07.10.2018 - 10:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Manöver mit allen Schikanen

Eine anstrengende und sehr fordernde Woche haben die Soldaten des Logistikbataillons 472 aus der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne hinter sich. Sie waren am Truppenübungsplatz Altmarkt (Sachsen-Anhalt) zum Manöver.

Ein Transport-LKW wird beschossen und fällt aus.
von Hans BernreutherProfil

Im „Gefechtsübungszentrum des Heeres“ stellten sie nicht nur ihr logistisches Können unter Beweis. Seit nahezu 20 Jahren orientiert sich die Ausbildung in der Bundeswehr besonders an den Erfordernissen, die ein weltweiter Einsatz bei Stabilisierungsoperationen mit sich bringt. In den letzten zwei Jahren legte man auf Grund der weltpolitischen Entwicklungen den Fokus wieder verstärkt auf das Beherrschen von Kernfähigkeiten, die Landes- und Bündnisverteidigung.

Die vorbereitende Ausbildung im Logistikbataillon 472 erfolgte stufenweise aufeinander aufbauend von der Gruppen-, über die Zug- und Kompanieebene bis zur Einbindung des gesamten Bataillons. Den Höhepunkt und Abschluss dieser Ausbildung auf Verbandsebene markierte nun eine mehrtägige, durchgehende Übung im Gefechtsübungszentrum (GefÜbZH). Es ist die zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres und befindet sich auf dem Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt. Es gilt als die europaweit modernste Übungseinrichtung, die auch andere Nationen nutzen. Alle Soldaten samt ihrer Waffen und alle Fahrzeuge sind mit einem lasergestützen Simulationssystem ausgerüstet. Dieses zeigt den Standort und, unter Verwendung von Manövermunition, Schüsse und Treffer an – ein Üben unter nahezu realistischen Bedingungen.

Bereits am Sonntag in den frühen Morgenstunden machten sich mehrere Fahrzeuggruppen aus der Schweppermann-Kaserne auf den Weg in die nördlich von Magdeburg gelegene Colbitz-Letzlinger Heide. Knapp 500 Kilometer auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen hatten die annähernd 400 Soldaten mit rund 100 Fahrzeugen zurückzulegen. Dieser mehrstündige Straßenmarsch war bereits ein Teil der Ausbildung. Im weiteren Verlauf der Übung mussten die Kümmersbrucker Logistiker Aufgaben erfüllen, die ihrem eigentlichen Auftrag entsprechen. Tonnenweise verluden sie Munition und Betriebsstoff, transportierten sie zu den verbrauchenden Truppenteilen oder setzten Fahrzeuge und Geräte wieder instand. Auch die Sicherung ihrer Einsatzräume rund um die Uhr erforderte einen nicht unerheblichen Personaleinsatz. Dass diese Tätigkeiten nicht ungestört durchgeführt werden konnten, dafür sorgten die Ausbilderteams des GefÜbZH. Sie hatten ein umfangreiches Szenario an Einlagen vorbereitet, das von Ausspähversuchen, Verkehrsunfällen bis zu Kampfhandlungen reichte, die den Soldaten infanteristisch alles abverlangten. Besonders während der Angriffe auf Versorgungseinrichtungen und den Überfällen auf ihre Transporte konnten sie ihren schon hohen Ausbildungsstand überzeugend demonstrieren.

Nach der abschließenden Auswertung durch das Leitungsteam des Gefechtsübungszentrums stellte der Kommandeur des Logistikbataillons 472, Oberstleutnant Alexander Kolb zufrieden fest: „Wir haben das Ausbildungsziel voll erreicht. Wir konnten sowohl logistische Fähigkeiten beüben, in erster Linie aber vor allem die infanteristische Kernkompetenz weiter verbessern, alles im Hinblick auf das Erreichen der vollen Einsatzbereitschaft der Soldaten.“ Dies sei besonders für die rund 150 Soldatinnen und Soldaten wichtig, die nach dem Jahreswechsel erneut ihren Beitrag in den weltweiten Einsatzgebieten leisten werden.

Der Verabschiedungsappell für diese Kräfte findet am 13. Dezember 2018 wieder in Kümmersbruck statt.

Gefechtsübungszentrum des Heeres:

Das Gefechtsübungszentrum des Heeres befindet sich auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide. Der Übungsplatz mit einer Fläche von 23.000 Hektar, etwa 30 Kilometer lang und 12 Kilometer breit, diente der Wehrmacht als Schießplatz für die Artillerie, später der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland als Gelände zum Gefechtsschießen.

Heute nutzt ihn die Bundeswehr als zentrale Ausbildungs- und Übungseinrichtung für alle Truppengattungen des Heeres. Zum Einsatz kommen ausschließlich pyrotechnische Munition und Manövermunition. Eine komplexe Systemtechnik ermöglicht in Echtzeit der Zentrale einen exakten Überblick über das aktuelle Übungsgeschehen. Erhält beispielsweise ein Soldat einen Treffer, wird bei ihm ein akustisches Warnsignal ausgelöst, und er sieht auf einem Display die Schwere seiner Verwundung. In Kürze wird die Übungsstadt Schnöggersburg für Operationen im urbanen Terrain fertiggestellt: Über 550 zum Teil mehrstöckige Gebäude, 16 Kilometer Straßennetz, ein 800 Meter langer Flusslauf mit Brücken, eine begehbare Kanalisation, U-Bahntunnel mit Station und Flugfeld mit Tower und Abfertigungshalle inklusive.

Nach einem überraschenden Angriff auf eine Versorgungseinrichtung beziehen die Logistiker ihre Alarmstellungen
Eine LKW-Gruppe wartet auf die Beladung mit Munition.
Ein gepanzertes Fahrzeug vom Typ Eagle führt eine Transportgruppe an. Die LKW sind mit Wechselladesystemen ausgestattet.
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