03.12.2018 - 12:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Kleine Schneeflocken feiern mit

Anfang der 80er-Jahre ist es noch ein Privileg, Tanzunterricht zu haben. Den Boom erlebt die Ballettschule nach der ZDF-Weihnachtsserie "Anna". Jetzt feiert Renate Winter an der Schiffbrückgasse ein großes Jubiläum.

von Dagmar WilliamsonProfil

Viele Auswahlmöglichkeiten blieben ihr vor 50 Jahren nicht. Krankengymnastik oder Tanz. Bereits mit 24 Jahren übernahm Renate Winter die Ballettschule ihrer verstorbenen Mutter. Seitdem unterrichtet sie Ballett. Versteckt in einer charmanten Ecke der Stadt direkt an der Brücke. Ein schmales Tor führt durch einen ebenso schmalen Weg zum Eingang. Eine hölzerne Schiebetür öffnet das Portal. Dahinter ist ein kleiner Raum mit kleinen Bänken und einem großen Spiegel.

Bereit für große Probe

Der glatt-glänzende Boden verleitet nahezu, sich zu drehen und zu gleiten. Für die letzten Proben vor dem großen Auftritt im Stadttheater tummeln sich kurze Beinchen im Tutu-Kostüm um Renate Winter. "Wer kann mir sagen, was morgen für ein Tag ist?", fragt sie ihre jüngsten Schülerinnen. "Probe im Theater!"

"Es ist unglaublich", sagt die Chefin. "Die Jahre sind so schnell vergangen." Renate Winter wurde von ihrer Mutter unterrichtet, beruflich entschied sie sich aber für die Krankengymnastik. Erst als sie wusste, sie würde in Amberg Ballett unterrichten, machte sie die Ausbildung zur Tanzlehrerin. Der Konkurrenzkampf der Bühnen-Tänzerinnen blieb ihr erspart. Aus ihrer Schule kam noch keine Primaballerina. Deren Werdegang steht Renate Winter etwas skeptisch gegenüber. Es brauche schon ein sehr großes Talent, um als Eltern das Opfer bringen zu wollen, das Kind in ein Internat zu schicken. Ab dem sechsten Lebensjahr, spätestens im Alter von zehn Jahren. Winter: "Und es ist anstrengend und durchaus auch ein Kampf, um es bis nach oben zu schaffen."

Schon mit drei Jahren

Die dreijährige Olivia ist die jüngste Schülerin in der Ballettschule. Das perfekte Alter, um mit dem Tanzen zu beginnen Sie fühlt sich richtig wohl und strahlt durchgehend. In ihrer Laufzeit unterrichtete Renate Winter auch ein gehörloses und ein blindes Mädchen. "Das hat wunderbar geklappt. Man behandelt einfach jedes Kind gleich." Schließlich habe jeder Schwächen und Stärken. Zudem helfe ihr die Ausbildung zur Krankengymnastin. So könne sie fehlerhafte Körperhaltungen korrigieren und Erkrankungen vorbeugen. Aber am liebsten sind ihr die Pubertierenden: "Die fordern mich geistig heraus." Sie argumentieren auf eine clevere Art. Als Vorbild muss Winter stets darauf bedacht sein, damenhaft und diplomatisch zu agieren.

Motivation ohne Zwang

Kritik gibt es von der erfahrenen Tanzlehrerin auch, aber dabei bleibt sie sanft und motiviert ohne Zwang, das Beste zu geben. Langsamer solle sie machen, empfehlen ihr die Ärzte nach einer Operation. Das fällt Renate Winter im Traum nicht ein. Stattdessen helfen ihr langjährige Schülerinnen wie die 17-jährige Annika Lehnert oder Tanja Fahrnholz. Die Lehrerin tanzt seit 40 Jahren in der Ballettschule und unterstützt Renate Winter auch bei der Organisation. Verändert habe sich nicht viel in all den Jahren, bis auf die Musik.

Dann ist es soweit: Der Vorhang geht auf und dem Publikum öffnet sich ein traumhaftes Bühnenbild. Tänzerisch stellen die Mädchen das Öffnen einer Rose dar, gefolgt von den Kleinsten, die an diesem Tag Schneeflocken verkörpern.

Mehr als 100 Kinder, Jugendliche, Eltern, Familienangehörige und Freunde von Renate Winter gratulieren ihr an diesem besonderen Tag zur 50-Jahr-Feier ihrer erfolgreich geführten Ballettschule.Weitere Bilder im Internet: www.onetz.de/2567302

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