29.10.2018 - 17:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Kunst vom Dachboden

Beinahe stolpert eine Dame über das Objekt von Professor Gerhard Wendland, das sich am Boden äußerst ästhetisch, aber halt auch gefährdet befindet. Der Kulturstift platzt aus allen Nähten, als eine besondere Ausstellung eröffnet wird.

Viele Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung.
von Karin HegenProfil

Vor allem ältere Besucher sind am Freitagabend gekommen, als die Ausstellung "Amberg progressiv '68 '18" eröffnet wird. Viele können sich noch an die damalige Zeit erinnern. "Lass' uns mal auf den Fotos schauen, ob wir noch jemanden erkennen", fordert eine Besucherin ihren Begleiter auf. Zur Einstimmung spielen Cash und Helmut Schuster "How many roads", der halbe textsichere Saal singt mit.

Günter Dollhopf war zu Lebzeiten der Initiator dieser Hommage an eine künstlerische Provokation, die vor 50 Jahren im Baustadel der Stadt ihre Spuren hinterlassen hatte. Zu Zeiten, in denen ein Zeichenlehrer Picasso als Pinscher bezeichnete, Brecht zum Kommunisten gemacht wurde und der Stadtrat verhinderte, dass dieser im Stadttheater gespielt wurde. "Man wollte dem Amberger Spießertum etwas vor den Latz knallen", erzählt Hans Graf, Vorsitzender des A.K.T. und selbst zu jener Zeit als 17-Jähriger auf der Suche nach künstlerischer Freiheit. Mit Hilfe seiner rührigen Mitglieder hat er die heute ausgestellten Werke zusammengetragen.

Manche wurden auf Mutterns Dachboden gesucht und gefunden - "was man ganz deutlich sieht", so Graf. Das Grundprinzip ist, dass nur Originale, die '68 hingen, wieder zu Ehren kommen. Bei Griebl ist es nicht gelungen, er hat einfach zwei ausgesucht und sie mitgegeben. Anders sieht die Sache bei Heini Hohl aus. Er war Debutant bei "Amberg progressiv", und es gibt ein klares Wiedererkennen beim Blick auf seine Werke, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Einen Besuchermagneten hatte man damals auch: die Malmaschine. Diese existiert nicht mehr, wurde aber von "Bastler" Stefan Stock nachgebaut und im Hof des Kulturstifts installiert.

"Das war keine gute Idee, die hier bei der schlechten Beleuchtung hinzustellen", sagt er lachend und pfriemelt mit bekleckerten Händen an den Farbkartuschen herum. Das erste "Werk" zieht er aus der Trommel und hängt es zum Trocknen auf. Dieses "sich selbst nicht zu ernst zu nehmen" ist ein angenehmer Grundton, der bei dieser Reise zurück in die Kunstgeschichte der Stadt mitschwingt und diese Ausstellung für alle Altersklassen sehenswert macht.

Die erste Ausstellung ist zu sehen von Mittwoch, 31. Oktober, bis Samstag, 3. November, sowie von Mittwoch, 7., bis Samstag, 11. November. Folgen wird auch noch eine zweite Ausstellung. Deren Öffnungszeiten sind: Samstag, 17. November; Mittwoch, 21., bis Samstag, 24. November, sowie von Mittwoch, 28. November, bis Samstag, 1. Dezember.

Interessiert betrachteten die Besucher die Fotos von damals.
Ein Kunstwerk von Jochen Lebert.
Das filigrane Kunstwerk von Professor Wendland.
Die Malmaschine.

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