19.02.2019 - 14:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Auf Partner eingestochen

Die Beziehung ist ein Drama. Täglich Streit und Schläge, Alkohol in Mengen. Um zu zeigen, dass sie sich nicht alles gefallen lassen will, sticht eine 29-Jährige bei zwei Auseinandersetzungen auf ihren Partner ein.

Wegen versuchten Totschlags steht eine 29-Jährige in Amberg vor Gericht.
von Autor HOUProfil

Eine Gemeinschaft, die im Obdachlosenquartier begann. Die junge Frau lernte ihren Partner dort kennen. Sie knüpften eine Beziehung, die sich entweder in ihrem oder in seinem Zimmer abspielte. Die 29-Jährige sagte nun weinend zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht: "Es gab immer wieder Streit". Ausgelöst primär vom Alkohol, den beide in sich hineinschütteten. "Aber ich wollte meinen Mann nie umbringen", hörten die Richter. Ihren Mann? Das Paar ist noch immer zusammen, hat jetzt eine eigene Wohnung und ein gemeinsames Kind. Zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung wurde deutlich, dass es im Jahr 2017 zwei Situationen gab, die zu größeren Ermittlungen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft führten.

Mit 1,8 Promille

Am 19. Juni des vorvergangenen Jahres nahm die Frau ein Küchenmesser und stach damit mehrfach auf ihren sechs Jahre älteren Partner ein. Der Mann erlitt eine Reihe von Wunden am ganzen Körper. Darunter eine Durchtrennung der Strecksehne am linken Unterarm. Geschah das in Tötungsabsicht? Die Angeklagte, bei der später 1,8 Promille festgestellt wurden, verneinte das vehement. Das Opfer dieser Attacke schwieg vor dem Schwurgericht. Der 35-Jährige machte als Verlobter von seinem Recht zur Verweigerung der Aussage Gebrauch.

Die Täterin kam nicht in U-Haft. Sie durfte zurück in das Notquartier am östlichen Stadtrand, teilte erneut Tisch und Bett mit dem Mann. Es folgten weitere Begebenheiten. Zunächst am 1. November 2017, als nach lautstarkem Streit mehrere Polizisten in der Unterkunft erschienen. Sie wurden von der nackt durchs Zimmer laufenden 29-Jährigen attackiert, übel beleidigt und angespuckt. Nur fünf Tage später eskalierte die Lage abermals. Erst Zoff, dann ein weiterer Griff zum Küchenmesser. "Ich wollte ihm nur zeigen, dass ich mir nicht alles gefallen lasse", ließ die Angeklagte verlauten. Mehr allerdings tauchte in ihrer Erinnerung nicht auf. Sie hatte zur Tatzeit 2,4 Promille. Um ihren Freund in die Schranken zu weisen, zog die junge Frau mit einem aus der Schublade geholten und relativ kleinen Messer aus. Die Klinge traf den Brustkorb und hinterließ an den Rippen eine klaffende Wunde. Der Verletzte kam ins Krankenhaus, wurde versorgt und ging auch gleich wieder heim. Seine Lebensgefährtin wurde festgenommen. Auch diesmal blieb ihr die U-Haft erspart.

Nur Körperverletzung

Wie sind diese Taten juristisch einzuordnen? Anfangs hätte ein Schöffengericht urteilen sollen. Doch von dort aus wurde das Verfahren zum Landgericht verwiesen. Denn eine mögliche Tötungsabsicht sei nicht auszuschließen, hieß es nach Aktenstudium. Gleichwohl geht Staatsanwältin Manuela Zeller auch jetzt noch davon aus, dass es sich in beiden Fällen um gefährliche Körperverletzungen und nicht um Totschlagsversuche handelte.

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