Wo sich die Rockband Sound Society zur Freude ihres Pulikums musikalisch austobte, stand einst das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr unter Dach. Nur ein paar Meter weiter gab es in den 1960er-Jahren eine Diskothek, die so hieß wie ein Lokal am Sunsetboulevard von Los Angeles: "Whisky a Go Go". In diesem nur spärlich beleuchteten Treff der Stadtjugend legten Leute wie Harry Weber, Ernst Nappert und Peter Mutzbauer Platten auf, deren oft schriller Klang von den jungen Gästen sehr erwünscht war und bis zum Paulanerplatz schallte.
50 Jahre später. Längst ist aus der Alten Feuerwache das Stadtmuseum geworden, dessen Leiterin Judith von Rauchbauer ein Künstlerfest veranstaltete. Mit Führungen durch die momentan gezeigte Bauhaus- und Gropius-Ausstellung, mit sehr akzeptablen Speisen- und Getränkepreisen und ja, mit der Musik, die wie seinerzeit laut auf die Zeughausstraße hinaus drang. Künstler waren zwar nicht allzu viele da. Aber Rock 'n' Roll ist ja auch eine Kunst.
Da waren sie also wieder einmal, die sechs Herren von der Sound Society. Mit neuem Keyboarder Werner Blum und dem eigens aus Freiburg angereisten Werner Schlenzig, der sich schon vor fünf Jahrzehnten bei der League '66 den Höfner-Bass umhängte. Mit ihm verbinden sich Erinnerungen an Beat-Abende im Josefshaus und Tanztee-Veranstaltungen im Metropol. So wie damals donnerte es auch diesmal aus den Lautsprecherboxen: "Sittin' on my sofa".
Alles, was mit Dave Davies und seinen Kinks zusammenhängt, hat es der Sound Society angetan. Kaum wurde "You really got me" angestimmt, standen auch schon die Leute auf der Tanzfläche. Massenandrang bis Mitternacht. Mit Nummern von Alvin Lee, die Bernd Stief noch immer glänzend drauf hat, und einem fast schon genialen Schlagzeugsolo von Drummer Leo Beck. "Pauli" nennen sie ihn. Wohl in Anlehnung an seinen Vater, der einst eine stadtbekannte Wirtschaft betrieb. Wenn er zu Carlos Santanas "Jingo" die Trommeln bearbeitet, können alle anderen Bandmitglieder einstweilen einen Drink nehmen. Und Beck braucht danach ein Handtuch.
So ein Abend bei schummrigem Licht ist oft auch Anlass zum Rätselraten. Von wem war doch gleich "With a girl like you"? Wer machte "Wild thing"? Im Grunde genommen egal. Hauptsache, es war so wie damals. Die Beatles-Nummern hat Werner Schlenzig übrigens immer noch drauf. Womit dann einer der Höhepunkte dieses sich auf alle Räume des Museums ausdehnenden Künstlerfests nahte: "You've got to hide your love away" aus dem "Help"-Film. Ein Stück der ganz getragenen Art. Mit Gänsehauteffekt.
Hat sich etwas geändert seit 1968? Die Haare sind grau geworden. Aber das gilt auch für Sir Paul McCartney, der noch immer "Back in the USSR" vor sein entzücktes Publikum bringt. Er tut das in vollen Stadien und die Sound Society macht's in einer hallenartigen Garage, die einst Löschfahrzeuge der Feuerwehr beherbergte. Von den, wie man neudeutsch sagt, Locations her ein gewaltiger Unterschied. Nicht aber mit dem Blick auf die ewig junge Rock 'n' Roll-Musik. "Roll over Beethoven" eben, bei dem es so schön heißt, man möge Peter Iljitsch Tschaikowski ausrichten, dass jetzt der Wind von ganz woanders her pfeift.













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