02.12.2019 - 08:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Patricia Wassner ... gibt Müttern eine starke Stimme

Mit strahlenden Augen erzählt Patricia, genannt Trish, vom „Besten“, was ihr je passiert ist: ihrer Familie.

Das Leben ist ein Abenteuer mit Kindern, findet Patricia Wassner - und will davon in einer Kolumne erzählen.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Mit ihrem Mann Martin, zwei gemeinsamen Kindern (eins und vier) und Martins Sohn (15) lebt die 30-Jährige im Landkreis Amberg-Sulzbach. Sie macht es sich zur Aufgabe, Mütter zusammenzubringen und ihnen Mut zu machen. „Vernetzen statt zerfetzen“ ist ihr Motto. Die große Leistung des Mutter-Seins wird zu wenig in der Gesellschaft anerkannt, sagt sie im Interview. Trish und etwa 600 Mütter aus ihrem „Rudel“ wollen das ändern.

ONETZ: WAS BEDEUTET DAS MAMA-SEIN FÜR DICH?

Patricia Wassner: Mutter zu sein ist für mich das Beste und gleichzeitig das Herausfordernste, das mir passieren konnte. Plötzlich trifft man Entscheidungen nicht mehr für sich, sondern für das Liebste in seinem Leben. Das hat dazu geführt, dass ich viele Dinge hinterfragt habe und lernen musste, für mich, meine Bedürfnisse und meine Kinder einzustehen. Das heißt auch Konflikte in Kauf zu nehmen und mich von gesellschaftlichen Forderungen zu lösen. Kein leichter Schritt, aber er ist es wert.

ONETZ: WIE MACHEN DICH DEINE KINDER ZU EINEM BESSEREN MENSCHEN?

Patricia Wassner: Dadurch, dass sie sich alles abschauen und ich gezwungen bin, so zu leben, wie ich es mir für sie wünsche. Wenn wir als Elternteil schlecht über andere Menschen sprechen oder vor dem Spiegel stehen und uns dafür verurteilen, dass wir zwei Kilo zugenommen haben, sollten wir immer daran denken, dass zwei kleine Augen mit Bewunderung auf uns gerichtet sind. Meine Kinder haben mich zu einer besseren Version upgegradet. Gerade auf die Sicht unserer Welt wurde ich richtig wachgerüttelt.

ONETZ: DAS KLINGT SOUVERÄN. WELCHE SCHWIERIGKEITEN GIBT ES?

Patricia Wassner: Den selbstgemachten Druck, allem gerecht zu werden und möglichst alles richtig zu machen. „Ich bin nicht gut genug“ ist wohl einer der weitverbreitesten Glaubenssätze, vor allem bei uns Frauen. Gerade im Mama-Alltag wird dieser immer wieder getriggert, weil es unmöglich ist, alles perfekt zu machen. Dazu gehört auch, dass wir uns mit anderen vergleichen, im schlimmsten Fall mit irgendwelchen perfekt gestellten Instagram-Profilen. Dann denken viele: Alle anderen kriegen es gebacken, nur ich selbst nicht. Ein großes Problem sehe ich auch in der Bewertung unter uns Müttern oder allgemein der Beurteilung von Müttern durch die Gesellschaft. Wir werden dafür verurteilt, wenn wir arbeiten gehen, wenn wir nicht arbeiten gehen, wenn wir zu lang, zu kurz, gar nicht oder überhaupt stillen. Irgendwie ist es Gang und Gebe geworden, dass jeder Hans Wurscht seine ungefragte Meinung zum privatesten und gleichzeitig sensibelsten Thema äußert. Das empfinde ich als total übergriffig und absolut unverschämt.

ONETZ: DU TAUSCHST DICH MIT ANDEREN FRAUEN AUS. WARUM GEHST DU DAMIT AN DIE ÖFFENTLICHKEIT?

Patricia Wassner: Ich habe das Glück, dass ich mittlerweile auf vier Social-Media-Kanälen unter dem Namen „mutter.sprache“ vertreten bin. Seit Herbst darf ich auch offline Menschen erreichen. Ich darf Mutterherzen eine Stimme geben und dafür bin ich unfassbar dankbar. Als ich 2015 Mama geworden bin, war ich erstmal total verloren, weil sich die Tipps, die ich bekommen habe, und die Art, wie man mir und meinem Kind begegnet ist, einfach nicht richtig für mich angefühlt hatten. Auf Instagram bin ich dann auf viele andere Mamas gestoßen denen es ähnlich ging und die neue Wege für sich gesucht haben. In den sozialen Medien gingen nach meinen Erfahrungen viele Frauen offener mit ihren Themen um, als in den Krabbelgruppen, die ich besucht habe.

ONETZ: WIE SIND DIE REAKTIONEN AUF DICH UND DEINE MISSION?

Patricia Wassner: Ganz unterschiedlich. Die einen feiern es, die anderen haten es. Aufgrund einiger verletzender Erfahrungen habe ich gelernt, dass sowohl Lob als auch Kritik nichts mit mir als Person zu tun haben, sondern mit der Erfahrung des Gegenübers. Es geht mir auch nicht darum, für meine Texte gefeiert zu werden, sondern zum Nachdenken anzuregen. Ich bin alles andere als perfekt und mache Fehler. Aber das macht meine Arbeit auch aus, ich bin ein stinknormaler Mensch, der seine Meinung ändern darf und der aus Erfahrungen lernt.

ONETZ: WELCHE THEMEN BEHANDELT IHR - UND SEID IHR IMMER EINER MEINUNG?

Patricia Wassner: Puuuh, Querbeet. Ich glaube fast, es gibt kein Thema das noch nicht angesprochen wurde. Wir sind nicht immer einer Meinung und das ist aus meiner Sicht auch überhaupt nicht wichtig. In meinem Rudel – so nenne ich meine Mamacommunity – haben wir einen Kodex der unter anderem besagt, dass die Meinung anderer nicht diskreditiert wird. Ganz nach dem Motto „Sei nett oder sei leise“ klappt das hervorragend.

ONETZ: WIE HAT SICH DEIN LEBEN DURCH DEINE KINDER UND DEINEN BLOG VERÄNDERT?

Patricia Wassner: Ich bin selbstbewusster und weltoffener geworden. Wenn man in den sozialen Medien vertreten ist, ist es ja ähnlich wie auf einer Bühne, all eyes on you. Ich habe dadurch gelernt, dass es Menschen gibt, die eine gute Meinung von mir haben und das publizieren, und dass es Menschen gibt, die eine schlechte Meinung von mir haben und das publizieren. Natürlich gefällt dem Ego Ersteres besser, aber ich lerne auch mit Letzterem mehr und mehr zu leben, und meinen Kindern auch da ein Vorbild zu sein.

ONETZ: WIE IST DAS FÜR DEINEN MANN? ZIEHT ER MIT?

Patricia Wassner: Mein Mann ist einfach die beste Hälfte, die ich mir für mich vorstellen kann. Wir haben uns beide, seitdem wir Eltern sind, sehr verändert. Das führt bei manchen, die uns bereits länger kennen, zu Verwirrung und teilweise auch zu Ablehnung. Unser Fokus liegt allerdings darauf, dass wir mehr und mehr so leben, wie es uns entspricht und nicht mehr darauf, es jedem Recht machen zu wollen. Wenn du ‚Everybodys Darling’ bist, hast du ganz sicher eines verloren – dich selbst. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut.

ONETZ: ANFANG 2019 HAST DU PODCASTS FÜR DICH ENTDECKT ...

Patricia Wassner: Meinen ersten Podcast habe ich am 21. Februar 2019 veröffentlicht. Da ist übrigens der Tag der Muttersprache. Ich höre selbst super gerne Podcasts und finde dieses Medium gerade für den Mama-Alltag praktisch. Häufig fehlten Zeit oder Nerven, sich durch ein Buch guten Input zu holen. Ein Pod- cast läuft wie ein Hörbuch oder Radio einfach nebenher. Sachen wie Einschlafbegleitung, Autofahren, Wäsche und sonstige nervige Haushaltsdinge werden so ein bisschen zur „Me-Time“.

ONETZ: KÜNFTIG WIRST DU DEINE ERFAHRUNGEN MIT UNS IN EINER REGELMÄSSIGEN LEO-KOLUMNE TEILEN ...

Patricia Wassner: … es war schon immer ein großer Traum von mir, eine Kolumne zu schreiben. Vor sieben Jahren durfte ich das Titel der Leo zieren. Jetzt mit meinen Inhalten andere Mamas erreichen zu dürfen, macht mich sehr demütig und immer noch sprachlos. Ich hätte mir in meinen Anfängen als Mama gewünscht, jemanden zu hören oder zu lesen, der erzählt, wie das Mama-Sein wirklich ist. Mit allen Facetten. Das darf ich jetzt machen und es gibt nichts Schöneres für mich.

ONETZ: WAS ERWARTET DIE LESER?

Patricia Wassner: Ehrliche, gesellschaftskritische Denkanstöße. Tools und Interviews mit inspirierenden Frauen. Wenn ich einen persönlichen Wunsch an die Leser äußern darf, dann, dass sie für die Kolumne und generell immer hinterfragen, ob die persönlichen Ansichten von mir, Autoren, „Experten“, Familienmitgliedern oder Freunden für das Mamaherz stimmig sind. Denn den größten Experten für unsere Kinder tragen wir in uns, wir müssen nur darauf hören.

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