Genäht hat Karola Bender, gebürtige Bochow, "schon immer". Nach dem Krieg machte sie aus alten Hemden Kleidung für Kinder. Auf der Flucht verschlug es sie mit ihrer Familie von Berlin nach Burglengenfeld. Den Hauptstadt-Dialekt hat sie jedoch nie abgelegt, ihre Herkunft ist ihr auch nach rund 75 Jahren in der Oberpfalz noch deutlich anzuhören.
1950 heiratete sie den Burglengenfelder Hans Bender. "Meine Mutter hat nie bayerisch gelernt, mein Vater nie hochdeutsch", erzählt Tochter Gabi Rathje mit einem Schmunzeln. Sie ist das älteste von vier Geschwistern und lebt in der Schweiz. Für den Geburtstag ihrer Mutter reiste sie mit Ehemann Rainer gern nach Amberg.
Vor etwa einem Jahr verlor Karola Bender überraschend einen Sohn, ihre zweite Tochter starb bereits als Kleinkind. Ihr anderer Sohn Norbert ist Orgelbaumeister in Dillingen und hatte auch schon beruflich in Amberg zu tun. Hierher war Karola Bender 1990, zwei Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes Hans, gezogen, nachdem sie Haus und Garten in Burglengenfeld verkauft hatte. "Die Stadt kannte ich schon, weil meine beiden Söhne am Max-Reger-Gymnasium waren", erzählt die 90-Jährige. Ihre Kinder lebten damals schon nicht mehr in Burglengenfeld. Die Arbeit auf ihrem Grundstück wäre Karola Bender alleine zu viel geworden. "Amberg hat mir einfach gefallen und ich habe hier auch mehr Möglichkeiten gesehen, Theater und Kino", sagt die Jubilarin und fügt hinzu: "Bevor ich versauer'." Auch ihre Blumen fanden auf dem Balkon der neuen Eigentumswohnung im Fallweg, Karola Benders Zuhause für 26 Jahre, wieder einen Platz. Seit 2016 lebt die nun 90-Jährige im Bürgerspital. Sie fühlt sich hier "sehr wohl" und nimmt aktiv am Leben teil, unter anderem in der Bewohnervertretung. "Sie kommt zu den monatlichen Treffen und ist dabei auch Sprachrohr für andere", betont Einrichtungsleiterin Claudia Bucher. "Nicht alle hier im Haus können sich selbst kümmern und wehren. Man muss sich beschäftigen", ist die Jubilarin überzeugt, "sonst vergeht man". Erst kürzlich nähte sie Vorhänge für einen Raum im Altenheim, häufig bessert sie Kleidungsstücke aus und gerade strickt sie wieder ein Paar Socken.
Eine Leidenschaft hat die Jubilarin auch für Musik. Jahrelang sang sie im Kirchenchor der Paulaner Gemeinde. "Ich habe eine begehrte Alt-Stimme", sagt die 90-Jährige selbstbewusst. "Sie ist unglaublich musikalisch", schwärmt ihr Schwiegersohn. "Instrumente beherrscht sie gleich mehrere." Klavier, Akkordeon, auch Geige hat Karola Bender gelernt. Bei den Gottesdiensten im Seniorenzentrum spielt sie noch immer Flöte. "Meine Finger gehen nicht mehr so genau, aber ich weiß mir zu helfen", verrät sie.
Karola Bender hat acht Enkel und sieben Urenkel - verstreut in Bayern, Baden-Württemberg und der Schweiz. Die große Familie will in den nächsten Wochen nach und nach ins Bürgerspital-Seniorenheim kommen, um zum 90. Geburtstag zu gratulieren. Glückwünsche überbrachte am Dienstag auch Bürgermeister Martin Preuß mit einem Geschenkkorb der Stadt.














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