07.10.2019 - 18:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Rechtsextreme ziehen nachts durch Amberg

Mutmaßliche Mitglieder der unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Identitären Bewegung (IB) sind in der Nacht zum Samstag durch die Stadt gezogen. Womöglich planten sie sogar einen handfesten Angriff auf einen Szenetreff.

Dieser Sticker auf einem Parkscheinautomaten in der Ziegelgasse ist für sich genommen eine Bagatelle und sowieso schon wieder teilweise abgekratzt. In der Nacht zum Samstag sollen jedoch insgesamt rund 90 derartige Aufkleber, Plakate und Sprayereien von einer Gruppe, die der rechtsextremen Identitären Bewegung zuzurechnen sein soll, in der Innenstadt verteilt worden sein.

Laut dem Polizeipräsidium in Regensburg ermittelt seit Montag die Staatsschutzabteilung der Amberger Kriminalpolizei. Die zuständigen Sprecher geben sich bisher äußerst zurückhaltend. Nicht zu übersehen waren am Samstag die über die gesamte Innenstadt verteilten Aufkleber, Plakate und Graffiti-Schmierereien. Bis zu 90 sollen es insgesamt gewesen sein. Ihre Inhalte und Botschaften lassen unmissverständlich auf ihre Herkunft schließen, indem sie eindeutig ausländer- und migrationsfeindliche sowie nationalistische Inhalte transportieren. Zudem tragen sie das Signet der rechtsextremen IB.

Bestätigt wurde seitens des Polizeipräsidiums auch ein nicht im Detail geschilderter Vorfall, der zu einem Polizeieinsatz in den frühen Morgenstunden des Samstags geführt hat. Demnach habe eine Gruppe Unbekannter heftig an die Türe eines privaten "Clubs" (Polizei) geklopft und geschlagen, sei aber nicht in das Innere eingedrungen. Vier Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt in dem Anwesen. Sie hätten die ihre Gesichter verdeckende bis zu zehnköpfige Gruppe herannahen sehen und "gerade noch die Türe zusperren können", erzählte einer der jungen Leute. "Wir fühlten uns bedroht und riefen die Polizei."

Mehrere Streifenwagen seien gekommen, zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Unbekannten aber bereits aus dem Staub gemacht. Zurückgelassen hätten sie ihre Aufkleber auf der Türe, "mehrere auch auf meinem in der Nähe geparkten Auto", erzählte der Geschädigte der AZ. Zudem gibt es Gerüchte über einen einschlägigen Vorfall in einer Gaststätte. Wurden am Sonntagmorgen der Redaktion noch Fotos einer ganzen Reihe dieser Sticker und teilweisen Sprayereien zugespielt, waren sie am Montagnachmittag bereits verschwunden oder teilweise zerstört. Dazu zählte auch eine Schaufensterfront eines derzeit leerstehenden Geschäfts in der Georgenstraße.

Eine inhaltlich sehr dürre Pressemitteilung verband die Polizeiinspektion mit einem Zeugenaufruf. Demnach können sich Passanten, die in der Nacht zu Samstag verdächtige Beobachtungen gemacht haben, unter der Rufnummer 09621/89 0-0 melden.

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