22.02.2019 - 13:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Prostatakrebs: Neue Ansätze bei Diagnose und Therapie

Über Jahre hinweg habe sich beim Prostatakrebs wenig getan. Dann hat es laut Dr. Ralf Weiser "einen Ruck und viele neue Ideen" gegeben. Es habe sich eine Qualitäts-Standardbehandlung etabliert, sagte der Urologie-Chefarzt des Klinikums.

Dr. Ralf Weiser, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum St. Marien Amberg.
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Seit 1. Juli 2008 ist Weiser Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum. Im Rathaussaal sagte er nun laut einer Mitteilung aus St. Marien: "Prostatakrebs ist immer ein Thema." Und: "In allen Bereichen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan." Bisher sei die Diagnostik abgelaufen: Tastbefund, Blutwert. Sei beides auffällig, folge eine Biopsie, also eine Gewebe-Untersuchung.

Damit der Krebs auch entdeckt wird, werden laut Weiser zehn bis zwölf Biopsien über die Prostata verteilt entnommen. Am Klinikum gebe es zudem eine Fusions-Biopsie. Dabei werden MRT-Aufnahmen über Ultraschallbilder gelegt. Im Ultraschall werde am Ende das punktiert, was im MRT auffällig ist. Der Mediziner: "Bei 80 Fusions-Biopsien haben wir insgesamt bisher in 47 Prozent den Nachweis eines Prostatakarzinoms erhalten." Es lägen aber oft Wochen zwischen Ultraschall und MRT. "Aus diesen Gründen wurde die Fusions-Biopsie bisher nur einmal im Monat bei uns angeboten. Zukünftig soll es diese Möglichkeit immer geben", sagte der Chefarzt.

Auch bei der Therapie gibt es seinen Worten zufolge ein neues Konzept. Ist das Karzinom lokal begrenzt, folgten bisher Operation, Bestrahlung und Überwachung. Sind bereits Metastasen in Knochen und Lymphknoten zu entdecken, seien eine Hormon- und Chemotherapie sowie eine Überwachung notwendig. Falls alle Metastasen operiert beziehungsweise bestrahlt werden können, biete das Klinikum mittlerweile eine multimodale Therapie an. Zuerst würden dabei die Prostata und die Lymphknoten entfernt - und dann nachbestrahlt. In der Regel folge eine lebenslange Hormontherapie. Mit dieser Strategie könnten Patienten viele Jahre leben ohne dass ein Prostatakarzinom zurückkehrt. Außerdem komme es nicht zu Blutungen.

Nach der Therapie ist laut Ralf Weiser vor der Nachsorge, um ein Rezidiv, als das Wiederauftreten einer Krankheit, möglichst früh zu erkennen: "Problem bisher war, das Rezidiv auch bildtechnisch zu lokalisieren. Ein großer Fortschritt ist hier die PSMA-Bildgebung." PSMA, dahinter steckte ein Prostata-spezifisches Membran-Antigen, ein Zelloberflächen-Protein. Dieses komme auf Prostatakarzinomzellen in höheren Konzentrationen vor als in anderen Organen. Doch auch hier gebe es Grenzen. Der Chefarzt wörtlich: "Es sind eben doch nur Bilder, auf denen oft nicht alles zu sehen ist."

Trotzdem bedeute diese Bildgebung einen großen Fortschritt, um die diagnostische Lücke zu schließen. Im Klinikum werde dieses Verfahren in enger Zusammenarbeit mit der Radiologie seit zwei Wochen angeboten", ließ Weiser wissen.

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