Amberg
20.11.2019 - 10:24 Uhr

Ohne Muskeltraining keine Mundart

"Schäi woars wieder!" Da sind sich die Besucher des Mundartabends mit Grete Pickl und Richard Lengfelder einig. Auf Einladung der KAB Hl. Dreifaltigkeit ging's um Muhackl, Soderer, Beißzanga und Zwiederwurzn.

Für einen unterhaltsamen Mundartabend sorgte Autorin Grete Pickl aus Kastl. Bild: ads
Für einen unterhaltsamen Mundartabend sorgte Autorin Grete Pickl aus Kastl.

"Oberpfälzer Mundart - Besonderheiten und Reime", lautete die Überschrift des Abends, an dem Mundartautorin Grete Pickl und Entertainer Richard Lengfelder zur Höchstform aufliefen. Sie boten Geschichten, Gedichte und Kinderreime. Lengfelder steuerte zudem zünftige Quetschn-Musik bei.

"Die Mundart hat sich in den einzelnen Landstrichen gut erhalten, weil die Leute unter sich waren", ließ Grete Pickl wissen. Das erkläre auch, warum Mundart je nach Landstrich unterschiedlich ist, wobei die Entfernung keine Rolle spiele, denn oft gebe es wenige Kilometer weiter einen anderen Dialekt.

Bis zum sechsten Lebensjahr

Dass der Spruch "Red'n, wia da Schnobl g'wachs'n is" nicht von ungefähr komme, wusste Pickl ebenfalls zu erklären: "Mundart zu sprechen, bedeutet, den Mund so zu bewegen, dass bestimmte Muskeln im Mund, Hals und Nase aktiviert und besonders ausgebildet werden, was eine große Bedeutung für das Erlernen des Sprechens bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr hat." Jugendlichen und Erwachsenen, die mit der Schriftsprache aufwachsen, fehlen laut Grete Pickl diese körperlichen Voraussetzungen. Sie ging noch auf die Besonderheiten der Oberpfälzer Dialekte ein und betonte, dass die Menschen hierzulande gerne zwei Wörter zusammenziehen, keinen Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl machen, immer in der zweiten Vergangenheit sprechen und Wörtern ein anderes Geschlecht geben, wie beispielsweise "da Schneck", "da Schokolad" und "da Butter". Die Autorin machte auch auf den Ausspruch "Ha" aufmerksam, der "Wie bitte?" bedeute. Danach ließ sie wissen, dass Mundart nicht immer gleichgeblieben sei, denn manches sei weggefallen, manches hinzugekommen. Die Autorin sagte, dass gerade viele Wörter aus der Landwirtschaft verschwunden seien. Die Änderung von Begriffen verdeutlichte sie am Scheitel, der zunächst als Furch bezeichnet worden sei, dann als Gaß und zuletzt als Lausweg. Sie hatte auch eine ganze Reihe von Wörtern parat, die es in der Schriftsprache nicht gibt: Odruckerer fürs Löschhorn des Mesners, Spuchten für Marotten und Noigerl für den Rest im Glas.

Vor der Pause erheiterte Grete Pickl die Zuhörer noch mit der Geschichte über das Bratwurstessen, in der ein hungriger Gast die Wartezeit im überfüllten Wirtshaus verkürzte, indem er der Bedienung, die gerade einem anderen Gast seine bestellten Bratwürste brachte, auf den Teller "spotzte". Dass diese Bratwürste dann ihm gehörten, bedarf keiner Erklärung.

Auch "Sochmannla"

Die Veranstalter von der KAB tischten ihren Gästen eine kleine Brotzeit auf, bevor Grete Pickl die Dorf-Litaneien erläuterte, Aufzählungen der Anwesen im Ort. Weiter ging sie auf die "Sochmannla" (Kinderreime) ein und gab Sprichwörter für das Zusammenleben von Eheleuten zum Besten. Dass man in Mundart am besten schimpfen kann, dokumentierte Pickl anhand der Namensgebung: Lätschnbeni, Muhackl, Obreida, Soderer und Toagaff für Mannaleit und Beißzanga, Handige, Matz, alte Schwoartn und Zwiederwurzn für Weiberleit. Geschichten und Gedichte zur Jahreszeit wie übern "Zwetschgenkoucha" und das Allerheiligenspitzel rundeten den Abend ab.

Richard Lengfelder spielte zum Mundartabend der KAB Dreifaltigkeit zünftig mit der Quetschn auf. Bild: ads
Richard Lengfelder spielte zum Mundartabend der KAB Dreifaltigkeit zünftig mit der Quetschn auf.
 
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