21.06.2019 - 16:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Show: Der Schwächste fliegt

Die Schultheateraufführung mit dem Titel "Pitypoints" gehen "Die Oscars" in aller Aggressivität an. Die Darsteller, 17 Mittelstufenschüler, laufen dabei zur Höchstform auf.

Für das Stück „Pitypoints“, das die Mittelstufen-Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums auf die Bühne brachte, gab es keine Vorlage. Lehrerin Claudia Ried führte nicht nur Regie, sie schrieb auch den Text.
von Externer BeitragProfil

Es wird der Start einer Game-Show angekündigt, in der es ausschließlich darum gehen soll, wer die anderen am besten und effektivsten fertigmachen kann: "Pitypoints". In einer bis ins Detail geglückten Persiflage auf tatsächlich existierende Shows bereiten die Moderatoren Vivian Gier und Richard Römmich das Publikum auf die Show vor und erklären, dass jeder Kandidat unempfindlich und kalt bleiben müsse.

Jeder, der eine Schwäche zeigt, fliegt raus - und wer Mitleid mit einem der Angegriffenen zeigt, bekommt einen "Pitypoint" (Mitleidspunkt); drei davon sind ebenfalls ein Grund, die Show verlassen zu müssen. Die Jury (Natalia Matula, Mabel Kigadye und Leonel Lopez Schmidt) nickt mit gut gespielter Expertenmiene und lässt ihre Plattitüden ab über Durchhaltevermögen, Authentisch-Sein und Sich-Präsentieren-Können. Strukturell ist das zwischendurch immer wieder auftretende Gespann aus Moderatoren und Jury eine Zeit zum Durchschnaufen für das Publikum. Gleichzeitig wird aber deutlich, wie menschenverachtend das Format ist.

In der Show stellt sich schnell heraus, wer sich als besonders harter Hund fühlt - zum Beispiel der daueraggressive "Assi" (passend derb dargestellt von Simon Böller) - und wer in dieser Runde eher fehl am Platz ist und sich nur selbst beweisen wollte, wie das Hippie-Mädchen (gut in der sensibel-schüchternen Rolle: Sophie Waal). Auch Allianzen werden geschmiedet, und die (vermeintlichen) Freundinnen teilen private Geheimnisse miteinander, die dann später erbarmungslos genutzt werden, um die vertrauensselige Person bloßzustellen, so beispielsweise die ansonsten so selbstbewusste Vanessa (Alina Dotzler), die dem Blondchen (nur scheinbar naiv, aber eigentlich ziemlich clever: Ayana Bauer) und der Zicke Naomi (treffend verkörpert von Katharina Filimonov) anvertraut, dass sie aus einem Bauernhof stammt und in einer früheren Schule deswegen gemobbt wurde.

Geübte Mobber

Eine Überraschung für die bald recht geübten Mobber ist die Widerstandskraft eines offensichtlichen Opfers: die Übergewichtige (souverän gespielt von Paula Schißlbauer) zeigt es allen, dass sie nichts mehr umwirft. Die Handlung spitzt sich schließlich zu, als der Schwule (sehr geschickt, teilweise mit einem Augenzwinkern dargestellt von Niko Tadin) mit einem persönlichen Brief seines Vaters konfrontiert wird, in dem dieser ihm seine Enttäuschung und auch seine Verachtung ausdrückt. Das ist zu viel für ihn, und er bricht zusammen. An dieser Stelle verlassen die Spieler ihre Rollen und fragen die Zuschauer: "Wollen Sie das wirklich sehen?"

Und obwohl die Frage in ihrer Provokation etwas ungerecht ist, denn natürlich sind die Zuschauer gekommen, um die Theatergruppe zu sehen - wird ganz deutlich, dass die Frage weiter zielt: Auf die Sensationsgier und Schaulust, die wohl in jedem mehr oder weniger stecken, und auf die Lust am "Gag", auch wenn er auf Kosten einer Gruppe geht, die sich gerade nicht wehren kann.

Applaus für "Die Oscars"

Begeisterten Applaus ernteten "Die Oscars" für ihr Stück, bei dem Oberstudienrätin Claudia Ried nicht nur Regie führte, sondern zu dem sie auch den Text geschrieben hatte - ein weiterer Erfolg aus ihrer produktiven Feder. Die bisher nicht genannten Schauspieler überzeugten ebenfalls: Marion Hopfenzitz, Ida Hanft, Violetta Kaiser, Julia Depperschmidt und Laurin Wiedenbauer.

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