Amberg
17.12.2018 - 11:21 Uhr

Liedtext zwischen Provokation und Ekel

Revolutionär und genauso philosophisch wie Haindlings "Du Depp" ist die Single "Geh scheissn" von Monobo Son. Ihre neuesten Stücke geben sie im Musikomm zum Besten.

Auch, wenn man mal nicht muss: Monobo Son sind in ihrer Vielschichtigkeit gut verdaulich, ihre temporeiche Bühnenshow ist auch für Nicht-Fans eine Empfehlung. Bild: Dagmar Williamson
Auch, wenn man mal nicht muss: Monobo Son sind in ihrer Vielschichtigkeit gut verdaulich, ihre temporeiche Bühnenshow ist auch für Nicht-Fans eine Empfehlung.

Manuel Winbeck, Posaunist und Haupttexter der Band LaBrassBanda, schaffte sich mit seiner Zweitband Monobo Son eine Möglichkeit, überschüssige Kreativität und Energie loszuwerden. Nach einer Bühnenpause im vergangenen Jahr, legt Monobo Son mit Neubesetzung (Benedikt Dorn an der Gitarre) einen längeren Abort-Halt im Musikomm ein.

Ob Winbeck mit "beim Scheissen san ma alle gleich" richtig liegt, lässt sich anzweifeln. Macht es doch für viele einen Unterschied, ob sie sich ihren Hintern mit Goldstaub verziertem Klopapier aus reiner Baumwolle abwischen oder mit einem grauem Schleifblatt. Zwar empfinden viele Fans "Geh scheissn" als positive Provokation, andere wiederum verspüren bei der sinngemäßen Vorstellung der Aufforderung nur Ekel.

Abgesehen von der Einfachheit ihrer verbal ausgedrückten Philosophie fegt Monobo Son musikalisch alles nieder, was zwei Beine hat. Denn das Instrumentale, vor allem Wolfi Schlick an der Querflöte und am Saxofon, sind ein facettenreiches Konzerterlebnis. Dabei kommt es auch zum Publikums-Battle zwischen einem Gast aus Hartmannshof, dem Bus-Volk aus Wernberg und dem Rest der Welt, der sich im Saal versammelt hat. Winbecks sprechender Gesang klingt wie eine Vereinigung von Falco, Klaus Eberhartinger und Günther Sigl, was die melodischen Anleihen, die den deutschsprachigen Sound der 1980er-geprägt haben, perfekt ergänzt. Gemischt mit flotten Zigeuner-Klängen, Jazz, Swing oder Brass. Zusammen können die fünf Musiker das neue Gesicht der Energizer-Bunnies sein, denn es sind vor allem ihre temporeichen Darbietungen, die alles übertreffen.

Barfuß stampft der Sänger, ob posaunend, singend oder zuhörend, über die Bühne. Auch der Weg zum Publikum wird aufgesucht. Und dort unten befinden sie sich im Einklang mit ihrem Gefolge: mal laut, mal leise, mal schnell, mal langsam. Monobo Son ist es egal, wie viele Menschen auf einem ihrer Konzerte zusammenkommen. "Ich liebe aber die Vielfalt ihrer Charaktere", sagt Winbeck. Ob Hipster, Opa und oder Punk - sie alle verhalten sich, vielleicht wie beim Toilettengang, gleich.

Bis zu sechs Wochen am Stück ist Allrounder Manuel Winbeck, der in München lebt, teilweise auf Tournee. Dankbar ist er seiner Ehefrau, die ihm den Rücken freihält, sich um die gemeinsame Tochter kümmert und "daheim einfach alles alleine regelt".

Wenn er dann wieder für ein paar Tage sein Zuhause betritt, genießt seine Familie absolute Priorität: "Auch wenn es schon vorkommt, dass ich total fertig erst einmal im Bett einschlafe."

Auf Augenhöhe mit dem Publikum: Monobo Son überrascht während ihres Konzertes immer wieder. Bild: Dagmar Williamson
Auf Augenhöhe mit dem Publikum: Monobo Son überrascht während ihres Konzertes immer wieder.
 
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