20.10.2019 - 16:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Nacht der offenen Gotteshäuser in Amberg

Kirche und Kino? Das geht! Bei der dritten "Nacht der offenen Gotteshäuser" wurde Glaube und Religion in ein besonderes Licht gerückt. Ein Altar versteckte sich sogar hinter einer Leinwand. Und das Konzept scheint gut anzukommen.

von Kathrin Moch Kontakt Profil

Bei der dritten Nacht der offenen Gotteshäuser, die vom Amberger Stadtmarketingverein organisiert wurde, hatten die Besucher zwischen den vielen Programmpunkten die Qual der Wahl: Filmandacht in der Martinskirche? Synagogenführung? Religions-Quiz am Paulanerplatz? Oder doch ein Gospelkonzert in der Dreifaltigkeitskirche?

Elf Gotteshäuser, darunter auch die Moschee und Synagoge, öffneten am Samstag für Besucher aller Glaubensrichtungen ihre Pforten. Die Reise begann bei der türkisch-islamischen Gemeinde in der Moschee an der Drahthammerstraße. Es gab Süßigkeiten und Tee. Spätestens als die Gäste ihre Schuhe ausziehen und auf dem weichen Teppich im Gebetsraum auf dem Boden Platz nehmen mussten, füllte sich der Raum. Zahlreiche Zuschauer hatten Fragen, die Gemeindesprecher Ahmet Yüksel und Dolmetscherin Sergi Acar beantworteten. Das Interesse an der fremden Kultur scheint groß zu sein. Seit 1987 gibt es die Gemeinde, die derzeit circa 100 Mitglieder hat.

Yüksel erklärte, dass die Mitgliederzahl stabil geblieben sei, aber die Anzahl der Besucher bei den Freitagsgebeten zugenommen habe: "Unsere Tür steht jedem offen. Besonders in der heutigen Zeit ist uns Transparenz sehr wichtig." Sergi Acar erklärte den typischen Aufbau einer Moschee: Unbedingt dazu gehöre ein Waschraum, in dem sich die Gläubigen vor dem Gebet "von Kopf bis Fuß" waschen. Außerdem gibt es unterschiedliche Gebetsräume für Männer und Frauen. Gebetet wird immer Richtung Mekka.

Extra geöffnet war an diesem Abend auch die Frauenkirche, die sich hinter dem Roßmarkt versteckt. Das Besondere: Für gewöhnlich ist die Kirche verschlossen. Nun war der Kirchenraum in einer einzigartigen Atmosphäre zu erleben. Das Motto: "Raum, Licht, Klang". Eine Erfahrung für alle Sinne. Innen empfing die Kirche ihre Gäste im blauen Licht und mit vielen Kerzen im Altarbereich. Das kalte blaue Licht und die Wärme des Kerzenscheins griffen harmonisch ineinander. Aus Lautsprechern tönte Kirchenmusik, ansonsten handelte es sich um einen Ort der Stille

Auf dem Weg zur Martinskirche kamen die Teilnehmer an der Paulanerkirche und der Synagoge vorbei. Überall hatten sich Menschentrauben gebildet. In der Basilika versteckte sich der Altar hinter einer Leinwand. Ein ungewöhnliches Bild - Kino in der Kirche. Stadtpfarrer Thomas Helm erklärte zu Beginn der Film-Andacht: "Kirche und ein weltlicher Film? Das geht zusammen!" Häufig seien Filme gute Medien der Glaubensverkündung. Viele junge Familien saßen auf den Bänken.

Der Film "Ziemlich beste Freunde" erzählt die Geschichte einer besonderen Freundschaft zweier ungleicher Männer. Zwischen den Filmausschnitten erklärte Pfarrer Helm, welche Bedeutung die Szenen haben. Diese Andacht war anders, als man sonst den Gottesdienst in der Kirche kennt: Flotte Musik in den Filmszenen mischte sich mit lautem Lachen im Publikum, das in den hohen Decken der Basilika lange nachhallte.

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