Feinfühlig ist das Duo Karina Habuchiya und Florian Bischof. Die Pianistin und der Cellist haben ein Gespür für das Unvertraute und zollen mit ihrem Programm "Röntgenblicke" dem Komponisten Julius Röntgen höchsten Respekt.
Ein selten gespieltes Werk ist die Sonate Nr. 5. In vier Sätzen beginnt dieses mit einem gemäßigten Moderato, das mehrere kraftvolle Episoden dramatischer Leidenschaft vorweist. Der zweite Satz, Allegro con moto, ist eine Mischung aus einem dunklen, klopfenden Scherzo und einem Intermezzo. Gefolgt von einem zartbesaiteten Poco andante. Die Sonate schließt mit Molto passionato e vivace, einer Version einer Tarantella, die sich bald in eine lyrische Landschaft verwandelt. Umrahmt wird die Sonate Nr. 5 von den berühmten Fantasiestücken von Robert Schumann und der Sonate in a moll von Franz Schubert. So entsteht ein klassisches Konzert ganz im Sinne der Romantik.
Aus einer Musikerfamilie
Der hochbegabte Julius Röntgen wurde in eine deutsch-niederländische Musikerfamilie geboren. Der Vater war Konzertmeister des Gewandhausorchesters, die Mutter Pianistin. Seinem Klavierstudium in München bei Franz Lachner, einem Freund von Franz Schubert, folgten die ersten Kompositionen. Beeinflusst wurde er vor allem von Clara und Robert Schumann, aber auch Franz Liszt und Johannes Brahms prägten den Komponisten nicht unerheblich.
1877 verschafften Röntgen seine elterlichen Kontakte in Amsterdam eine Stelle als Klavierlehrer an einer Musikschule. Bald engagierte er sich für den Bau des Concertgebouw. Die Orchesterleitung traute man ihm jedoch nicht zu. Enttäuscht widmete er seine Zeit der Arbeit im Konservatorium und spielte viel Kammermusik. 1924 zog Julius Röntgen nach Bilthoven, wo regelmäßig mit Freunden und Kollegen musiziert und diskutiert wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass Röntgen in den Niederlanden mehr Aufmerksamkeit erhält als in seiner Geburtsstadt Leipzig.
Das Duo Karina Habuchiya und Florian Bischof sind Meister in ihrem Metier. Sie lassen ihre Seele in jede Note fließen und setzen gekonnt musikalische Impulse, obgleich der verinnerlichten Bewegungsabläufe ihrer Kunst. Ihre persönliche Note wird von einer Leichtigkeit gespielt, was das geübte Gehör erstaunt und als völlig gleichmäßig empfindet.
Breites Spektrum
Die kleinen Unregelmäßigkeiten, die bleiben, bilden einen geheimnisvollen individuellen Fingerabdruck, der eine zarte persönliche Interpretation der traditionellen romantischen Musik zulässt. Der Zuhörer erlebt das breite Spektrum an Klangvielfältigkeit und Virtuosität mit einer bodenständigen Großartigkeit.
Karina Habuchiya ist Gewinnerin zahlreicher Wettbewerbe und positionierte sich bereits selber als Jury-Mitglied, unter anderem bei Jugend musiziert im vergangenen Jahr in Sulzbach-Rosenberg. Als Jungstudentin begann sie an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg. Mittlerweile prägen zahlreiche Konzerte neben einem Masterstudiengang in Liedbegleitung an der Musikhochschule Würzburg ihr Leben.
Florian Bischof nahm in Neuseeland an Musical- und Kammermusikproduktionen teil. Am Birkenhead College in Auckland erhielt er in seinem Abschlussjahrgang die Auszeichnung "First in Music". Außerdem studierte Bischof Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik in Weimar. Seit 2015 ist er festes Mitglied der Nürnberger Symphoniker.













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