11.12.2019 - 16:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Kabarettist Martin Frank im Musikomm: Arien für Kühe und stillende Mütter

Mei, ist er nicht zuckersüß, der arme Bauernsbua, der sich fesch gekleidet in die Moderne stürzt und sich loslöst von seiner Dampfnudeloma? Martin Frank bewegt sich zwischen pubertierender Naivität und Stammtisch-Schenkelklopfer.

Seine Dampfnudel-Oma wäre entzückt: Martin Frank sorgt für ein ausverkauftes Musikomm.
von Dagmar WilliamsonProfil

Ist er nicht zuckersüß, der arme Bauernsbua, der sich fesch gekleidet in die Moderne stürzt und sich loslöst von seiner Dampfnudel-Oma? Martin Frank bewegt sich zwischen pubertierender Naivität und Stammtisch-Schenkelklopfer. Dennoch trifft der Kabarettist im ausverkauften Musikomm den Lachnerv des Publikums.

Martin Frank erinnert an den jungen Michael Mittermeier, stark gestikulierend und mit verzweifelter Mimik auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Allerdings erspart er dem Publikum das alberne Baseball-Cap und bekommt definitiv Pluspunkte, da er sich dem Hype der Ukulelen-Nutzung widersetzt.

Ganz ohne Gesang kommt aber auch er nicht aus: Eine Arie muss er singen, um zu beweisen, dass er es in Salzburg als Opernsänger hätte schaffen können. Nur der reiche Daddy oder das nötige Vitamin B hätten ihm zum Erfolg gefehlt. Die Mitleidstour wirkt. Zudem kann der 27-jährige Niederbayer mit wissenschaftlichem Wissen glänzen. Wenn man Rindviehern Arien vorsingt, gäben diese mehr Milch. Deswegen bietet er stillenden Müttern gesangliche Dienste an.

Aus Illschwang und Schlicht

Brigitte aus Illschwang habe jetzt feuchte Hände, aber er komme schließlich gerade vom Pieseln. Maria aus Schlicht schließt ihn gleich in ihr Herz, weil der ihm unbekannte Ort "so romantisch" klinge. Überhaupt aber gehöre zur adäquaten Begrüßung eines Unterhalters seines Kalibers, dass ihm "Schlüpper" auf die Bühne geworfen werden und deswegen verzieht sich der Mann mit zwei Vornamen wieder hinter den Vorhang, um nach einer Einleitung "internationaler, klassischer Musik" nochmals gebührend gefeiert werden zu können. Zwischendurch erfahren seine Fans, dass Martin Frank ohne seinen morgendlichen Kaba das Haus nicht verlässt. Sein Wunsch wird ihm erfüllt und die Stimmung bebt. "Hört bloß nicht auf", freut sich der Comedian. "Des is ja der Wahnsinn. So ganz unaufgefordert."

Mit 27 im "Transi-Alter"

Martin Frank elaboriert über seine Sinnkrise und vergleicht diese mit einer Ehe. Und mit 27 Jahren wisse er immer noch nicht, ob er ein kleiner Bua oder erwachsener Mann sei. In seinem "Transi-Alter" hört er "Bibi & Tina" nur noch wenn er krank ist, aber er weigert sich, Sterbeanzeigen zu studieren. Denn das ist für ihn der Indikator, dass jemand alt ist. "Sie lesen's alle, göll?", bedauert er sein Publikum. Das wäre auch gar nicht schlimm, gibt sich Martin Frank versöhnlich, man müsse ja gut informiert sein.

Der Niederbayer sorgt für leichte Unterhaltung und bewegt sich oberhalb der Gürtellinie. Auch das mag ein Grund für seine immer stärker wachsende Fangemeinde sein. Und zwischendurch möchte man ihn doch in seine Backen kneifen, die Brille geraderücken und ihm auf die Schulter klopfen - zum Trost, ganz gemäß seines Programms: "Es kommt, wie's kommt."

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