02.01.2019 - 15:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Multiresistente Erreger: Hygiene das A und O

Krankenhaus-Keime - gibt es einen perfekten Schutz? Beim Ratgeber Gesundheit des Klinikums geht es um diese Frage und das Thema multiresistente Erreger.

Professor Hamid Hossain, Chefarzt der Mikrobiologie am Klinikum St. Marien Amberg und dem Klinikum Weiden, bei der Arbeit.
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Die Zahl an Krankenhausinfektionen mit zum Teil multiresistenten Erregern ist laut einem Schreiben aus St. Marien ein zunehmendes medizinisches Problem. Es herrsche große Verunsicherung. Viele Patienten hätten sogar Angst davor, ins Krankenhaus zu gehen.

In seinem Vortrag erklärte Professor Hamid Hossain, der Chefarzt der Mikrobiologie am Klinikum St. Marien Amberg und dem Klinikum Weiden, dass es sich bei den Krankenhaus-Keimen um Bakterien handelt, die nicht gefährlicher seien als ihre Artgenossen: "Sie gehören zur normalen Haut- und Schleimhautflora. Problematisch werden sie erst beim Ausbrechen einer Krankheit, wenn sie beispielsweise über Wunden in den Körper gelangen. Sie sind resistenter gegen Antibiotika und können sich im Krankenhausmilieu besser ausbreiten oder festsetzen."

Ein multiresistenter Keim schaffe es, entweder das Antibiotikum einfach abzupumpen oder seine Zielstruktur so zu verändern, dass das Antibiotikum nicht gebunden werden kann. Doch woher kommen diese multiresistenten Keime? Drei der bekanntesten sind der MRSA, das ist der Erreger, der sich auf unserer Haut finden kann, der MRGN und der VRE finden sich im Darm. Alle drei multiresistenten Erreger kämen auch in der Tierhaltung vor, speziell in der Massentierhaltung. In der Nutztierhaltung werden oft ganze Tierbestände mit Antibiotika behandelt, auch wenn nur wenige Tiere erkrankt sind. Diese Tiere können dann laut Hossain allerdings resistente Keime im Darm entwickeln. Über deren Ausscheidungen können sowohl resistente Bakterien als auch Antibiotika-Reste in die Umwelt und somit in die Nahrungskette gelangen.

Der Experte: "Wir selbst können während einer Antibiotika-Behandlung natürlich auch resistente Bakterien entwickeln ohne dass wir es bemerken. Die multiresistenten Keime entstehen also nicht nur im Krankenhaus, sondern vor allem außerhalb des Krankenhauses." Und so könne es passieren, dass man als Patient, aber auch als Besucher multiresistente Keime unwissentlich ins Krankenhaus hineinträgt und dort dieser Keim dann an Patienten und auch Personal weitergeben werden kann.

Die Ursachen für die Entstehung resistenter Keime liegen laut dem Mediziner auf der Hand: "Es ist der hohe Antibiotikaverbrauch in der Humanmedizin und Nutztierhaltung. Und der muss in beiden Bereichen reduziert werden, um eine weitere Zunahme von Resistenzen zu verhindern." Der Chefarzt der Mikrobiologie erklärte, dass Menschen, die möglicherweise Kontakt zu MRE-Patienten hatten oder kürzlich eine Antibiotika-Einnahme hatten, auf multiresistente Keime untersucht werden und wenn nötig isoliert werden, um eine Übertragung zu verhindern.

Das A und O sei und bleibe jedoch die Basis-Hygiene, wie die Händedesinfektion. Hossain: "Besucher sollten sich immer bei Betreten des Klinikums, bei Betreten des Patientenzimmers und nach dem Verlassen des Zimmers, die Hände desinfizieren, um einerseits den Patienten zu schützen und um andererseits keine Keime mit nach Hause zu nehmen."

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