30.03.2020 - 10:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Landrat Reisinger klärt zu Corona-Fragen auf

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus bedeuten seit Tagen massive Eingriffe in das öffentliche und private Leben. Landrat Richard Reisinger ist Leiter des Krisenstabs und beantwortet zum Coronavirus einige Fragen.

Richard Reisinger ist Landrat des Kreises Amberg-Sulzbach und Chef des Krisenstabs in Sachen Coronavirus-Erkrankung.
von Adele SchützProfil

Im Interview mit Richard Reisinger, Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach und Leiter des Krisenstabs, geht es unter anderem um Covid-19, um Fakten, diese Erkrankung verstehen zu können und um Verhaltensregeln zum Schutz vor einer Ansteckung.

ONETZ: Herr Reisinger, um welche Art von Virus handelt es sich beim Coronavirus und was macht ihn so gefährlich?

Richard Reisinger: Coronaviren wurden erstmals Mitte der 1960er-Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere. Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten.
In der Vergangenheit waren schwere, durch Coronaviren verursachte Krankheiten wie SARS oder MERS zwar weniger leicht übertragbar als Influenza, aber sie haben dennoch zu großen Ausbrüchen geführt, zum Teil in Krankenhäusern.

ONETZ: Was kann ich hier und jetzt tun, um mich selbst vor einer Erkrankung zu schützen?

Richard Reisinger: Das Ziel war und ist es, Infektionen möglichst früh zu erkennen und die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verlangsamen. Dazu hat die Bayerische Staatsregierung vor wenigen Tagen den Katastrophenfall ausgerufen und entsprechende Maßnahmen beschlossen. Die halte ich für konsequent und absolut richtig. Das ist für uns alle, da nehme ich mich als Landrat nicht aus, eine echte Bewährungsprobe, aber es dient dem Schutz der Bevölkerung. Und nur das zählt.
Jeder Einzelne von uns kann auch aktiv seinen Beitrag dazu leisten, da gibt es einen gewissen Verhaltenscodex, zum Beispiel sollten die Hust- und Niesregeln beachtet werden, also in den Ellenbogen niesen oder in ein Taschentuch, das Robert-Koch-Institut empfiehlt außerdem ein häufiges Händewaschen. Zudem raten wir, auf Abstand zu gehen und aufs Händeschütteln zu verzichten. Generell sollten Menschen, die Atemwegssymptome haben, zu Hause bleiben.

ONETZ: Was kann ich dazu beitragen, um die Verbreitung des Coronavirus in meinem Umfeld und in unserer Region zu verhindern?

Richard Reisinger: Wie vorhin erwähnt, ein paar Regeln beachten und nach Möglichkeit soziale Kontakte vermeiden, auch wenn das in vielen Fällen schwer fallen mag. Aktuell müssen wir uns diesen Begebenheiten anpassen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

ONETZ: Was wird seitens des Landratsamtes getan, um den Coronavirus in den Griff zu bekommen?

Richard Reisinger: Alles Menschenmögliche! Ich habe gleich am 16. März, an dem Tag, an dem Ministerpräsident Markus Söder den Katastrophenfall ausgerufen hat, einen Krisenstab eingerichtet, der sich aktuell trifft, um die Entwicklung einzuordnen und dementsprechend Entscheidungen zu treffen. Es besteht meines Erachtens kein Grund zur Panik, aber doch zur Sorgfalt.
Mein erster Schritt war deshalb das Landratsamt Amberg-Sulzbach mit seinen Außenstellen zum Schutz der Bevölkerung, aber auch meiner Mitarbeiter für den Parteiverkehr zu schließen. An den Wertstoffhöfen gibt es nur eine Notbesetzung und die Mitarbeiter sind von mir aufgefordert worden, vor Ort persönlichen Kontakt mit den Kunden nach Möglichkeit zu vermeiden. Mein Appell richtet sich aber genauso an die Bürgerinnen und Bürger, aktuell nur das Notwendigste zu den Wertstoffhöfen zu liefern.
Eine weitere Entscheidung von mir war die Einführung eines Bürgertelefons. Klar, medizinische Auskünfte können nach wie vor einzig und allein von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes gegeben werden, aber für andere Bereiche, zum Beispiel Fragen rund um die Verordnung der Bayerischen Staatsregierung, habe ich veranlasst, ein Bürgertelefon einzurichten.
Bei beiden Stellen steht das Telefon nicht still. Und da möchte ich die Gelegenheit dieses Interviews auch gerne mal nutzen, meinen Mitarbeitern zu danken! Mir ist die Ausnahmesituation absolut bewusst und ich weiß, was mein Team da gerade leistet.

ONETZ: Wie sieht die Zukunft in Sachen Gesundheit angesichts der Corona-Pandemie aus?

Richard Reisinger: Mein Ziel ist es aktuell, die Landkreisbevölkerung gut durch die Coronakrise zu führen. Was die Zukunft bringt, das können Virologen und andere Experten vermutlich besser einschätzen. Ich kann nur meinen Wunsch äußern, und der lautet, dass sich möglichst wenige Menschen hier bei uns im Amberg-Sulzbacher Land mit dem Virus infizieren und ernsthaft daran erkranken, und sich unser aller Leben schnellstmöglich wieder normalisiert, weil wir das Virus besiegt haben.

ONETZ: Wie wird das Coronavirus übertragen?

Richard Reisinger: Der Hauptübertragungsweg scheint die Tröpfcheninfektion zu sein. Theoretisch möglich beziehungsweise prinzipiell nicht ganz auszuschließen ist auch die Schmierinfektion, also Infektion durch kontaminierte Oberflächen, sowie eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen.

ONETZ: Wie weit ist unsere Region schon vom Coronavirus betroffen? Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr bei uns?

Richard Reisinger: Seit Mitte März sprechen wir von einer Pandemie, also einer weltweiten Ausbreitung des Virus. Das Robert-Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet sämtliche Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung ein. Fest steht, es handelt sich um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Die Zahlen von infizierten Menschen steigen auch in der Region Amberg/Amberg-Sulzbach weiter an.

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