27.01.2020 - 13:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Paul Maar in Amberg: Familien lieben ihn auch ohne Sams

Ein verzauberter Fön, der Skateboard fahrende Kater Adalbert, schaurig gereimte Ungereimtheiten und zwischendurch wohlklingende schräge Melodien: Sams-Erfinder
Paul Maar bietet im
Stadttheater Ungewohntes und Unmögliches.

Einer spielt virtuos Block- und Querflöte, Saxofon und Keyboards, einer zaubert auf seiner Gitarre die schönsten Melodienfolgen und einer sitzt in der Mitte, um eigene Märchen vorzulesen. Konrad Haas, Paul Maar und Wolfgang Stute (von links) sind „Das schiefe Märchen-Trio“.

Am Sonntag schien zwar nicht die Sonne und Herr Mohn kam am Montag auch nicht zu Besuch, nicht jeder hatte Dienstag Dienst und es donnerte auch nicht am Donnerstag. Freitag wurde gearbeitet und deswegen kam am Samstag auch kein Sams. Dafür aber beehrte sein Erfinder mit seiner Delegation die Amberger.

Kinderbuchautor Paul Maar, Wolfgang Stute und Konrad Haas sind „Das schiefe Märchen-Trio“. Die Musiker, Komponisten, Bandleader, Produzenten und Arrangeure setzen hier auf ungewöhnlich familiäre Weise die Geschichten und Gedichte in Töne um.

Paul Maar, der in Bamberg lebt, reimte eine neue Version von Hänsel und Gretel in seinem Gedicht „Pech gehabt“. Das Geschwisterpaar kündigte sich bei der alten Hexe an – via Smartphone. „Du kannst schon mal die Heizung bisschen höher drehen – wir sind jetzt unterwegs und kommen gegen zehn. Und nicht schon wieder Plätzchen und Pfefferkuchen fein. Wir schieben uns viel lieber zwei Currywürste rein.“ Leider kam die Nachricht nicht an. Wegen des fehlenden Handynetzes im tiefen dunklen Wald. Auch der Fön einer Prinzessin sorgte für größte Erheiterung im Publikum. Dieser trocknete nämlich nicht ihre Haare, sondern verwählte sich. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, lautete die melodische Ansage, bis die Königstochter nach mehreren Versuchen endlich die Fee erreichte, die ihren Fön verzauberte. Oder Kater Adalbert, der Skateboard fährt und sich auf die Suche nach einem Müller macht, um Stiefel zu bekommen.

Paul Maar zeichnet seit 1968 reale Bilder in die Köpfe seiner Leser und erfindet phantastische Wesen, die diese Welt bereichern. Er bricht Klischees, ohne es groß zu betonen, weit bevor es zum Trend wurde. Wie in „Die Eisenbahn-Oma“ oder „Lippels Traum“, erschienen 1984, als die Mutter arbeiten ging und der Vater am liebsten neue Küchenmaschinen kaufte. Seine Geschichten sind zeitlos und beleben den Geist der Bücherwürmer generationsübergreifend. Über 80 Jahre alt ist der Wahl-Bamberger, aber er wirkt gut 30 Jahre jünger. Wer zu den besten Kinderbuchautoren zählt, bewahrt eben das Kind in sich, obwohl er selber in schwierigen Verhältnissen aufwuchs. Vielleicht ist Paul Maar deswegen so empathisch und weiß in seinen Geschichten mit Problemen umzugehen.

Mit seiner ruhigen und bedachten Art, der angenehmen Stimme und dem weißen Wuschelhaar findet Maar sofort Zugang zu den Kleinsten. Und man kann nicht sagen, wer mehr aufgeregt war, ihn im Stadttheater zu sehen – die Eltern oder deren Sprösslinge.

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