18.04.2019 - 08:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Online-Handel ist das erste Standbein für "Seifenfee"

Manchem Einzelhändler kommt er vor wie ein Gespenst oder ein schwarzes Loch - der Online-Handel. Dass er für kleine Läden durchaus nützlich sein kann, zeigt sich ein paar Meter vom Vilstor entfernt.

Corinne Guttenberger ist die "Seifenfee". Für die Serie "Stadtgeflüster" erzählt sie, wie sie ihren kleinen Laden in der Amberger Altstadt mit Online-Handel über Wasser hält.
von vfiProfil
Innen bunt dekoriert, außen malerisch: Blick vom Ladenfenster in die Vilsstraße.

"Seife is' halt a saubere Sach'", findet Corinne Guttenberger, die Inhaberin des Ladens "Seifenfee" beim Vilstor. Ihre individuell verzierten Seifen in allen möglichen Farben und Düften sind ein echter Dauerbrenner bei Kommunionfeiern, Hochzeiten und sonstigen Festen. Zur jetzigen Hochsaison zerbrechen sich die Kunden täglich über mehr oder weniger Glitzer, lila oder lachsfarbene Schleifen, Tischkarten oder Gastgeschenke den Kopf. Guttenberger bleibt gelassen und berät geduldig. Sie ist immerhin ein waschechter Seifenprofi.

Die gelernte Speditionskauffrau arbeitete gerade in der Geschenkeabteilung eines Möbelhauses, als sie einen interessanten Seifenhersteller auf einer Messe entdeckte. Guttenberger überlegte nicht lange: "Ich dachte mir, damit ließe sich bestimmt ein bisschen was dazu verdienen. Kurz darauf habe ich meinem Mann gesagt, dass ich mal schnell auf's Gewerbeamt fahre." Was Zuhause im Keller mit kleinen "Seifenabenden" unter Freundinnen und Bekannten anfing, sprach sich vor allem auf Hochzeiten schnell herum. Als die Tochter einer Freundin heiratete, half Guttenberger bei der Suche nach Gastgeschenken. Sie schlug der Braut kleine Seifenherzen mit Danke-Stickern vor und die spontane Idee kam hervorragend bei den Gästen an. Die nächste Hochzeit war natürlich nicht weit und seither folgt eine Seifenbestellung der nächsten.

Nach kurzer Zeit testete Guttenberger auch den Verkauf über das Internet. Auf der Plattform Dawanda fand sie ein landesweites Netzwerk aus Bastelfans. Hier verkaufte sie bald den Großteil ihrer Seifen, doch dann kam der Schock: "Als ich letztes Jahr hörte, dass Dawanda schließen soll, ist mir erstmal schlecht geworden." Inzwischen läuft zum Glück auch der Verkauf über die Plattform Etsy wie am Schnürchen. Rund 300 Artikel bietet Guttenberger hier an und macht damit nach wie vor den Großteil ihres Umsatzes über das Internet. Das zweite Standbein im Netz erwies sich auch bei der ersten Ladensuche als nützlich: "Der Hauseigentümer sagte zu mir, er ließe mich nur in den Laden, wenn ich auch online verkaufe. Das macht mich weniger von der Laufkundschaft abhängig und verringert natürlich das Risiko, die Miete mal nicht zahlen zu können."

Guttenberger nutzt das Internet nicht nur als Vertriebskanal, sondern auch um immer wieder Kundenfeedback einzuholen. Als sie vor einigen Monaten überlegte, ihr Sortiment um Kerzen zu erweitern, teilte sie ihre erste selbst verzierte Kommunionkerze kurz auf Facebook und schon meldeten sich einige Mütter und eine Kindergärtnerin mit Bestellungen. Bekommt sie mal einen Auftrag, den sie selbst nicht erledigen kann, dann leitet sie ihn einfach an ihre "Kerzentanten" aus verschiedenen Bastelforen weiter. Wenn sehr viel los ist, helfen ab und zu auch ihre Kinder beim Verpacken und bessern sich damit ihr Taschengeld auf. Expansionspläne hat die Unternehmerin allerdings nicht. "So wie es jetzt ist", sagt Guttenberger als gerade zwei Kundinnen den Laden betreten und nach einer Kommunionkerze fragen "so könnte es immer bleiben."

Hier hat die "Seifenfee" ihren Sitz.
Zu Besuch bei der "Seifenfee".
Zu Besuch bei der "Seifenfee".
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.