"Ausprobieren" - mit einem langgezogenen und übertrieben betonten O spricht Reiner Bergmann. "Mit welchen Mitteln etwas ausgedrückt werden kann." Langsames und leises Zupfen von Saiteninstrumenten ertönt. "Atmosphäre schaffen." Dieses Mal ist das Ä Opfer der Akzentuierung. "Produktionsbedingungen der einzelnen Bildwerke erkennen", fordern die Musiker des Borgo-Ensembles. Es wird auf Holz geklopft, schräge Töne des Saxofons erklingen und die Trommel erwacht zum Leben. Ein klangvolles Hörbuch aus den fränkischen Weiten eröffnet die Vernissage des Kunstvereins. Die Quintessenz ist somit erreicht.
Und immer wieder watschelt ein Mops durch die Performance. Zwar ist es nicht dieses exakte Tier, das aus Ton von Gisela Metz verewigt eines der Fensterbretter im Kulturstift hütet, aber es sieht ihm doch sehr gleich. Wer durch die Tore des Neustift 47 geht, wird sogleich von "Lola", dem rettenden Schiff, empfangen. Gekrönt mit einem rostigen Rohr aus der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Philipp Selig lacht über seinen "Grand Opener", das er inspiriert durch Kinder für Kinder erschuf. Die Anweisungen "be gentle", also "sanft sein", und "feet first", gleichbedeutend "mit den Füßen voraus herunter kraxeln", stehen in großen Lettern bereit.
Seinem Nachnamen ist er treu, der Selig, und auch die Ratschläge kommen von Herzen. Ist der 28-Jährige doch selber ein sehr sanfter Zeitgenosse mit einem exzellenten Gespür für Dinge, die in diesem Augenblick wichtig erscheinen. Das Schiff ist nicht nur zum Betrachten gedacht. Kleine Kunstfreunde übernehmen bei der Eröffnung Back- und Steuerbord und umkreisen den Atlantik bis zum Pazifischen Ozean.
Wenn sich also ein Kollektiv von Künstlern aus dem fränkischen Raum vereint, die Gesellschaft mit Musik und Kunst zu verbinden, ist ein namhafter Reiner Zitta nicht weit. Hautnah zu erleben und zu bewegen ist aus seinem auferstandenen Plunder die Marilyn Monroe. Zwar hat diese Puppe auch schon bessere Zeiten erlebt, aber dennoch sorgt der angebrachte Blasebalg von anno dazumal für große Erheiterung. Tritt man fest drauf, lüftet sich das Kleidchen und die Erinnerungen an "Das verflixte 7. Jahr" erwachen.
Und neben all den beweglichen und statischen, bunten und uncholorierten Werken und der formidablen Musik von fast 30 Künstlern überrascht das Jugendtheater mit seinem "Projekt Macbeth" die Ausstellungseröffnung. Dieser Abend im Kulturstift war geprägt von Kunst aus allen Nischen mit allen Facetten und ihren Liebhabern. Bis Samstag, 18. Mai, können die ausgestellten Werke begutachtet und erworben werden.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.