19.06.2020 - 09:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Kreisheimatpflegerin: "Das Donaulied braucht keiner"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

"Einst ging ich am Ufer der Donau entlang ..." So beginnt der Schunkel-Schlager, über den gerade heftig diskutiert wird. Auch Bierzelt-Musiker aus der Region haben dazu eine Meinung.

Die "Rotzlöffl" sind mittlerweile alte Hasen im Geschäft mit der Bierzelt-Stimmung. Christoph Plank (Dritter von links) hat sich nun auch zur Diskussion um das Donaulied geäußert.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Eine Studentin aus Passau hat den Text des Gassenhauers ordentlich satt. "Eins ging ich am Ufer der Donau entlang, ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand", heißt es anfangs in dem Lied. Danach wird unverblümt eine Vergewaltigung besungen und sich mit derben Worten über das Opfer lustig gemacht. In vielen Bierzelten ist das Lied bereits gegröhlt worden. "Da ist doch nichts dabei", sagen diejenigen, die den Wortlaut unter dem Deckmantel der Bierseeligkeit nicht so ernst nehmen.

Die junge Frau aus Niederbayern nimmt den Text durchaus ernst. Sie will erreichen, dass sich die Menschen endlich mit den Aussagen befassen. Sie hat eine Online-Petition gegen das Lied gestartet und zudem eine „Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“ ins Leben gerufen. Für ihr Engagement erntet sie Zuspruch, aber auch Spott. Bis jetzt haben fast 34 500 Unterstützer die Petition unterschrieben.

Christoph Plank, der als Musiker oft in Bierzelten unterwegs ist, kennt das Donaulied natürlich: „Wir haben das Lied aktuell aber nicht im Programm.“ Seine Musikanten-Kollegen und er haben die Diskussion verfolgt. „Meine persönliche Meinung ist zwiespältig“, sagt er. Die Studentin habe natürlich recht, was den Inhalt des Liedes betrifft. Zur Ehrenrettung der Bierzeltbesucher verweist er aber darauf, dass die Handlung vom Lied bis dato wahrscheinlich die Wenigsten so vor Augen hatten.

„Im Bierzelt geht es lustig, feuchtfröhlich und stimmungsvoll zu. Da wird viel gesungen, gelacht und auf den Bänken getanzt. Dabei werden Lieder und Songs gebrüllt, bei denen meiner Meinung nach der Textinhalt zweitrangig oder teilweise sogar nicht einmal verstanden wird“, sagt Plank. Vor allem bei englischen Nummern sei der Text oft sehr fragwürdig. „Ich will damit aber keinesfalls Sexismus verharmlosen“, betont der Musiker. Er sei überzeugt davon, dass es beim Donaulied eher um die mitreißende Melodie und das „Oh la la la“ gehe. „Für alle, die das Herz am richtigen Fleck haben und friedlich feiern wollen, sind auch solche Texte nicht das Problem“, meint Plank. „Die anderen sind die, die ja nicht erst einen Liedtext benötigen, um sich völlig daneben und total unangebracht zu benehmen. Die gibt es leider immer und überall.“

„Text ist sexistisch“

Martha Pruy ist die für Volksmusik zuständige Kreisheimatpflegerin im Landkreis Amberg-Sulzbach. Stimmungsmusik im Bierzelt ist zwar nicht ihr originäres Metier, sie hat aber eine klare Meinung und weist auf Parallelen zum tradierten Volksgesang hin. „In Brauchtum steckt das Wort brauchen. Die Volksmusikpflege braucht dieses diskutierte Donaulied nicht. Der Text ist sexistisch und verherrlicht eine Straftat.“ Pruy blickt in die Historie zurück: „Vor Jahrhunderten waren die Männer in den Wirtshäusern unter sich, Frauen fanden dort kaum Zutritt. Das widerspiegeln auch die Trinklieder, die zu vorgerückter Stunde immer derber und hemmungsloser wurden.“ Dabei spielten die Alkohol- und Stimmungspegel eine große Rolle.

Mit deftigen, erotischen, zotenhaften Texten und tabuisierten Inhalten und Wörtern werde in Gaudi-Gesängen bis heute mitunter derbleckt, gefrozzelt, provoziert und schockiert. An- oder Fehlgriffe im Ton seien, beispielsweise im Schnoderhüpfl, als Unterhaltung gesehen worden und nicht als Beleidigung oder Straftat.

„Mittlerweile gibt es zu vielen Liedern abgemilderte Textvarianten, denn lebendige Tradition muss sich weiterentwickeln“, sagt Pruy. Und sie unterstreicht: „Tradition und Veränderung ist kein Widerspruch.“

Zur Online-Petition #Bierzeltsexismus "Aktion gegen das Donaulied"

Eine Studentin aus Passau hat die Diskussion angestoßen

Bayern

Der Streit um das Donaulied

Deutschland & Welt
Kreisheimatpflegerin Martha Pruy schunkelt gerne, aber nicht zum Donaulied. Hier mit Hans Meindl beim Volksmusik-Fest "„Blech und frech“ im ACC in Amberg.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.