09.08.2019 - 09:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Kater vom Paradeplatz

Amberg hat einen neuen Rucksacksepp: "Herr K." tritt in die Fußstapfen des Unikats. In den Straßen und Gassen der Altstadt ist der Kater so bekannt wie ein bunter Hund.

von vfiProfil

Herr K. ist ein Held in seiner Nachbarschaft. Seit etwa vier Jahren lebt der schneeweiße Kater mit seinen Mitbewohnern Matthias Weiß, Astrid Feuerer und ihrer kleinen Tochter am Paradeplatz. Für viele Nachbarn, umliegende Ladenbesitzer und Politessen gehört der Streuner fest zu ihrem Alltag. Auch die Gäste im Fronfeste Hotel haben ihn inzwischen zu einem der beliebtesten Fotomodelle der Altstadt auserkoren. Bei seinen täglichen Streifzügen durch die Gassen inspiziert der Kater gerne parkende Motorräder und blockiert mit Vorliebe ein paar Parkplätze. Ganz selbstverständlich warten die Fahrer geduldig bis er weiterzieht oder fahren um ihn herum. Auch der Einkaufsbummel durch die Fußgängerzone gehört für Herrn K. fest zum abenteuerlichen Stadtleben. Am liebsten schaut er bei trendigen Modeläden wie New Yorker, Vero Moda und S.Oliver vorbei, wandert gemütlich durch die Kleiderständer und flaniert von Schaufenster zu Schaufenster. Herr K. genießt die Aufmerksamkeit der Passanten und holt sich gerne Streicheleinheiten. Nur Zuhause bei seinen Besitzern lässt er sich selten kraulen.

Als Herr K. in die Altstadtwohnung hinter dem Walfischhaus einzog, teilte er sein Körbchen noch mit dem Boxer-Labrador-Mischling Bailey. Die beiden heckten gemeinsam Streiche aus und waren ein unzertrennliches Team. Als die Hündin verstarb, schien Herr K. seinen Besitzern die Schuld dafür zu geben. Er ließ sich kaum mehr Zuhause streicheln, wollte morgens sofort raus und kam nur noch abends zum Fressen nach Hause. "Das hat er uns nie verziehen", seufzt Weiß. Besonders seine Freundin machte sich immer häufiger Sorgen um den Streuner, denn Herr K. ist aufgrund eines Herzfehlers täglich auf Blutdrucksenker und Trombosetabletten angewiesen. Als er immer häufiger auch über Nacht draußen blieb, richteten Weiß und Feuerer eine Facebookseite für ihren Kater ein, damit die Amberger wissen, dass er ein Zuhause hat und schnell Suchaktionen gestartet werden können. "Viele denken, die Seite ist rein aus einem Scherz entstanden, aber das Ganze hatte durchaus seinen Zweck.", erzählt Weiß und sein Plan ging tatsächlich auf. Herr K. bekommt regelmäßig Nachrichten und Kommentare von Leuten, denen er tagsüber über den Weg gelaufen ist. Sie schicken Fotos von seinen Streifzügen und helfen bei der Suche, wenn er mal wieder verschollen oder kurzerhand bei einem Nachbarn eingezogen ist.

Herr Ks Facebook-Seite

Kürzlich fehlte fünf Tage lang jedes Lebenszeichen von dem Kater. Feuerer glaubte ihn bereits endgültig verloren, als plötzlich das Telefon klingelte. Eine Dame aus Bad Berneck im Fichtelgebirge erzählte, sie habe Herrn K. bei sich. Da staunten Herrchen und Frauchen natürlich nicht schlecht. Die Dame arbeitet im Amberger Modeladen Tom Tailor und hielt ihren vierbeinigen Kunden für einen heimatlosen Streuner. Sie nahm ihn mit zu sich nach Hause, aber als sie den Code in seinem Ohr entdeckte, meldete sie sich gleich bei den Besitzern und brachte den kleinen Flâneur wohlbehütet zurück nach Amberg. Nach diesem Ausflug beschließen Weiß und Feuerer nun endgültig, dass das Stadtleben zu gefährlich für ihren kleinen Abenteurer ist.

Mit ihrem Kater raus aus der Altstadt ins Grüne zu ziehen, kommt für die junge Familie allerdings nicht in Frage. Zu sehr genießen sie die nachbarschaftliche Atmosphäre und das Mittendrin im Amberger Ei. Den eigenen Garten ersetzt ein Schrebergarten in Ammersicht und wenn die beiden Siemensianer ihre Tochter von der Kita abholen, machen sie ausgiebige Spaziergänge durch das LGS-Gelände. Herr K. musste daher allein in sein "Feriendomizil" zu Weiß Schwiegereltern umsiedeln. Hier streunt er nun durch die Gärten der Dorfnachbarn. "Schade, Herr K., dich nicht mehr durch die Gassen Strawanzen zu sehen.", schreibt ein Nutzer in Facebook. Eine andere Dame kommentiert: "Amberg wird dich vermissen."

Der Hobbyfotograf Weiß möchte eines Tages einen Bildband über die Persönlichkeiten der Amberger Altstadt erstellen, die das tägliche Leben so vieler Menschen prägen. Ob Herr K. dann auch einen Platz darin findet, wird sich zeigen.

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