17.09.2019 - 10:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Makel, aber ohne Mephisto

Insekten waren für Berit Opelt lange Zeit das Thema. Jetzt sind es Figuren und Köpfe, die sie im Kulturstift ausstellt – inklusive Dr. Heinrich Faust, Mephisto musste zu Hause bleiben. Eine ästhetisch arrangierte Vernissage.

Dr. Heinrich Faust, dargestellt mit einem Makel, schließlich sei er ein "missratenes Lebewesen", laut der Künstlerin Berit Opelt.
von Dagmar WilliamsonProfil

Insekten waren für Berit Opelt lange Zeit das bestimmende Thema. Jetzt sind es Figuren und Köpfe, die sie im Amberger Kulturstift ausstellt - inklusive Dr. Faust, Mephisto musste zu Hause bleiben. Eine ästhetisch arrangierte Vernissage.

Translucsiv, ein Wort, das so nicht im Duden steht, war Berit Opelts Adjektiv beim Amberger Kunstsymposium im vergangenen Jahr. Ergo semi-transparent. Beschreibt die Künstlerin aus München doch ihre Muse als Begegnungen und die daraus resultierenden Gefühle. Aber dennoch verschleiert, wie es dem Betrachter scheint. Dass Transferlithografie ihr Metier ist, kommt demnach nicht von ungefähr. Als Druckplatten dienen Laserkopien von Fotos oder Zeichnungen. Gedruckt wird mit Ölfarben auf unterschiedlichen Malgründen. Mit Gummi Arabicum werden die Laserkopien behandelt und gewässert. Dann wird die Ölfarbe mit einer Druckwalze aufgetragen. Der experimentelle Moment lässt überraschende und einzigartige Ergebnisse entstehen. Berit Opelt überlässt mit ihrer Technik jedoch nichts dem Zufall bei der Erschaffung der Unikate.

Als Architektin entschied sie sich zunächst für den Druck auf Stahl. Aber auch Holz und Papiere kommen zum Einsatz. Die Kontrolle übernimmt jedoch das zu entstehende Bild während sie malt. Hier lässt sich die Künstlerin leiten. Wie bei ihrem über drei Meter großem Faust, der die Hausfassade des Kulturstifts schmückt. Ein "missratenes Lebewesen" nennt die Künstlerin ihren "hochintelligenten" Gelehrten, der im Vorjahr für das Faust-Festival München die St.-Margaret-Kirche schmückte. Das Original hingegen ist nur halb so groß - handlich zum Mitnehmen und zu erwerben. Ist Faust denn nicht der Prototyp des modernen Menschen? Immer rastlos auf der Suche, jedoch nie am Ziel?

Auch Teebeutel finden bei Opelt ein zweites Dasein: Das jüngste Werk "Kolkraben" entstand durch eine Mischtechnik in Schichten auf Kreidegrund auf Holz. Obwohl sie experimentiert, entwickelte die Künstlerin eine eigene Handschrift mit herausstechendem Wiedererkennungswert. 34 Exponate stellt sie unter dem Namen "Frakturen" noch bis Samstag, 28. September, im Kulturstift aus.

Berit Opelt (rechts) erklärt ihrem verwunderten Ehemann den Einsatz der Teebeutel auf "Kolkraben". Ihre Vernissage "Frakturen" zeugt von Ästhetik und einer widersprüchlichen Ruhe resultierend aus der eingesetzten Mischtechnik.

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