15.07.2019 - 16:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Prozess: Nackter Randalierer muss zahlen

Im zweiten Anlauf gibt es ein Urteil. Weil er sich aufführte wie die berühmte Axt im Wald muss ein 27-Jähriger 700 Euro zahlen.

Zwei Anläufe brauchte ein Prozess gegen einen nackten Randalierer.
von Autor HWOProfil

(hwo) Im zweiten Anlauf gibt es ein Urteil. Weil er sich aufführte wie die berühmte Axt im Walde muss ein 27-Jähriger 700 Euro zahlen. Dazu kommen nicht unerhebliche Prozess- und auch noch die Anwaltskosten. Das wird ein Loch in seinen schmalen Geldbeutel reißen.

Heuer im Mai war schon einmal vor der Amtsrichterin Sonja Tofolini verhandelt worden. Damals gab es Komplikationen: Der aus Polen stammende Angeklagte war nicht erschienen. Für ihn kam sein Anwalt Adam Zurawel aus Nürnberg angereist. Im Vorfeld hatte der Verteidiger ein Geständnis seines Mandanten signalisiert. Plötzlich war aber dann in der Verhandlung keine Rede mehr davon. Daraufhin brach die Richterin das Verfahren ab. Denn auf Zeugen hatte sie angesichts des zu erwartenden Geständnisses verzichtet.

Ohne den Angeklagten

Zur zweiten Prozessrunde waren nun alle da - bis auf den erneut nicht aus Polen nach Amberg gekommenen Beschuldigten. Nach Rechtslage konnte auch ohne ihn verhandelt werden. Man habe seinem Mandanten den später angefochtenen Strafbefehl nicht in dessen Landessprache übersetzt, monierte Anwalt Zurawel. Er sah darin ein Verfahrenshindernis und wollte die Sache straflos eingestellt haben. Doch da machte Richterin Tofolini erneut nicht mit.

Es gab ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen. Danach wurden die Töne moderater. Denn plötzlich räumte Verteidiger Zurawel die Geschehnisse vom 4. Oktober 2017 ein. Der 27-Jährige wohnte damals noch in der Stadt Auerbach und randalierte dort so laut, dass die Polizei gerufen wurde. An der Wohnung des Mannes erschienen zwei Zivilbeamte aus Amberg, die gerade auf Streife waren. Ihnen wurde ein Schauspiel der seltsamen Art geboten: Der betrunkene Familienvater, ohnehin schon mit entblößtem Oberkörper, zog seine Hose herunter und rannte ab dann nackt herum. Dabei entfuhren ihm Körpergeräusche.

Das ging in die Hose

Der Trubel ging weiter. Der Pole neigte zu Widerstandshandlungen, wurde gefesselt und in den Dienstwagen bugsiert. Dort tobte er weiter, stieß Beleidigungen aus und traf Anstalten, seine Notdurft zu verrichten. Doch das ging im wahrsten Sinn des Wortes in die Hose. Nachdem dieser Sachverhalt vom Verteidiger eingeräumt worden war, ging alles rasch.

900 Euro Geldstrafe verlangte die Staatsanwältin, 600 Euro Buße hätte der Verteidiger gerne verhängt gesehen. Die Richterin schrieb 700 Euro ins Urteil. Das ist mehr als ein Monatslohn für den Polen. Zurückgekehrt in seine Heimat verdient er dort angeblich 550 Euro für sich und seine Familie.

Und weil nun ein Geständnis vorliegt, gibt's auch zwei Prozesskostenrechnungen.

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