27.12.2018 - 16:43 Uhr
AmbergOberpfalz

"Lächelt! Singt mit Euren Augen!"

53 Hobbymusiker, die noch nie zusammen gesungen haben, sechs Stunden Zeit und ein Weltstar als Coach, um ein Konzert auf die Beine zu stellen - dieses Wagnis gelingt in Amberg am Samstag mit Startenor Paul Phoenix.

Mit viel Geduld, Charme und Präsenz vermittelt Paul Phoenix den Sängern, welche Kleinigkeiten einen guten Auftritt zu einem großartigen machen können.
von Judith LehnerProfil
Nicht nur der Projektchor, auch das Vokalensemble Hori-Sing hat in der Paulanerkirche eine Premiere: Die neun Sänger und Startenor Paul Phoenix (links) haben sowohl moderne Arrangements als auch traditionelle Weihnachtslieder vorbereitet.

"Super, das klingt als würdet ihr mich gar nicht brauchen. Das wird ein tolles Konzert", sagt Paul Phoenix, nachdem der Projektchor das erste Stück gesungen hat, und macht Anstalten, wieder zu gehen. Die 53 Sänger lachen - schließlich ist Paul Phoenix der Grund, aus dem sie gekommen sind. Der Workshop wurde für Laien mit Chorerfahrung angeboten, die sich kurz vor Weihnachten mit Musik auf das Fest einstimmen wollen. Vier Stücke stehen auf dem Programm, die Noten bekamen alle Teilnehmer vorher zugeschickt, um sich auf den Tag vorzubereiten. Das hatten sie offenbar zuverlässig gemacht - sehr zur Freude von Phoenix, der sich beeindruckt zeigt: "Diese Gruppe hat noch nie zusammen gesungen, und es klingt, als wären sie seit zehn Jahren ein Chor."

Ein paar Ideen des Profis

Der wichtigste Teil ist zu diesem Zeitpunkt schon geschafft. Lisa-Marie Holzschuh, Mitgründerin von Horizing Music, die den Workshop organisierten, hatte am Vormittag die Grobstruktur der Stücke mit dem Projektchor erarbeitet. "Ich werde euch nun noch ein paar Ideen geben", so Phoenix. "Was wir zu eurer Performance noch hinzufügen können, ist tatsächliche 'Performance'".

Lässig auf der Bühne sitzend, verrät er den gespannten Sängern, was eine gute Aufführung ausmacht: "Die wichtigste Frage ist: Wie wollt ihr, dass sich das Publikum fühlt?" Fröhlich, natürlich - da sind sich alle einig. Und ein wenig gerührt, im besten Fall. Der erste Schritt dazu: "Lächelt! Singt mit euren Augen!", fordert der Profi die Sänger auf.

Weiter geht es mit dem musikalischen Feinschliff für die Stücke, die am Abend aufgeführt werden sollen. Dynamik, Aussprache, Mundformungen bei Vokalen, gemeinsame Absprachen: Phoenix fordert einiges an Konzentration und Disziplin ein. "Jeder im Chor ist gleich. Und jeder hat die gleiche Verantwortung, dass es am Ende klappt." Gleichzeitig sorgt der ehemalige King's Singer aber auch für eine lockere, angenehme Atmosphäre - nicht zuletzt durch eine gesunde Portion Witz und Selbstironie: "Denkt immer daran, wenn es so schwer wäre, wäre ich nicht in der Lage, es vorzumachen." Dann zeigt er aber trotzdem, was er kann und singt in einer Probenpause eines seiner Lieblingslieder für die Workshop-Teilnehmer: Es heißt "High road". Einige rührt es fast zu Tränen.

"Wer singt, lebt länger"

Doch die Pause ist bald vorbei, es sind nur noch wenige Stunden bis zum Konzert. Für das hat Paul Phoenix noch einige Tipps parat: Die Sänger sollen nicht nur ihre eigene, sondern auch alle anderen Stimmen im Blick haben. "Wenn ihr sowohl horizontal als auch vertikal denkt, seid ihr ein Gewinner-Chor". Gewonnen haben die Sänger auf jeden Fall. Obwohl sie nur einige Stunden mit dem Profi arbeiten, nimmt jeder etwas mit in seinen eigenen Chor. Und die Phoenix-Erkenntnis, "dass Menschen, die in Chören singen, länger leben". Aber er ergänzt auch: "Wir machen das nicht nur für uns. Wir machen das für die Leute, die uns zuhören wollen". Und das sind viele. Die Paulanerkirche ist voll, als das Ensemble Hori-Sing das erste Lied anstimmt. Da es an einem Probentag nicht möglich war, ein komplettes Konzert mit dem Projektchor zu erarbeiten, ergänzen das neu gegründete, neunköpfige Ensemble und Paul Phoenix das Programm.

Aus dieser bunten Mischung entsteht ein Konzert mit dem Titel "Silent Nights". Dessen Krönung gelingt mit "Adeste Fideles", das von Phoenix solistisch begonnen, dann vom Ensemble weitergeführt wird und in das schließlich der ganze Projektchor von der Empore aus mit einstimmt. Ein gelungener Abschluss für einen intensiven Tag.

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