20.11.2018 - 17:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Nicht nur schießen und Beute machen

"Jagen ist nicht nur Finger am Abzug und möglichst viel Beute machen." Das schreibt Thomas Schreder, der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands, seinen Mitgliedern, aber auch Kritikern des Waidwesens ins Stammbuch.

Fester Bestandteil der Hubertusmesse sind neben der Bläsergruppe der Jägerchor und die Ensdorfer Stubenmusi.
von Autor GFRProfil

Er tat das bei der Hubertusfeier, der die ebenso traditionelle Hubertusmesse in der Basilika St. Martin mit Stadtpfarrer Thomas Helm vorausging. Für die Amberger Jagdhornbläser und den Jägerchor war der Gottesdienst ein seltenes Jubiläum, denn beide haben vor 60 Jahren das erste Mal diese besondere Eucharistie zu Ehren des Jagdpatrons gestaltet. In seiner Predigt erinnerte Helm an den Heiligen, der nach der Legende als Einsiedler in den Wäldern lebte, aber seine Jagd nie zügellos ausübte. Als ihm ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih begegnete, habe Hubertus voll Ehrfurcht gebetet: Auslöser dafür, dass er später Mönch, Missionar und Bischof wurde.

Diese fromme Legende ist nicht nur Fantasie, betonte Helm, sondern soll bei der Jagd gewisse Grenzen aufzeigen und mahnen, respektvoll mit Gottes Schöpfung umzugehen. Ökologie, Umweltschutz, Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit gehe nicht nur Jäger und Förster, sondern uns alle an, woran der Gedenktag erinnere.

"Sammeln der Jäger" war das Jagdsignal der Bläsergruppe Amberg zu Beginn der Hubertusfeier im Schützenheim, wo stellvertretender Landrat Hans Kummert die Gäste willkommen hieß. Waidmännisch jagen, bedeutet, den Schöpfer in der Kreatur zu ehren, hob Thomas Schreder hervor. Er schränkte aber ein, dass dies schwieriger werde in Zeiten, in denen immer höhere Abschüsse gefordert würden. Außerdem werde heimisches Wild oft als Schädling und Störenfried betrachtet, und der Respekt vor den Tieren scheine mancherorts gänzlich verloren zu gehen. Technische Möglichkeiten würden forciert und Wildtiere in Fangeinrichtungen "liquidiert", kritisierte Schreder. Er forderte, sich auf die "Jagdkultur oder Kultur der Jagd" zurückzubesinnen. Gerade die Jägerschaft liefere gesunde Lebensmittel, unverfälschte Produkte aus nachhaltiger Nutzung nachwachsender Ressourcen. Auf dieser Schiene hätten die Jäger eine einzigartige Möglichkeit, sich darzustellen.

Um Jagen als eines der ältesten bayerischen Kulturgüter zu vermitteln, braucht es nach Ansicht des BJV-Vizepräsidenten echte Jäger, keine Leute, die nur aufs Schießen aus seien. Reviere seien keine Spielwiesen für gestresste Manager, sondern wertvolle Ökosysteme, in denen der Jäger Verantwortung für Wildtiere und Natur übernehme. Aufgabe des Bayerischen Jagdverbands sei es, eine Jagdkultur zu bewahren und die Gefährdung der waidgerechten Jagd auszuschließen.

Jagen bedeute nicht, Beute und Trophäen zu sammeln, sondern Zusammenhänge in der Natur zu erkennen und durch Zurückhaltung Achtung vor der Schöpfung zu haben. Heimat hat nichts mit sentimentaler Gefühlsduselei zu tun, so Schreder, aber waidgerechte Jagd sei ein Stück Heimat und ein unverzichtbarer Teil Bayerns.

Für die außergewöhnlich lange Mitgliedschaft von 75 Jahren wurde Edeltraud Schachtl geehrt, für 60 Jahre Josef Rubenbauer und für fünf Jahrzehnte Franz Erras, Karl Götz und Franz Hehenberger. Auf 40 Jahre Treue bringen es Johann Hierl, Michael Richthammer und Karl Walker sowie auf 25 Jahre Peter Dankesreiter und Georg Schlosser. Die Ehrenscheibe im Schießwettbewerb gewann Stefan Heidenblut.

Stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Rupert Schmid (links) ehrte zusammen mit Vize-Landrat Hans Kummert (Dritter von links) Stefan Heidenblut, Johann Hierl, Georg Schlosser und Franz Erras (von rechts).
„Jagen ist nicht nur Finger am Abzug und möglichst viel Beute machen“, sagt BJV-Vizepräsident Thomas Schreder.
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