20.11.2018 - 09:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Kunst des neuen Progressivseins

50 Jahre nachdem Amberg zum ersten Mal progressiv wurde, zeigen jetzt auch die jungen Künstler von heute im Kulturstift ihre fortschrittliche Seite. Musikalisch wird es ebenfalls modern.

"Smile - it confuses people" - mit diesem Motto geht die Band Wintermay an den Start. Für einen Maitag im Winter sorgten bei der Eröffnung des zweiten Teils von "Amberg progressiv '68 '18" (von links): Roland Hindl, Michi Mautz, Sänger Winni Wonder Rudrof und Simon "Monsn" Thomas.
von PKMOProfil

Nachdem in der ersten Ausstellungsrunde den Protagonisten von 1968 gehuldigt wurde, gehört der zweite Teil des Revivals "Amberg progressiv '68 '18" den jungen Wilden von heute. Der A.K.T.-Kunstverein hatte alte und junge Künstler eingeladen, um zu zeigen, was es bedeutet, heute progressiv Kunst zu machen. "Die jungen Leute, auch die Künstler, wissen doch gar nicht mehr, was progressiv sein bedeutet", meint A.K.T.-Vorsitzender Hans Graf und fügt hinzu: "Kunst macht heute keine Skandale mehr, anders als damals. Aber wir wollten zeigen, was Kunst heute sein kann."

Die Organisatoren haben sich also auf die Suche gemacht, alte Spuren wieder zu finden und neue zu legen. Vor allem moderne Technologien und eine andere Materialverwendung haben in das Schaffen der Gegenwart Einzug gehalten. Das zeigen Marion Macks Inszenierung mit Holz, Metallschrauben und Glas oder Moritz Hüttners Bewegtbildkunst. Lichtinstallationen mit Farbenspiel und Projektoren offenbaren die technische Seite der Kunst, die im digitalen Zeitalter unabdingbar scheint.

Und auch wenn es nicht mehr existenzielle Themen sind, mit denen sich die Jugend von heute auseinandersetzen muss, heißt das nicht, dass die neue Generation weniger Probleme oder nichts zu sagen hätte. Marcus Trepeschs Beitrag, zum Beispiel, widmet sich dem Selbst- und Fremdbild und hält dem aufmerksamen Betrachter einen Spiegel vor.

Genau wie die Kunst, so ist auch das Publikum am Eröffnungsabend eine bunte Mischung und besonders zahlreich. Auffällig viele junge Leute sind gekommen. Die Atmosphäre ist familiär und herzlich. "Dass heute mehr Menschen ins Museum als in die Kirche gehen, wer hätte das früher gedacht", wird Graf in seiner Eröffnungsrede nachdenklich. Passend zur Kunst gibt es an diesem Abend moderne Musik, um genau zu sein - jungfräuliche. Die vierköpfige Band Wintermay gibt ihr Debüt. "Ich hoffe, es wird laut und das ist auch gut so", kündigt Graf den rockigen Musik-Act an. Auch wenn die Band in München probt, haben drei Mitglieder ihre Wurzeln in Amberg und waren lange Teil der Band Mindjuice. Am Ende verlangt das Publikum lautstark nach einer Zugabe - und bekommt sie. Das Schlusslied widmet die Band Menschen, die mit Depressionen zu kämpfen haben. Filigran und kraftvoll möchte sie der Kälte der Welt eine positive Kraft entgegensetzen. Das ist ihnen gelungen.

Die Exponate des zweiten Ausstellungskatalogs können noch am Freitag und Samstag, 23. und 24. November, sowie am Freitag und Samstag, 30. November und 1. Dezember, jeweils von 15 bis 18 Uhr im Kulturstift bestaunt werden. Damals wie heute schließt die Ausstellungsreihe mit einer Podiumsdiskussion.

Am Freitag, 30. November, können Besucher unter anderem mit Barbara Leicht, Leiterin des Amtes für Kultur in Neumarkt, und Peter Angermann, Maler und ehemaliger Professor der Künste in Frankfurt und Nürnberg, sowie weiteren Kunstexperten darüber diskutieren, was progressive Kunst heute bedeutet. Beginn ist um 19.30 Uhr im Kulturstift an der Neustift. Für musikalische Unterstützung sorgt Ambiviolenz aus Nürnberg.

Randvoll mit Kunst und Gästen: Der Kulturstift war bei der Eröffnung des zweiten Ausstellungskatalogs ein beliebter Hotspot am Freitagabend bei jung und alt.
Als Rauchen in geschlossenen Räumen noch erlaubt war: Bilder von damals.
Kunst heute bedeutet eine neue Materialverwendung und den Einbzeug von Technologie.
Kunstbeitrag von Michaela Peter.
Inszenierung von Hanna Regina Uber.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.