29.10.2018 - 18:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Lange Haft steht nur auf dem Papier

Sie überschwemmen den Schwarzmarkt mit 180 Pfund Drogen. "Die bisher größte Menge in unserem Raum", sagt der Staatsanwalt. Dafür müssen drei Männer für Jahre ins Gefängnis. Allerdings steht diese Haft mehr oder weniger nur auf dem Papier.

Symbolbild.
von Autor HOUProfil

Vier Tage dauerte der Prozess beim Landgericht und vieles konzentrierte sich dabei auf ein Notizbuch. Darin hatte ein 26-Jähriger alles aufgeschrieben, was mit sechs nun angeklagten Beschaffungsfahrten nach Holland im Zusammenhang stand: Drogenmengen, Preise, Abnehmer für Marihuana, Haschisch und Kokain. 180 Pfund insgesamt. Vieles deutete darauf hin, dass noch weitaus mehr Touren stattfanden. Doch sie waren nicht nachzuweisen. "Mir ist nicht erinnerlich, dass wir vorher schon einmal solche Mengen hatten", sagte Staatsanwalt Tobias Kinzler in seinem Plädoyer. Er hielt den drei Angeklagten deren Geständnisse zugute, sah aber andererseits eine erhebliche kriminelle Energie. "Und das bei Leuten, die vorher nie eine Vorstrafe hatten."

Für einen 26-Jährigen, der im Kreis Schwandorf aufwuchs und in Regensburg studierte, forderte Kinzler siebeneinhalb Jahre Haft. Der junge Mann hatte die Rolle des Beschaffers übernommen. Fünfeinhalb bzw. sechs Jahre wollte der Anklagevertreter gegen die Komplizen des Studenten verhängt wissen: ein 29 Jahre alter Amberger, der die Rauschgiftfrachten bei sich im Haus bunkerte, und ein 28-Jähriger aus Teublitz, dem die Verteiler- und Verkäuferrolle in der südlichen Oberpfalz zukam.

Alle drei selbst abhängig

Kinzler stellte sich einer durch das Gericht anzuordnenden Drogentherapie nicht in den Weg. Er brachte dabei Gutachten ins Gespräch, in denen die medizinische Sachverständige Anna-Christine Wunder-Lippert allen drei Beschuldigten eine langjährige Rauschgiftabhängigkeit bescheinigt hatte. Die Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg), Julia Weinmann (München), Ekkehard Zink (Amberg) und Michael Spengler (Nürnberg) waren bemüht, ihren Mandanten die Therapie zu sichern und für sie außerdem einen sogenannten Vorwegvollzug in der Haft zu vermeiden. Mit einer Ausnahme gelang ihnen das auch.

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber schickte den Drogenbeschaffer für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis, billigte ihm aber eine Therapie zu und ordnete einen Vorwegvollzug von zwei Jahren in Haft an. Der 29-Jährige, der das Rauschgift aufbewahrte, bekam fünf Jahre und drei Monate. Auch er darf in den geschlossenen Entzug, der wohl zwei Jahre dauern wird.

Auf fünf Jahre und neun Monate Haft lautete das Urteil für den Mann aus Teublitz. Auch er kann in eine Fachklinik, um sich von seiner Abhängigkeit heilen zu lassen. Bei ihm wie auch bei dem 29-Jährigen verzichteten die Richter auf einen Vorwegvollzug hinter Gittern. Wenn beide ihre Therapie mit Erfolg absolvieren, können sie mit einer Bewährung für die Reststrafe rechnen. Eine solche Langzeittherapie von 24 Monaten kostet in der Regel 200 000 Euro.

Ganz ohne Vorstrafen

Was die drei Männer wohl bis ins Alter hinein belasten wird, ist die angeordnete Einziehung der bei den Drogendeals erwirtschafteten Beträge. Unter Berücksichtigung größerer Rauschgiftmengen, die am 19. Dezember 2017 bei Hausdurchsuchungen in Amberg und Teublitz beschlagnahmt wurden, ging die Kammer von 400 000 Euro aus. "Es ist erstaunlich, dass Leute, die keine Vorstrafen hatten, gleichsam aus dem Nichts heraus zu einem solchen Handel ansetzten", sagte Richterin Stöber. Gegen viele Abnehmer laufen Ermittlungsverfahren. Einige allerdings blieben anonym. Sie benutzten Decknamen wie "X" und "Hit", als sie in Teublitz bis zu 500 00 Euro auf den Tisch legten. Wer sie waren, wollten die Beschuldigten nicht sagen.

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