08.07.2019 - 16:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Jura-Wohnstätten: Italo-Feier inklusive Inklusion

Inklusion. Ein Wort, so häufig genutzt wie Weltmusik, und dennoch selten gelebt. Um dies zu ändern und mit Blick auf das 50-Jährige der Lebenshilfe, hieß es beim Inklusionsfest der Jura-Wohnstätten "Benvenuti Amici" "Willkommen, Freunde!"

Ein italienisches Sommerfest in der Nachbarschaft: Im D-Programm wird Inklusion nicht nur groß geschrieben, sondern auch gelebt.
von Dagmar WilliamsonProfil

Schwer als Außenseiter in der Gesellschaft hatten es Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung im 18. Jahrhundert. Allein schon der Begriff "Krüppel" verrät viel über den Umgang mit ihnen. Bis zum Ideal der Inklusion ist es allerdings immer noch ein weiter Weg. Auch weil eine gewisse Alternativ-Partei ihr Unwesen treibe, merkte Evelin Küfner missmutig an.

Sie muss es wissen. Küfner leitet seit 1982 die Jura-Wohnstätte im Amberger Stadtteil D-Programm. Fünf Jahre später übernahm sie auch die Geschäftsleitung. Ihre Berufung ist nicht zu leugnen. Evelin Küfner arbeitet unermüdlich mit viel Ehrgeiz und Herzblut am Wohlbefinden der Bewohner. Aber ihre Arbeit und die der Angestellten werde durch das zunehmend bürokratische Wesen ihrer Tätigkeit erschwert. "Und diese kostet allen Mitarbeitern Zeit. Zeit, die den Bewohnern entrissen wird." Es scheine fast so, als ob der Mensch zu einer Nummer degradiert werde und dadurch an Wert verliere. Ein bedauerlicher Zustand, dem Küfner entgegenwirken will - mit allen Mitteln. Zum Beispiel mit einem Fest in der Nachbarschaft, das Lebenslust und Freude versprüht und bei dem jeder Einzelne unbewusst lernt, den Augenblick zu genießen. Dass südländische Mentalität dafür geeignet ist, bewies das Motto des Italienischen Abends. Der Begrüßung "Benvenuti Amici!" folgten überraschend viele Gäste. So viele, dass bereits eine Stunde nach Beginn der Feierlichkeiten der Käse zum Überbacken italienischer Delikatessen verputzt war und schnell und heimlich Nachschub aus dem benachbarten Supermarkt geholt werden musste.

Ganz ohne Gedöns und große Wörter, dafür aber im Freizeit-Look saß Bezirksrat Richard Gaßner mittendrin. "Wenn Frau Küfner pfeift, bin ich da", erklärte er seine freundschaftliche Verbundenheit mit einem Schmunzeln. Und er war wahrlich nicht der Einzige mit strahlendem Gesicht. Unter weiß-blauem Himmel inmitten den Aromen von Pasta, Pizza und Espresso, werde gelacht, gegessen und getanzt. Letzteres zu den unverkennbaren Klängen aus dem Musical "Azzuro", gespielt von Rocky Verardo und Richie Necker.

Vom Fremdsein oder Ausgrenzung war auf diesem Sommerfest nichts zu spüren, denn Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt. Die jüngsten Besucher machten es vor, das Miteinander ohne Vorbehalt mit dem einzigen Ziel vor Augen, Spaß zu haben. Und die Erwachsenen, ob mit oder ohne Handicap, taten es ihnen gleich. Inklusive Inklusion und einer extra Portion Gelato zum Nachtisch.

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