11.07.2018 - 16:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Judentum sichtbar leben

Die gerade einmal rund 130-köpfige jüdische Gemeinde von Amberg und ihr Rabbiner Elias Dray haben viel, Großes vor. Sichtbares Zeichen nach außen wird eine Sanierung der Synagoge in der Salzgasse sein.

Bei der Sanierung geht es um eine rein bautechnische, aber auch gestalterische Überarbeitung der Synagoge in der Salzgasse. Einzelheiten erläutert der beauftragte Architekt Peter Wagner gegenüber Oberbürgermeister Michael Cerny, Barbara Lanzinger und Rabbi Elias Dray (von links).
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. (zm) Die Einladung hörte sich nach einer Routine-Pressekonferenz an - Sanierung der Synagoge. Doch dann sagte Rabbiner Elias Dray eher beiläufig: "Wir wollen eine Art Zentrum des Oberpfälzer Judentums aufbauen." Mit dieser Absichtserklärung war eine andere Dimension erreicht. Ambergs jüdische Kultusgemeinde setzt selbstbewusst Zeichen gegen die Befürchtungen eines erstarkenden Antisemitismus'.

Womöglich hat diese Entwicklung eingesetzt, als im Herbst vergangenen Jahres feststand, dass eine in Amberg von Dray wiederentdeckte, auf 1792 datierte Thora, die einen verheerenden Stadtbrand 1822 in Sulzbach-Rosenberg und die Reichspogromnacht 1938 überstand, restauriert werden kann. Barbara Lanzinger war als Bundestagsabgeordnete damals maßgeblich daran beteiligt, die nötigen rund 50 000 Euro aufzutreiben. Nun legt sie sich für die bauliche Sanierung der Synagoge in der Salzgasse ins Zeug. In dem Bewusstsein, dass "ein klares Nein zum Antisemitismus ein ebenso klares Nein zu Gewalt ist".

Jüdische Kultur

Auch Oberbürgermeister Michael Cerny betonte, in der Synagoge nicht nur "ein wichtiges, geschichtsträchtiges Gebäude für Amberg" zu sehen. Vielmehr stehe "es der Stadt schon gut zu Gesicht", dass die jüdische Kultusgemeinde hier ungezwungen ihre Religion frei von Ressentiments leben könne. Judentum, das unterstrich Dray als Rabbiner, das sei auch eine bestimmte Esskultur oder Musik, es sei eine religiöse Lehre und Art des gesellschaftlichen Lebens. All das wolle die Amberger Gemeinde nicht ausschließlich oder überwiegend nach innen pflegen, sondern auch nach außen tragen.

Seit 1896 Synagoge

Eine Art sichtbarer Grundstock dieses Bestrebens soll die Sanierung der Synagoge, die auch als Gemeindehaus dient, sein. Das Gebäude in der Salzgasse 5, erklärte der Architekt Peter Wagner (Hahnbach), wird seit 1896 als jüdisches Gebetshaus genutzt. Es brannte nicht in der Reichspogromnacht und steht unter Denkmalschutz. Die Renovierung des Baus umfasst eine rekonstruierende Fassadenerneuerung und diverse Umbauten in dem als Gemeindehaus genutzten Teil. Brandschutzvorschriften schreiben laut Wagner beispielsweise einen zweiten Fluchtweg vor. Zudem müssten Teile der Installations- sowie Sanitärtechnik modernisiert werden.

Dray wünscht sich auch eigene Unterrichts- und Seminarräume sowie eine Umgestaltung des Gebetsraumes. Dort sollen ein neuer Natursteinboden, neues Gestühl und ein neuer Thoraschrein eingebaut werden. Die Innengestaltung wird Josef Starkl (Seßlach) übernehmen, der die vielbeachtete Sanierung der ehemaligen Sulzbach-Rosenberger Synagoge geleitet hat. Die Kosten des Vorhabens werden auf rund 700 000 Euro veranschlagt.

Wenn auch diverse Fördertöpfe angezapft werden können, so stellt das Vorhaben, mit dem im nächsten Jahr begonnen werden soll, laut Dray einen enormen finanziellen Kraftakt für seine Gemeinde dar. Deshalb wurde bereits ein Förderverein (Kontakt: foerderverein.synagoge.amberg[at]gmail[dot]com) gegründet, in dem jeder Mitglied werden kann.

Auch einen neuen Thoraschrein wird es geben, der in seiner Gestaltung an das historische Exemplar der ehemaligen Sulzbach-Rosenberger Synagoge angelehnt sein soll.

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