23.12.2019 - 11:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn der Kinderwünsch unerfüllt ist

Verliebt, verlobt, verheiratet. Karriere, dann das Haus, aber die Kinder bleiben aus. Über gesellschaftliche Hürden, das nötige Feingefühl gegenüber Betroffenen und wie diese unterstützt werden können, erzählt Stephanie Bogner.

Stephanie Bogner von Donum Vitae Amberg hilft neue Lebensziele zu erkennen, wenn der Wunsch nach Kindern nicht erfüllt ist.
von Dagmar WilliamsonProfil

Rund 9,8 Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren sind laut dem Bundesministerium für Familie ungewollt kinderlos. Die Hälfte kann sich ihren Wunsch durch medizinische Behandlungen erfüllen - andere wiederum müssen lernen, mit der Situation umzugehen. "Sicher sind Adoption oder Pflegschaft eine Alternative - nur birgt diese wieder Emotionen, die mit Hoffen und Bangen verknüpft sind und davon wollen sich kinderlose Paare lösen", sagt Bogner.

Im Moment betreut die Sozialpädagogin von Donum Vitae eine Gruppe von neun Erwachsenen. "Es waren zehn, aber eine junge Dame war zum Zeitpunkt des ersten Treffens schwanger", erzählt Bogner mit einem Lächeln. Da war die Freude so groß, es seien Tränen geflossen. Letzteres passiere allerdings oft aus Trauer, Wut und Unverständnis. "Das Warum wird nie geklärt werden." Warum wird mir der Wunsch nach dem vollkommenen Glück verwehrt, fragen sich die Betroffenen. Daraus resultiert Stress. Hinzu kommt der leichtfertige Small-Talk: "Bist du karrieregeil? Wann wollt ihr anfangen mit dem Nachwuchs?"

Eine Ambergerin beschreibt den unerfüllten Wunsch so: "Manchmal lag ich tagelang im Bett, meldete mich krank und wollte niemanden sehen". Die 38-Jährige litt über zehn Jahre an der Kinderlosigkeit, konnte sich für schwangere Freundinnen nicht freuen und empörte sich gar, wenn eine Frau über Abtreibung nachdachte. "An Spielplätzen vorbei zu gehen bedeutete für mich eine aufkommende Depression und das Rad begann sich von vorne zu drehen." Mittlerweile widmet sie sich ganz ihrer Karriere - in einer Branche, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unmöglich macht.

Bogner kennt das Gefühl der Kinderlosigkeit, obgleich sie sich jetzt glückliche Mutter nennen darf. Deswegen weiß die Expertin um die Rat- und Hilflosigkeit der Frauen. "Da helfen keine positiven Kalendersprüche - das ist so ziemlich das letzte, was Betroffene hören wollen." Was aber hilft, ist das Wissen nicht allein zu sein. Deshalb empfiehlt die Sozialpädagogin gleich mit Beginn der Kinderwunsch-Behandlungen, den Kontakt mit Betroffenen zu suchen. "Die Geschichten der anderen können sehr inspirierend sein", sagt Bogner. Den Kinderwunsch aufzugeben, ist ein langer Prozess, aber für viele befreiend. "Dann muss man sich die Frage stellen: Was will ich von meinem Leben in den nächsten 20 Jahren?" Für viele sei das ein Neuanfang. Ein anderer Beruf. Ein Ortswechsel. Ein Bauernhof, der aufwendig renoviert wird. Eine Weltreise.

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