"Wenn ihr sehr leise seid, schaue ich mal, ob ich das Orchester hinter mir zum Spielen bringen kann", bot der englische Pianist und Dirigent Howard Shelley seinem rund 200 Kinder starken Publikum am Dienstagvormittag im Stadttheater an. Zusammen mit den Nürnberger Symphonikern hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Schulkindern die Orchestermusik näherzubringen. Zu den zwei Vorstellungen kamen rund 450 Fünftklässler von Realschulen aus der ganzen Oberpfalz. Dabei handelte es sich um ein Pilotprojekt des Amberger Kulturreferats.
Die jungen Besucher bekamen schnell einen ersten Eindruck von der Energie eines Symphonieorchesters, als die Musiker noch während der Ansprache des Dirigenten ohne Vorwarnung ein Stück von Pjotr Iljitsch Tschaikowski anstimmten. "Wow, ist so viel Kraft nicht beeindruckend?", fragte Howard Shelley seine Zuhörer. "Jetzt möchte ich euch den König des Orchesters vorstellen", kündigte der Pianist an und deutete auf seinen Flügel in der Mitte der Bühne. Er erklärte kurz und knapp die Funktionsweise eines Hammerklaviers.
Zwei Komponisten wichtig
Neben Tschaikowski standen zwei Männer besonders im Mittelpunkt: Der Franzose Charles Camille Saint-Saëns (1835-1921) und der tschechische Komponist Antonín Leopold Dvorák (1841-1904). Zusammen mit einem Solo-Cellisten trug Shelley Saint-Saëns' Stück "Der Schwan" vor. "Passt ganz genau auf. Wenn ihr richtig hinhört, merkt ihr, dass die Melodie vom Cello so verläuft wie die Form eines Schwans. Das Klavier klingt wie das Wasser, in dem er schwimmt. Schließt eure Augen und versucht, euch das Bild davon vorzustellen."
"Als nächstes spielen wir für euch den zweiten Satz aus Saint-Saëns' zweitem Klavierkonzert. Da sind Pauken mit dabei", erklärte der Dirigent. Aus dem Publikum kam die Frage: "Was? Was ist da dabei?" Shelley antwortete: "Na, Pauken! Trommeln, Drums." Darauf ertönte aus dem Zuschauerraum ein zufriedenes: "Ah, ach so."
Instrumente im Orchester
Die Konzertbesucher sollten allerdings nicht nur etwas über die Komponisten lernen, sondern auch über die Zusammensetzung eines Orchesters. "Schauen wir uns doch einmal genauer an, was hier alles auf der Bühne steht. Der Pianist stellte den Schülern nach und nach die gesamte Streicherabteilung der anwesenden Symphoniker vor: Erste und zweite Geigen, Bratschen, Celli, und zwei Kontrabässe.
Als sich die ersten Geigen vorstellten, kommentierte Shelley: "Hört ihr das Vibrato? Ist das nicht fantastisch." Dem folgte die Frage: "Wisst ihr, wie man die Geigen noch spielen kann?" Einige der Fünktklässler antworteten sofort: "Man kann sie auch zupfen." Mit einem Stück von Tschaikowski, bei dem alle Streicher ihre Instrumente zupfen, führte Shelley den Kindern vor, wie das klingt.
Weiter machte der Dirigent mit den Holzbläsern. Mit im Stadttheater waren Quer- und Piccoloflöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten sowie zwei Fagotte. Für gute Laune bei den Mädchen und Buben sorgte Shelleys Anweisung an die Oboisten, sie sollten nur das Mundstück ihres Instruments spielen.
Instrument wie Ente
Die Schüler lachten lauthals bei dem schrillen und hohen Geräusch, das die Mundstücke fabrizierten. "Klingt wie eine Ente, findet ihr nicht auch?", fragte der Dirigent. Zum Vergleich spielten die Musiker dann noch mal ihr Mundstück samt Oboe. "Ist das besser?" Dem Dirgenten und Pianisten schallte es aus dem Publikum laut entgegen: "Ja, viel besser." Zu den Blechbläsern gehörten die Trompeten, die Hörner, die Posaunen und die Tuba. Vom Paukisten bekamen die Schüler eine kleine Hörprobe davon, wie viel Dynamik in einer Trommel stecken kann.
Am Ende überreichten zwei Schülerinnen, die sich vor dem Konzert freiwillig gemeldet hatten, Howard Shelley einen Strauß Blumen.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.