10.07.2019 - 17:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Oper neu belebt mit Witz, Wald und Natur

Eine Pressekonferenz im Wald ist tatsächlich eher selten. Am Mittwochvormittag gab es sie am Mariahilfberg, obwohl es nicht um den Bericht des Forstamts zum Baumbestand ging, sondern um Opern. Mit der Natur als Bühne und Kulisse.

Sie präsentieren das Opernfestival im Bergwald (von links): Raphael Fusco, Andreas Wiedermann, Eva Summerer, Michael Brunner, Lisa-Marie Holzschuh, Michael Konstantin, Wolfgang Dersch und Ruth Zapf.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Doch, um keine Opern zu quatschen: Der Waldweg nahe der Kreuzigungsgruppe hinter der Bergkirche war der Schauplatz für ein Bühnenspektakel 2020, bei dem die Natur eine besondere Rolle spielen soll. Der Forst dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern wird thematisch eingebaut in eine Kammeroper, die am 12. Juli nächsten Jahres in der Region Premiere feiern will. Dahinter steckt mit einer weiteren geplanten Aufführung des "Freischütz" am 10. Juli 2020 im Stadttheater eine Art Neubelebung des Genres Oper.

Motto: "Wir feiern Oper"

Es ist die gemeinnützige Unternehmensgesellschaft Opernfestival Oberpfalz, die dieses Ziel verfolgt. Dahinter verbirgt sich eine private Kulturinitiative ohne Gewinnerzielungsabsicht, die mit innovativen Veranstaltungen das Thema Opern und ihre Faszination neu präsentieren möchte - Motto: "Wir feiern Oper!" Denn dieses Genre ist nach den Worten von Geschäftsführer Michael Konstantin "alles andere als verstaubt", keineswegs etwas, das nur für ältere Menschen passt oder mit aktuellen Zeiten nichts zu tun habe. Im Gegenteil: Selbst wenn "Der Freischütz" fast 200 Jahre alt ist, kann er nach Ansicht von Regisseur Andreas Wiedermann junge Leute und die Fridays-for-Future-Generation ansprechen, die mit dem Drang nach Liberalismus und gegen Stromlinienförmigkeit einerseits sowie Karrierewünschen andererseits "zwischen den Stühlen sitzt".

Wie der Freischütz im Stück müsse sich der gesellschaftliche Nachwuchs seine eigenen Freikugeln gießen, um am Ende zu treffen - auch die richtige Entscheidung für sich selbst. Dazu passt laut Wiedermann der Wald, der auch auf der Bühne des Stadttheaters aufgebaut werden wird, weil er die Stimmung zwischen Traum und Traumata transportiert.

Ferner sei das Ganze als Art Singspiel aus Opernelementen mit Arien und Chor , aber auch klassischen Sprechszenen geplant, so dass "Der Freischütz" in dieser neuen Form mit "leicht verstehbarer Musik und Text" eine "super Möglichkeit ist, jemand abzuholen, der noch nie in einer Oper war".

Kammerspiel mit Mythen

Noch interessanter dürfte die zweite Premiere unter freiem Himmel werden, die unter dem Titel "insomnia" mit völlig neuer Musik von Raphael Fusco, Ruth Zapf im Libretto und Eva-Maria Eiberger als Regisseurin antritt. Der Ort steht zwar noch nicht fest, aber das Publikum soll laut Zapf "drumherum" sitzen können und neben der Natur vor allem von einem Thema verzaubert werden: der Märchen- und Mythenwelt von Franz Xaver von Schönwerth, der Dreh- und Angelpunkt und in Person eines Darstellers auf der Bühne präsent ist.

Einige seiner per Voting ausgewählten bekannten Figuren stehen im Mittelpunkt dieser Kammeroper: der feurige Mann, der Bilmesschneider (er lässt Getreide gut wachsen, aber nach der Ernte beim Nachbarn des Bauern verschwinden) und das Holzweiblein. Nicht nur Letzteres passt gut zum Thema Natur und Wald, das beide Opern umspannt.

Anders bei ihnen laut Lisa-Marie Holzschuh auch, dass sie Kinder und Jugendliche einbinden wollen, zum Beispiel bei Proben und mit Blicken hinter die Kulissen, damit die junge Generation sieht, was an Arbeit und Gedanken hinter solchen Aufführungen steckt. Neben Laien sollen auch Profis aus der Oberpfalz für die Bühne gewonnen werden und damit eine starke Region verkörpern. Für den "Freischütz" läuft der Kartenvorverkauf, für "insomnia" beginnt er nach Bekanntgabe des Veranstaltungsorts. www.opernfestival-oberpfalz.de

Hintergrund:

„Amberg kann vieles – sicher auch Festival-Stadt sein.“ Daran gibt es für Kulturreferent Wolfgang Dersch keinen Zweifel, zumal Opern in der Oberpfalz bislang eher stiefmütterlich behandelt werden und wegen ihres Aufwands und der Kosten auch im Stadttheater kaum laufen. Außerdem könne es für das Opernfestival Oberpfalz mit dem Natur- und Schönwerth-Thema keinen besseren Ort geben, weil der Volkskundler bekanntlich gebürtiger Amberger ist und so beides schafft: Identifikation mit Amberg und der Oberpfalz.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.