07.06.2018 - 18:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Immer mehr Spinner

Teilweise sind ganze Bäume umhüllt – der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus. In den nächsten Jahren wird das für Kommunen eine Herausforderung, meint Experte Dr. Ralf Petercord.

Eichenprozessionsspinner in Kulmain.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Am Rußweiher, im Freizeitpark Höllohe, an der Tegelgrube in Maxhütte-Haidhof – und das sind nur einige der bekannten Fälle (siehe Karte): Der Eichenprozessionsspinner ist in der Oberpfalz auf dem Vormarsch. „Wir sehen die Raupen jetzt in ganz Bayern. Die Population wächst, und für die Kommunen werden die Nester in den nächsten Jahren zur Daueraufgabe“, prognostiziert Dr. Ralf Petercord, Leiter der Abteilung Waldschutz bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Er erklärt auch, weshalb sich der Schmetterling derzeit so vermehrt: „Das liegt am Klimawandel. Der Eichenprozessionsspinner mag Wärme. Im April und Mai hatten wir warme Temperaturen, daher auch das Wachstum.“ Für die Kommunen sind die Raupen ein Problem, weil sie als Raupe Brennhaare ausbilden. „Die sind mikroskopisch klein und eigentlich als Schutz vor Fressfeinden gedacht. Aber natürlich unterscheidet die Raupe nicht zwischen Vogel und Mensch“, sagt Petercord.

Die Regierung der Oberpfalz erklärt auf Nachfrage: „Zuständig für die Abwehr von Gesundheitsgefahren auf öffentlichem Gelände sind die Gemeinden, bei Privatgrundstücken die Eigentümer.“ Dann wird es vor allem ein finanzieller Aufwand für die Kommunen, weil die Nester von Experten mit speziellem Gerät abgesaugt werden müssen. Für Petercord eine gute Lösung: „Wenn sich die Raupen verpuppen, ist das Absaugen recht einfach möglich. Keinesfalls sollte ein Laie die Raupen selbst entfernen, und auf keinen Fall mit Feuer experimentieren.“

Die Ideallösung für das Beseitigen der Tierchen gibt es laut Petercord nicht. „Am besten ist es, den Kontakt mit den betroffenen Bäumen zu vermeiden. Sollte das nicht möglich sein, weil der Baum auf einem öffentlichen Grundstück steht, sollten rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Hier sind die Kommunen gefragt. Zum Beispiel können die Bäume bereits im Frühjahr mit Biozid besprüht werden, damit sich dort keine Eichenprozessionsspinner ansiedeln.“ Die Städte und Gemeinden müssen sich darauf einstellen, dass es ein jährlicher Arbeitseinsatz wird. Denn der Eichenprozessionsspinner legt seine Eier jedes Jahr wieder ab und die Population wächst weiter.


Verbreitung des Eichenprozessionsspinners

Info:

Achtung vor dem Eichenprozessionsspinner

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners entwickeln in einem gewissen Entwicklungsstadium mikroskopisch kleine Brennhaare. Wenn der Mensch mit diesen, den Häutungsresten oder den Nestern in Kontakt kommt, tritt eine Hautentzündung auf, teilt das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit.

Starker Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln und Bläschen bilden sich nach dem Berühren mit den Brennhaaren, die bis zu zwei Wochen anhalten können. Da die Härchen auch durch die Luft fliegen können, kommt es bei Kontakt zu Bindehaut- oder nach dem Einatmen zu Rachenentzündungen. Schlimmstenfalls reagieren Menschen mit einem allergischen Schock. Dann ist sofortige Hilfe nötig. „An die Brennhaare gewöhnt man sich nicht. Je öfter man damit in Kontakt kommt, desto schlimmer wird der Ausschlag“, erklärt Dr. Ralf Petercord, der seit Jahren zu den Eichenprozessionsspinnern forscht.

Langärmlige Kleidung ist in der Nähe betroffener Bäume Pflicht. Bei Kontakt mit den Tierchen sollte sofort eine gründliche Dusche genommen und die Kleidung gewechselt werden, rät das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. (msh)

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