19.07.2019 - 10:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Kommunale Jugendpolitik: Plädoyer für jugendgerechte Räume

Politiker und Experten aus der Oberpfalz treffen sich zur Kommunalen Bezirkskonferenz im Landratsamt in Amberg. Sie zeigen auf, warum eine erfolgreiche Jugendpolitik die Zukunft vor Ort sichert. Doch noch gibt es Hausaufgaben zu erledigen.

Zahlreiche Kommunalpolitiker und Verantwortliche aus der Jugendarbeit nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Foto: Bezirksjugendring Oberpfalz/Philipp Seitz
von Externer BeitragProfil

Die Veranstaltung war als Austausch zwischen Bürgermeister und Kommunalpolitiker gedacht und sollte die Lebensräume junger Menschen in den Gemeinden, Märkten und Städten beleuchten. Die Konferenz organisierte der Bezirksjugendring Oberpfalz in Kooperation mit dem Bezirk, dem Bezirksverband des Bayerischen Gemeindetags, der Bezirksarbeitsgemeinschaft Oberpfalz der Kommunalen Jugendarbeit und dem Jugendring. Es wurde die Frage diskutiert, wo sich Jugendliche wohlfühlen würden.

Bürgermeisterin Brigitte Netta (Amberg) betonte, dass junge Menschen Orte bräuchten, an denen sie ungestört sein und ihre Freizeit verbringen könnten. Für Simon Frank, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Cham, war klar, dass es verschiedene Szenarien gebe: So seien Rückzugsorte, wie Hütten oder Bauwägen am Waldesrand, immer beliebt. Andere Jugendliche bevorzugen dagegen beispielsweise Parkplätze von Supermärkten, um hier Altersgenossen zu treffen. Wissenschaftlich belegt sei, so Professor Rainer Kilb, dass junge Leute „ihr Leben und Lebensumfeld in der Herkunftsregion an urbanen Standards messen“. Deshalb gelte es, auf die Anforderungen der jungen Menschen die passenden Antworten zu finden, um einen Wegzug zu verhindern.

Claudia Mai, kommunale Jugendpflegerin im Landkreis Amberg-Sulzbach, warb mit Oliver Schmidt (Neumarkt) darum, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: „Es ist schön, wenn man einer Gemeinde ansieht, dass hier auch junge Menschen zu Hause sind.“ Eine aktive Jugendarbeit sei ein wertvoller Beitrag zu einem gelungenen Gemeindeleben. Es gebe viele einfache Möglichkeiten, um den öffentlichen Raum für die Jugend attraktiv zu gestalten: So könnten öffentlich zugängliche Spray-Flächen geschaffen werden, um so Raum für Graffiti-Kunst zu geben. „Das ist ein schönes Zeichen, dass junge Kultur vor Ort zugelassen und auch geschätzt wird.“

Eine Herausforderung ist die zunehmende Digitalisierung. Insbesondere die virtuellen Räume würden für die junge Generation immer wichtiger. In Befragungen würden Jugendliche sogar angeben, dass Smartphones nahezu Bestandteil des eigenen Körpers wären, veranschaulichte Professor Kilb. Die virtuelle Präsenz junger Menschen liege pro Woche im Schnitt bei fast 30 Stunden. Hier sieht Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz noch Handlungsbedarf. Es gelte, auch in den Kommunen die Augen vor der zunehmenden Digitalisierung nicht zu verschließen. In den nordischen Ländern, beispielsweise Finnland und Estland, sei es in vielen Bibliotheken längst Standard, dass neben Büchern auch Gaming-Stationen und Innovationslabs, die spielerisch an das Programmieren heranführen, bereitgestellt werden.

Für Seitz ist die Jugendzeit ein Lebensalter, in dem Weichen für die Zukunft gestellt werden. Gerade in den Kommunen seien die Auswirkungen politischer Beschlüsse vor Ort für junge Menschen unmittelbar erlebbar. Zukunftskommunen seien deshalb jugendgerechte Orte, die Chancen und Teilhabemöglichkeiten bieten. Dies bekräftigte auch Bezirkskulturreferent Richard Gaßner. Er warb darum, die Jugend vor Ort noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Es gelte, Jugendparlamente oder Jugendforen zu schaffen und vor allem auch für nicht-vereinsgebundene junge Menschen ein Podium zu schaffen. „Wir verlieren junge Menschen oft an die Städte. Dem müssen wir entgegenwirken“, betonte Gaßner. Auch über einen hauptberuflichen Gemeindejugendpfleger solle nachgedacht werden. Hier könnten sich auch mehrere Gemeinden zusammenschließen, wie dies etwa in Kümmersbruck, Rieden und Ensdorf der Fall sei. Eine gute Jugendpolitik sei Zukunftspolitik.

Gelungene Beispiele in der Oberpfalz gibt es hier aus mehreren Gemeinden und Städten. In Fuchsmühl (Landkreis Tirschenreuth) etablierte Bürgermeister Wolfgang Braun eine Zukunftswerkstatt. Dies sei eine „lohnenswerte“ Aktion gewesen, wie Braun betonte. An der Werkstatt hätten sich knapp 40 Prozent aller Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren beteiligt. Sie gaben vor Ort an, wie ihr ideales Freizeitumfeld vor Ort aussehen würde. Die Ideen werden nach und nach umgesetzt. Für Landrat Richard Reisinger rückte die Veranstaltung „ein äußerst wichtiges Themenfeld“ in den Fokus. Daran gelte es anzuknüpfen und an der Jugendfreundlichkeit der Kommunen zu bauen.

Von links: Bezirksjugendringvorsitzender Philipp Seitz, Kulturreferent Richard Gaßner, Jugendamtsleiter Thomas Schieder, Prof. Reiner Kilb, Moderator Markus Panzer, die Kommunalen Jugendpfleger Theresia Kunz (Tirschenreuth), Oliver Schmidt (Neumarkt), Jürgen Ziegler (Kulmbach), Bürgermeisterin Brigitte Netta, Bürgermeister Wolfgang Braun, Frank Langguth vom Amt für ländliche Entwicklung, Kommunale Jugendpflegerin Amberg-Sulzbach Claudia Mai, stellvertretender Bezirksjugendringvorsitzender Jürgen Preisinger, Foto: Bezirksjugendring Oberpfalz/Monika Schmidt
Zahlreiche Kommunalpolitiker und Verantwortliche aus der Jugendarbeit nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Foto: Bezirksjugendring Oberpfalz/Philipp Seitz
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