991 leitet er die Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach. Niemand könne und möge sich eine IHK ohne ihn vorstellen, sagte der Vorsitzende des Amberg-Sulzbacher Gremiums, Rolf Pfeiffer, bei Schmalzls Verabschiedung. Denn im Dezember wird das "Gesicht der IHK in unserer Region", wie Pfeiffer Schmalzl bezeichnete, in den Ruhestand gehen.

"Arbeitsintensive Jahre" waren es. Oft sei der Geschäftsstellenleiter 50 bis 60 Stunden in der Woche im Einsatz gewesen. Viele Jahre war er zudem Geschäftsführer des IHK-Gremiums und der Wirtschaftsjunioren. Obwohl sein "Lieblingsphilosoph" Seneca einst anmahnte, sich nicht für zu viele Aufgaben in die Pflicht nehmen zu lassen, da sonst die Zeit für die wichtigen Fragen fehle. "Darüber habe ich viel nachgedacht", erklärte der 63-Jährige. Doch seine Arbeit für die IHK sei eine "sehr erfüllte Lebenszeit" für ihn gewesen. "Und darauf kommt es doch an", sagte er. "Wer erfolgreich sein will, muss brennen für seine Arbeit."

Er selbst brannte vor allem für eines: "Mir persönlich war wichtig, bei allem, was wir tun, die Menschen im Blick zu haben." Ein wichtiges Thema sei für ihn immer die betriebliche Berufsausbildung gewesen: "Keiner darf verloren gehen, jeder braucht eine Perspektive." Als Schmalzl anfing, gab es mehr Bewerber als Stellen. "Das ist jetzt seit vielen Jahren andersrum. Wir haben Vollbeschäftigung", erklärte er. Dennoch müssten schwächere Schüler und Migranten unterstützt werden. Vor 20 Jahren initiierte Schmalzl die Ausbildungsmesse im ACC, stand immer in engem Kontakt mit den Wirtschaftsjunioren. Auch für die gute Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule dankte er bei seiner Verabschiedung.

Trotz der guten wirtschaftlichen Situation plagen Schmalzl vor seinem Ruhestand einige Sorgen. Unter anderem die Restriktionen im Freihandel, die besonders Amberg-Sulzbach als exportorientierte Region betreffen. Eine weitere Entwicklung, die er kritisch sieht, ist der zunehmende Nationalismus: "Als Land mit gelebter Solidarität, Menschlichkeit und Offenheit haben wir einen guten Ruf in der Welt. Wenn wir durch Fremdenfeindlichkeit unser Ansehen verlieren, dann hat das mittelfristig auch Auswirkungen auf die Marktchancen für unsere Produkte. Und damit auch auf die Arbeitsplätze."

Schmalzl wird im Ruhestand Schatzmeister im Technologie-Campus bleiben sowie Beirat im Institut für Angewandte Forschung, Vorstandsmitglied der LAG Regionalentwicklung, Finanzrichter am 1. Senat in Nürnberg und Beirat der Justizvollzugsanstalt. Aber er sieht auch schon neue Herausforderungen. "Ich will mich im Hospizverein engagieren." Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten. "Daran liegt mir sehr viel."

Doch zunächst einmal freue er sich auf die "neue große Freiheit". Darauf, mehr Zeit mit seiner Familie und Freunden zu verbringen. Allen voran mit seiner einjährigen Enkelin: "Ohne Druck in den Tag hineinleben, mit dem Hund spazieren gehen. Einfach mal die Langeweile genießen." Ob die jedoch aufkommt, bleibt abzuwarten. Im Winter will der 63-Jährige seine Italienisch-Kenntnisse auffrischen: "Ich bin ein großer Berg- und Italien-Fan." Seine Ziele: die Alpen überqueren, auf dem Franziskusweg von Florenz über Assisi nach Rom wandern und den Pfad der Götter entlang den Amalfiküste begehen.

Als "engagierten und feinen Menschen" bezeichnete er seinen Nachfolger Bernhard Reif. "Er ist gut eingearbeitet und wird die Interessen der regionalen Wirtschaft mindestens genauso gut vertreten wie ich."

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