13.06.2018 - 10:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein Tabu am Telefon: Ärzte geben Rat

Kaum hatten sie die Hörer aus der Hand gelegt, klingelt es schon wieder. Mehr als eineinhalb Stunden lang sitzen drei Ärzte am Dienstag am Telefon. Sie waren zur Telefonsprechstunde in die Amberger Zeitung gekommen. Das Thema: Inkontinenz.

Dr. Michael Rogenhofer, Josef Koller und Dr. Michaela Beha (von links) hatten bei der Telefonsprechstunde in der AZ ein offenes Ohr für die Fragen und Anliegen der Anrufer zum - häufig tabuisierten - Thema Harninkontinenz.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Eine Erkrankung, die viele Menschen still ertragen. Dieses Tabu sollte bei der Telefonaktion mit Frauenärztin Dr. Michaela Beha, Josef Koller, Oberarzt an der urologischen Klinik am Krankenhaus St. Marien in Amberg, und Urologe Dr. Michael Rogenhofer gebrochen werden. Organisiert wurde das kostenlose Angebot von der Amberger Zeitung und dem Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM).

"Ich hatte das Gefühl, dass die Betroffenen am Telefon freier sprechen konnten. Manche haben sich ihre Belastung richtig von der Seele geredet", resümierte Beha. Eine Anruferin erzählte ihr zum Beispiel, dass sie so gerne wieder ins Theater gehen würde, sich aber aufgrund ihrer Harninkontinenz nicht mehr traut. "Den wahren Grund dafür will sie ihren Freundinnen nicht verraten."

Das nied­rig­schwel­lige Angebot, am Telefon über ein solch sensibles Thema zu sprechen, wurde sehr gut angenommen. Es entstand eine gewisse Distanz, die es den Betroffenen erleichterte, über ihre Probleme zu sprechen. Zum Telefon griffen vor allem ältere Patienten, die schon länger mit Problemen zu kämpfen haben. UGOM-Geschäftsführer Henryk Steinbach zeigte sich "absolut zufrieden", er freute sich über das große Interesse. "Wir hatten so gut wie keinen Leerlauf." Ziel sei es gewesen, die Patientenversorgung in der Region zu verbessern und bei der Kommunikation auch einmal eine alternative Methode anzubieten. "Ich hoffe, dass etliche Fragen abgeklärt werden konnten und alle Anrufer dran kamen."

In den meisten Fällen ersetzte der Anruf natürlich keinen Arztbesuch. Bei komplexen Krankheitsbildern, kann am Telefon keine Diagnose gestellt werden. "Aber wir konnten einige Patienten durch unseren Rat wieder in die richtige Richtung leiten", erklärte Rogenhofer. Manche Anrufer seien sehr gut informiert gewesen, sie hatten bereits Operationen hinter sich oder ihnen stehen Eingriffe bevor. "Die wollten einfach eine zweite Meinung einholen." Andere hingegen seien seit Jahren nicht mehr beim Arzt gewesen, zeigte sich Koller über deren hohe Toleranzgrenze erstaunt. "Ich habe mit jemandem gesprochen, der seit 50 Jahren Probleme hat, aber sich nicht behandeln hat lassen." Manche Patienten denken, sie müssten mit ihren Einschränkungen leben. "Die Leute in die Praxis bringen", ist für Koller deshalb das Wichtigste. Beha freute sich, dass sie einigen Anruferinnen ganz konkrete und praktische Tipps geben konnte: "Die können die Patientinnen schon morgen umsetzen."


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