20.10.2019 - 15:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Lange Musemsnacht in Amberg: Wie in den Goldenen Zwanzigern

Legendär und sagenumwoben - die Goldenen Zwanziger Jahre. Die Besucher des Stadtmuseums wurden am Samstag in die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der neuen Kunst entführt. Dazu gab es zeitgenössische Musik.

Julia Riß (links), die ab Januar 2020 die Museumsleitung übernimmt, zeigt sich mit Mitarbeiterin Dagmar Lehner im typischen Gewand der Goldenen Zwanziger bei der langen Museumsnacht.

Nachdem der Erste Weltkrieg viele Bürger traumatisiert zurückließ, bildete sich eine gesellschaftliche neue Lust am Leben. Friedlich und humorvoll sollte jeder Moment ausgeschöpft sein. Ruderregatten, Boxkämpfe, Theater und Bibliotheken gehörten nun zum Alltag. Insbesondere auf die Bereiche Kunst und Kultur wirkte sich diese neue Energie aus. Die Künstler wollten sich im Gegensatz zum Expressionismus auf das Sichtbare besinnen. Politisches Interesse und soziale Kritik spielten nun eine große Rolle. Art déco, der Stil aus Frankreich, war besonders beliebt und wirkte sich ebenso auf die Architektur aus. Charakteristisch dafür waren florale und organische Motive oder auch Sonnenstrahlen. Diese wurden jedoch stilisiert dargestellt und ergaben somit klare, elegante Formen, die meist symmetrisch angeordnet waren. Edelstahl, Aluminium und Chrom wurden typischerweise verarbeitet.

Auch Walter Gropius nutzte dieses Stilmittel und setzte seinerzeit mit der Kunstschule Bauhaus ein Zeichen. Zur Emanzipation waren Frauenkleider damals weit und gerade geschnitten, um einen androgynen Look zu erreichen. Schlicht hingegen war das Outfit im Alltag. Meist aus Seide gefertigt und mit Plissees verziert - wie es jetzt auch wieder Trend ist. Und wenn der Anlass feierlich war, wurde die Feder-Boa getragen. Perlenketten waren zu sehen. Spitzen-Stirnbänder schmückten das Haupt mit Bubikopf-Frisur mit anmutender Wasserwelle. Pailletten besetzte Fransen-Kleider, lange Handschuhe und Fächer. Männer hingegen trugen meist dunkle Anzüge mit gepolsterten Schultern und verstärkter Brust, um ihre Männlichkeit zu betonen. Auch sogenannte Knickerbocker waren ein beliebtes Kleidungsstück bei den Herren. Flache Schiebermützen und Hosenträger waren ihre Accessoires.

Jazz, Swing sowie der flotte Charleston-Tanz gaben den Ton an. Bei der langen Museumsnacht unter dem Motto "Die Lust zu Leben" erinnerten Peter Wittmann und sein Ballhaus-Orchester an die romantische, teils frivole mit Humor versehene Musik. Stücke wie "Annabell", "Oh Donna Clara" oder "Das Nachtgespenst" sorgten für Heiterkeit.

Unter den Musikanten: Regensburger Kulturreferent Wolfgang Dersch schwingt sein Instrument zur Begrüßung.
Die Erheiterung beim Publikum war groß - jedoch nutzten nur wenige die Gelegenheit, sich modebewusst in die Zeit der Goldenen Zwanziger zurückzubewegen.
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