12.06.2019 - 14:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Josefshaus in Amberg wird zum Prechtl-Haus

Legendär als Veranstaltungsort bis in die 80er Jahre hinein, gehört das Josefshaus am Kaiser-Wilhelm-Ring zu den prominentesten Leerständen in der Stadt. Das soll sich ändern. Bald schon und komfortabel. Zum Wohnen in der Stadt.

Das Prechtl-Relief ist Namensgeber für den künftigen Wohnkomplex am unmittelbaren Altstadtrand, die architektonischen Konturen bleiben erhalten. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Kaum ein Plan, der noch nicht geschmiedet worden wäre vor dem Hintergrund der Frage, was tun damit? Nach viel Grübeln hat Erwin Voit, seit zwei Jahren Eigentümer des Josefshauses, für sich die Antwort gefunden: Der ehemalige Veranstaltungssaal mit Gastronomie und Hotel wird sich zu 16 Wohnungen - davon drei als Penthouse - und einer Büro-Gewerbeeinheit wandeln.

Der Gesamtkomplex behält seine architektonischen Konturen und die Fassadengestaltung bei. Zeit- und zweckgemäß stilisiert zwar, aber keineswegs verzerrend und mit hohem Erkennungseffekt. Auch das Frühwerk des in Amberg geborenen, international renommierten Malers und Grafikers Michael Mathias Prechtl mit dem Titel "Vater Kolping begrüßt einen Handwerker" bleibt erhalten. Das Fassaden-Relief verweist auf die Geschichte des Hauses und wird der künftige Namensgeber des Projekts für gehobenen Wohnens am unmittelbaren Altstadtrand sein.

Gehobener Standard

Voit, der sich als Jugendlicher selbst im Josefshaus abgetanzt hat, legt als Investor aus Imagegründen den ursprünglichen Namen ab. Weiden, Hirschau und Amberg, der Niedergang der ehemals klingenden großen Kolping-Veranstaltungshäuser belaste sein Projekt gehobener Wohnkultur, begründet er diese Entscheidung. Deshalb werde daraus nun das Prechtl-Haus. "Das ist mit den Erben der Rechte abgeklärt", sagt Voit, der unter diesem Namen die Wohnungen vermarktet.

Der Amberger ist kein klassischer Immobilien-Entwickler. Er führt in dritter Generation ein alteingesessenes Betonwerk, das sich auf hochwertige Fertigteile für innen und außen spezialisiert hat. Das Prechtl-Haus konzipierte er zusammen mit Georg Zunner. Der namhafte Amberger Architekt entwarf schon mehrere Pläne für den rund 20 Jahre leerstehenden Komplex, unter anderem auch als Hotel. Selbst ein kompletter Abriss war zeitweilig eine der vielen Optionen. Voit hat sich für eine komplette Entkernung und die dem künftigen Zweck entsprechende Totalsanierung entscheiden. Das Erdgeschoss (einstiger Tanzboden) wird zu Pkw-Stellplätzen umfunktioniert. Darunter liegen ein Keller-, darüber zwei Obergeschosse. Der gesamte Bau wird barrierefreien Standard aufweisen. "Ich möchte das grundsolide haben", sagt der Bauherr, der möglichst zügig loslegen will. Die Ausschreibungen seien draußen, die Baugenehmigung zugesagt, aber noch nicht im Briefkasten gelegen.

Zwei Jahre Bauzeit

Vorherige Projekte waren nicht zuletzt auch daran mehr oder minder gescheitert. Denn die nördliche Wand des Gebäudes steht praktisch auf Stadtmauerresten und der Rest stellt eine Überbauung des Stadtgrabens dar. An städtebaulicher Historie mangelt es also auch nicht. Voit veranschlagt die Bauzeit auf zwei Jahre. Angemerkt

Viel Platz, viel Raum für Wohnungen und Pkw-Stellplätze: Erwin Voit schafft beides im ehemaligen Josefshaus.
Geschichte des Hauses:

Gegründet 1892

Die Grundsteinlegung seitens des damaligen Gesellenvereins Amberg datiert auf 1. Juni 1892. Vor diesem Hintergrund ging das Haus in das Eigentum der Kolpingsfamilie über und wurde zum Josefshaus. 1958 wurde es auf den Stand der jetzigen Substanz umgebaut.

Legendäre Zeit

Mit Beginn der wilden 1960er Jahre erlebte das Josefshaus seine Blüte als Veranstaltungsort legendärer Konzerte und Tanzveranstaltungen für junges Publikum. Das dauerte bis in die 1980er Jahre an. Mit der Eröffnung des ACC hatte sich das Haus als Veranstaltungsort überholt, seit 20 Jahren steht es leer und erlebte mehrere Eigentümerwechsel und gescheiterte Projektansätze. (zm)

Kommentar:

Genau der richtige Ansatz

Die Verödung von deutschen Innenstädten hat komplexe Ursachen. Eine sehr wesentliche klingt banal: die Abwesenheit von Menschen außerhalb der üblichen Geschäftszeiten. Der Grund dafür ist einfach. Gewerbeimmobilien und -flächen erzielen höhere Quadratmeterpreise und damit Renditen als Wohnraum. Also verschwand Wohnraum aus den Stadtzentren.
Inzwischen wird auch hier gut Geld verdient. Warum also nicht zurückkehren, zumal von der Fläche her auch Handel und Gewerbe neue Bedürfnisse definieren. Sonst gäbe es ja keine zunehmenden Leerstände. Diese Form der Gentrifizierung (Verdrängung durch Sanierung) hätte den Charme, dass dort wieder mehr Leben einkehrt. Denn gewohnt wird 24 Stunden und nicht nur von Arbeitsanfang bis Arbeitsende.

Michael Zeißner

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