16.07.2018 - 11:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Künstlerischer Spagat wird zum Katzensprung

Der Spagat zwischen slawischen und japanischen Legenden scheint groß und dennoch gelingt es Tomoe Hikita und Johannes Bauer einen Katzensprung daraus zu machen. Die Vernissage „Found in the void“ ist im Kulturstift eröffnet.

Johannes Bauer und Tomoe Hikita erzählen über die Entstehung ihres gemeinsamen Projektes "Oumagatoki".

(dwi) Der Spagat zwischen slawischen und japanischen Legenden scheint groß. Und dennoch gelingt es Tomoe Hikita und Johannes Bauer, einen Katzensprung daraus zu machen. Die Vernissage "Found in the void" (deutsch: Gefunden im Nichts) ist im Kulturstift eröffnet.

"Gegensätze ziehen sich an" - dafür sind Tomoe Hikita und Johannes Bauer der lebende Beweis. Sie: klein und zierlich. Kurze Haare, farbenprächtige Bluse, Japanerin. Er: sehr groß und schlaksig. Langes, wallendes Haar, sein Outfit hält sich bedeckt im dunklen Bereich. Beide sind schüchtern und zurückhaltend. "Unheimlich aufgeregt", bestätigen die Kunststudenten im sechsten Semester. Ist es doch ihre erste Duo-Ausstellung. Aus 30 Mitstreitern auserwählt von Professorin Susanne Kühn von der Kunstakademie Nürnberg.

Für Tomoe Hikita war es ein Segen, dort aufgenommen zu werden. Seit sechs Jahren ist die studierte Grafik-Designerin aus Tokio in Deutschland. Sie ist dankbar, dass sie sich durchsetzen darf, dass sie ihre Meinung äußern und ein selbstbestimmtes Leben, sowohl privat als auch an der Akademie, führen kann. "In Japan ist es anders", erzählt die 33-Jährige. Motivierende Worte, wie sie sie von ihrer Professorin kennt, stünden ganz unten. Auch die Bandbreite an Kunst, die sie zwischen Berlin und Amberg erlebte, gäbe es auf diese Art in Japan nicht. Dafür ist Tomoe Hikita eine dieser Künstlerinnen, die Tradition aus der Heimat mit Zeitgenössischem verbindet. Die große Zusammenarbeit der beiden Studenten für "Found in the void" bringt Licht ins Dunkel. "Oumagatoki" nennt sich das böse Stück auf hängendem Laken. Es ist das japanische Wort für den Zeitraum der Dämmerung, in der die kleinen bösen Dämonen erwachen, aus ihren Verstecken kriechen und Unheil bringen wollen. Laut einer Legende streben sie danach, den natürlichen Lebensraum mit Konsum und westlichen Materialismus zu verseuchen. Am Anfang lag nur der Stoff. Abwechselnd bearbeiteten Bauer und Hikita das Laken mit Farbe bis sich aus dem Zufall eben dieses Wort malerisch zu darstellen begann. Jeder passte sich dem anderen an und kommunizierte auf diese Weise die eigene Vorstellung. "Hier noch ein paar Wälder", sagt der 27-Jährige. "Und da noch ein paar Berge", ergänzt seine Kollegin. Fernab der traditionellen japanischen Kunst, aber ausdrucksstark und erzählerisch. Ein Bösewicht kommt selten allein, und so steht auch eine Installation von Johannes Bauer im Raum. Seine "Baba Jaga" wirkt höhlenartig und verschlingend. Viele Legenden kursieren um die Märchengestalt. Aber eine hübsche Waldfee oder Erdengöttin aus esoterischer Sicht beabsichtigte der Künstler nicht darzustellen. Einige Betrachter tendieren zur schrumpeligen Hexe in Zeltform. Definitiv ein Hingucker. Stimmig ist die Anordnung der Werke und die Farbauswahl. Versteckte Formen in Öl auf Leinwand, wie zum Beispiel Handschattenspiele in Farbe, wollen entdeckt werden. Beide verstehen es, dem Prozess der Malerei eine Bedeutung hinzuzufügen.

Wann ein Werk vollkommen ist, dafür gebe es für Johannes Bauer keine Formel. Auch hier entscheiden Zufall und Intuition. Bildkompositionen aus Geometrischem und Abstraktem erwarten die Besucher von "Found in the void". Die Werke sind im Amberger Kulturstift, Neustift 47, bis Samstag, 28. Juli, ausgestellt.


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