Amberg
01.01.2019 - 16:38 Uhr

In immer höhere Tongefilde

Während es draußen die Ersten anscheinend nicht abwarten können und frühzeitige Silvesterkracher abfeuern, scheint im Inneren der Erlöserkirche die Zeit stehenzubleiben. Das liegt an der Chorgemeinschaft.

Alle Jahre wieder: Nicht zu Weihnachten, sondern an Silvester gibt die Amberger Chorgemeinschaft ihr traditionelles Konzert. Die Leitung hat wie immer Dieter Müller. Bild: Stephan Huber
Alle Jahre wieder: Nicht zu Weihnachten, sondern an Silvester gibt die Amberger Chorgemeinschaft ihr traditionelles Konzert. Die Leitung hat wie immer Dieter Müller.

Chorklang vibriert im Kirchenschiff, die einzelnen Stimmen wogen sanft hin und her, über ihnen ein schwebender Sopran. Die Amberger Chorgemeinschaft gibt ihr Konzert am Silvesterabend. Die Kirche ist voll. Wie jedes Jahr. Die Werke sind vielfältig und decken den Frühbarock des 16. Jahrhunderts ebenso ab wie zeitgenössische Musik. Sie thematisieren größtenteils die Weihnachtszeit, die laut Kirchenjahr bis zum Dreikönigstag Epiphanias andauert.

Eröffnet wird das Konzert von einer schmetternden Trompete, die über dröhnenden Orgel-Akkorden mit einer festlichen, marschähnlichen Melodie jubiliert. Doreen Deyerl spielt mit klarem Ton, ihre Trompete schraubt sich mit jeder Modulation in immer höhere Tongefilde. Nach diesem schwungvollen Auftakt wird es erst einmal wieder gemäßigter, der Chor singt ohne Begleitung besinnliche Weihnachtslieder.

Sofort fällt die deutliche Absprache der Konsonanten auf. Unter der Leitung von Dieter Müller gelingt ein vielschichtiger Klang mit klarer Stimmführung. Müller dirigiert genau und gibt deutliche Einsätze. Allerdings fehlt es in manchen Stücken, wie dem "Dixit Maria" von Hans Leo Hassler, an musikalischer Gestaltung, und die sich wiederholenden Linien verlieren an Glanz. Überzeugend dagegen gelingt das folgende "Veni, veni Emmanuel" in einem Satz von Dieter Müller. Das Adventslied, das auf einen Wechselgesang in der katholischen Liturgie zurückzuführen ist, wird in der Erlöserkirche harmonisch neu ausgelotet.

Der musikalische Leiter nimmt das Stück überraschend schnell, gestaltet große Bögen, die durch reibende Klänge nicht an Spannung verlieren und schließlich in erlösendes Dur aufgehen. "Singt und klingt!" und "Lobe den Herren alle Heiden" von Michael Praetorius überzeugen dagegen durch schlichte Einfachheit. Die einzelnen Stimmen setzen nacheinander ein, fächern sich auf, steigen synchron auf und ab. Energisch wird die Freude über das Christuskind kundgetan. Immer wieder werden die Chorsätze durch Instrumentalmusik durchbrochen. Mal mit dem berühmten "Jesus bleibet meine Freude" von Johann Sebastian Bach in einer Version für Orgel und Trompete, mal mit Teilen aus dem "Konzert in Es-Dur" von Tomaso Albinoni. In "Offertoire Nr. 4" von Alexandre Guilmant, einem französisch-romantischen Orgelkomponisten, baut Ute Neger Takt für Takt, Phrase um Phrase ein Klanggeflecht an der Orgel auf.

Zuerst unisono, dann mit nacheinander einsetzenden Stimmen, die sich ineinander verzahnen. Unter der eingängigen Melodie eines französischen Weihnachtsliedes wechseln Begleitstimme und Registrierung. Schrill-hohe Flötenklänge werden von laut-schnarrenden Pommern oder dröhnend-wummerndem Bass abgelöst. Nach einer Modulation mit Pedalsolo gipfelt das Werk schließlich in einem ausgedehnten Finale.

Durch die häufigen Wechsel zwischen reiner Instrumentalmusik und Chorklang, das viele Auf- und Abtreten wirkt die Dramaturgie kleinteilig. In den letzten Stücken greift der Chor mit "Das alte Jahr vergangen ist" von Melchior Franck doch noch den Jahreswechsel auf. Strophe um Strophe erklingt. Sie handeln von Abschied und Anfang, alt und neu. "The same procedure as every year" eben. Danach gibt es für alle langanhaltenden und verdienten Applaus.

.Doreen Deyerl entlockt der Trompete klare Töne. Ute Neger sorgt an der Orgel für die perfekte Ergänzung. Bild: Stephan Huber
.Doreen Deyerl entlockt der Trompete klare Töne. Ute Neger sorgt an der Orgel für die perfekte Ergänzung.
 
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