19.03.2020 - 18:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Online-Konzert in Amberg geplant: "Live-Musik-Szene ist nicht tot"

Es gibt keine Bühne und keinen Applaus, aber jeder kann den Sound so laut drehen wie er will. Die Amberger Band Delicious gibt ein Online-Konzert. Am Samstag ab 20 Uhr schalten sich die College-Rocker live in die Wohnzimmer dieser Welt.

Coronavirus vs. College-Rock: Die Amberger Band Delicious gibt am Samstagabend ein Konzert - aber nur virtuell. Es wird live aus dem Musikzimmer ins Internet übertragen.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der Amberger Gitarrist Michael Dandorfer (43) spielt aktuell in acht Bands, eine davon ist Delicious. Mit seinem Soloprojekt "Fingerstyle & more" ging er bereits am Mittwoch eine Viertelstunde online. Ein Testballon, denn am Samstag wird die Band Delicious in seinem Musikzimmer auftreten. Die Musiker streamen den Auftritt live ins Internet. Jeder kann zuschauen. Auch für Musiker ist die derzeitige Coronakrise eine extreme Situation.

Gitarrist Michael Dandorfer aus Amberg gab zuhause ein Konzert in seinem Musikzimmer. Es wurde live ins Internet übertragen. Am Samstag spielt hier die Band Delicious. Zuschauer virtuell willkommen.

ONETZ: Für Musiker dürfte die derzeitige Situation der Super-GAU sein, oder?

Michael Dandorfer: Ja, das ist zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht richtig. Alles ist komplett abgeblasen. Sämtliche Konzerte bis über den April hinaus. Es wird sogar schon darüber nachgedacht, ob die Veranstaltungen im Mai/Juni stattfinden können. Allein bei mir sind zehn Auftritte ausgefallen bis Ende April.

ONETZ: Was bedeuten die Absagen finanziell?

Michael Dandorfer: Wenn man sich vorstellt, dass man teilweise eine Gage von 150 bis 200 Euro pro Auftritt bekommt, manchmal mehr, manchmal weniger, dann kann man sich ausrechnen, was man da für einen Verlust hat.

ONETZ: Sie stehen nicht nur auf der Bühne, sondern unterrichten auch. Wie regeln Sie das in der Schule?

Michael Dandorfer: Schon bevor die komplette Schließung der Schulen in Bayern beschlossen wurde, haben wir einen Brief herausgegeben, dass wir Schüler und Angehörige schützen wollen und inklusive der Ferien schließen. Wir haben mit den Lehrern gesprochen, dass Stunden in den nächsten Ferien nachgeholt werden und versuchen, kleine Online-Lessons anzubieten.

ONETZ: Wie laufen diese virtuellen Stunden ab?

Michael Dandorfer: Da gibt es mehrer Modelle. Über Facetime, WhatsApp oder Facebook. Eine ganze Stunde kann man zwar nicht online halten, dafür ist die Tonqualität zu schlecht. Aber man könnte den Schülern eine kleine Hausaufgabe mitgeben, ein kurzes Video dazuschicken oder vielleicht sogar mal kurz anfunken, sie vorspielen lassen, ihnen Tipps geben. Das funktioniert online ganz gut. Natürlich fehlt der persönliche Kontakt. Und für Gruppen kann man es auch schlecht machen. Das wird online zu chaotisch. Das kann man in einer Geschäftskonferenz machen, aber bei Zehnjährigen eine Dreier- oder Vierergruppe abhalten, geht nicht. Das wird sich hauptsächlich auf den Einzelunterricht beschränken.

ONETZ: Gibt es dazu schon Erfahrungswerte?

Michael Dandorfer: Wir testen das jetzt erst. Dazu hat mich ein Musiklehrer angerufen, Rob Stephan, unser Saxofon- und Klavierlehrer. Er hat berichtet, dass er das erste Mal Online-Lessons gehalten hat und dass er das jetzt für unsere Musikschule auch ausprobieren möchte. Für Lehrer, die technisch nicht so versiert sind, ist es natürlich nicht so einfach. Wir versuchen den Unterrichtsausfall zu kompensieren, hoffen aber hauptsächlich auf die Solidarität.

ONETZ: Wer Ihnen auf Facebook folgt, konnte bereits bei einem kleinen Online-Konzert des Soloprojekts dabei sein. Wie kam es zu der Idee?

Michael Dandorfer: Wer in den Netzwerken unterwegs ist, merkt, dass viele Leute kleine Online-Konzerte anbieten, um die Stimmung aufzuhellen. Dass die Leute abgelenkt sind und etwas genießen können. Ich habe mir vor kurzem ein Konzert vom Amberger Musiker Richie Necker angeschaut. Das war total schön, wie er am Balkon gesessen ist und eine halbe Stunde mit seinem Freund musiziert hat. Wenn man so etwas sieht, geht es einem gleich wieder besser. Ich habe am Mittwoch einen Gitarrenladen aus Nürnberg entdeckt, BTM-Guitars, die die Möglichkeit für Musiker ausgeschrieben haben, ein viertelstündiges Konzert zu machen. Da gibt es einen Spendentopf über Paypal, da hauen die schon mal 20 Euro rein. Da geht es aber nicht ums Geld. Es ist einfach eine nette Geste.

ONETZ: War das jetzt ein einmaliger Online-Auftritt oder soll so etwas öfter stattfinden?

Michael Dandorfer: Die Amberger kennen vielleicht die Band Delicious. Wir sind für außergewöhnliche Aktionen bekannt. Wir haben geplant, dass wir am Samstag, 20 Uhr, wenn die Leute alle daheim bleiben müssen, weil alle Kneipen zuhaben, sie trotzdem gemütlich bei einem Getränk ihrer Wahl einen kleinen Delicious-Gig auf der Facebook-Seite der Band anschauen können. Die Zuschauer dürfen ruhig wissen: Die Live-Musik-Szene ist nicht tot, sondern wir wollen versuchen, etwas an den Start zu bringen. Ich glaube, dass dieser Ausnahmezustand die virtuellen und digitalen Live-Performances weit nach vorne bringen wird. Wenn man sich zum Beispiel angeschaut hat wie James Blunt in der Elbphilharmonie ganz allein seinen Auftritt absolviert hat, merkt man, dass man diese Möglichkeiten durchaus nutzen kann.

ONETZ: Trotzdem ist es natürlich kein Ersatz auf Dauer.

Michael Dandorfer: Musikern macht vor allem Spaß, Musik zu machen. Ich versuche positiv zu bleiben und allen Leuten zu sagen: Stay at home, bleibt daheim, um vorzubeugen, egal was man davon hält. Lasst Euch nicht unterkriegen. Und was ich gerne Musikliebhabern auf den Weg geben will: Wer sich schon Karten für Konzerte gekauft hat, die vielleicht entfallen oder verschoben werden, sollte sich je nach Ermessen überlegen, ob man es sich leisten kann, den Preis nicht zurückzufordern. Künstler haben ja wirklich einen Komplett-Ausfall, bei uns gibt es momentan noch keine Auffänge, auch wenn etwas geplant ist. Aber dadurch könnten Künstler zumindest eine kleine Geste der Unterstützung durch ihr Publikum erfahren.

Info:

Wo? Wann?

Das Online-Konzert läuft am Samstag, 21. März, ab 20 Uhr unter www.facebook.com/Deliciousweezer

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