10.01.2020 - 13:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Naturpark Hirschwald: Neuer Fördertopf für Infozentrum

Ein Infozentrum für den Naturpark Hirschwald ist seit Jahren Thema. Weil sich die Kommunen nicht auf einen Standort einigen konnten, scheiterte die Umsetzung bisher. Ein Förderprogramm gibt dem Projekt nun neuen Auftrieb.

Das Gasthaus Waldhaus könnte in den nächsten Jahren ein Nachbargebäude bekommen. Wenn das geplante Infozentrum für den Naturpark Hirschwald auf einen Neubau hinausläuft, soll es in Ursensollen entstehen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Lange war es ruhig um das geplante Infozentrum für den Naturpark Hirschwald. Die letzte Wasserstandsmeldung von Naturpark-Vorsitzendem Markus Dollacker im April 2018 lautete: "Nachdem keine Einigkeit in den Markt- und Gemeinderäten erzielt werden konnte, wird das Projekt zurückgestellt." Wie Dollacker auf Nachfrage erklärte, gab es Unstimmigkeiten hinsichtlich des Standorts. "Das Infozentrum ist am Kirchturmdenken der Gemeinden gescheitert", betonte der Vorsitzende. Vor allem Schmidmühlen habe sich mit der Entscheidungsfindung zum Infozentrum schwer getan.

Dabei stand laut Dollacker dank einer Tourismusförderung die Finanzierung. Für den lange Zeit als Favorit geltenden Neubau neben dem Gasthaus Waldhaus (Ursensollen) wären rund 90 Prozent der Kosten übernommen worden. Der Restbetrag wäre von den neun Mitglieds-Kommunen (Amberg, Kümmersbruck, Ebermannsdorf, Ensdorf, Rieden, Schmidmühlen, Hohenburg, Ursensollen und Kastl) mit Leichtigkeit zu stemmen gewesen.

Alle 19 Naturparks profitieren

Was bei den Gemeinden durchaus für Bauchschmerzen sorgte, waren allerdings die Unterhalts- und Betriebskosten, die über den Neubau hinaus noch zu stemmen gewesen wären. "Damals war aber noch nicht abzusehen, dass wir irgendwann zwei Ranger haben (siehe Infokoasten; Anm. d. Red.), die vom Freistaat bezahlt werden. Das hat die Lage massiv entschärft", erklärte Dollacker.

Mit einer nun in Aussicht stehenden Naturparkförderung des Umweltministeriums kommt wieder Schwung in die Thematik. Laut Dollacker sollen in ein paar Monaten Anträge gestellt werden können. Der Vorsitzende kann das so genau sagen, weil er in das Förderverfahren mit eingebunden sei. Ein Workshop und eine Machbarkeitsstudie gingen dem Programm voraus. Dollacker verrät: Für alle 19 Naturparks in Bayern soll ein Infozentrum her. Entweder ein Neubau, oder für jene, die bereits eines haben, ein Umbau beziehungsweise eine Sanierung. Grundsätzlich eine positive Nachricht. Allerdings relativierte Dollacker: "Es wird eine Beschränkung geben - gefördert werden nur ein oder zwei Naturparkzentren pro Jahr." Weil der Hirschwald noch ein recht junger Naturpark ist (er wurde 2006 ausgewiesen) macht sich Dollacker wenig Hoffnung auf eine rasche Umsetzung des Infozentrums. Der Vorsitzende rechnet mit vier bis fünf Jahren, bis der Landkreis Amberg-Sulzbach an die Reihe kommt.

Nahezu 100-prozentige Förderung

Dollacker forciert neben den Neubauten und Sanierungen eine dritte Option. Demnach sollen vorhandene Immobilien als Infozentrum genutzt werden können. Konkret hat er das ehemalige Gasthaus Walter Schmidt in Hohenburg (direkt im Markt) im Blick. Ein leerstehendes Gebäude, das der Markt Hohenburg zur Verfügung stellen würde.

Sollte es zum Neubau kommen, entsteht ein einstöckiges, energieautarkes Gebäude in Holzbauweise neben dem Gasthaus Waldhaus. Das charmante daran: Biergarten, Spielplatz und Wildschweingehege sind in der Nähe des Infozentrums. Die Kosten für den Neubau schätzt Dollacker auf rund zwei Millionen Euro. Allerdings gäbe es vom Umweltministerium eine nahezu 100-prozentige Förderung. Außerdem werden zwei zusätzliche Personalstellen vom Freistaat bezahlt und es soll eine finanzielle Unterstützung bei den Unterhaltskosten geben.

Zweiter Ranger:

Geschäftsführerin Isabel Lautenschlager freut sich, dass seit Januar ein zweiter Ranger für den Naturpark Hirschwald im Einsatz ist. Bereits im Mai 2019 hat der erste Ranger seinen Dienst aufgenommen. Die beiden Vollzeit arbeitenden Männer sind zuständig für Bildungs- und Informationsangebote im Naturpark. Darunter fallen etwa Führungen, Exkursionen, die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten, aber auch geführte Wanderungen. Oder wie es Lautenschlager ausdrückt: "Der Ranger erklärt den Leuten den Naturpark."

Der Naturpark Hirschwald ist nach den Ammergauer Alpen (2017 gegründet) und der Nagelfluhkette (2008) der drittjüngste. Mit einer Fläche von 278 Quadratkilometern zählt er zu den kleinsten. Zum Vergleich: Der Naturpark Bergstraße-Odenwald ist mit 3500 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Bayerischer Wald bringt es auf 2782 Quadratkilometer.

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