10.10.2019 - 17:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Samuel Koch in Amberg: "Jeder Mensch sollte sich geliebt fühlen"

Samuel Koch hat durch seinen Unfall bei "Wetten, dass ...?" traurige Berühmtheit erlangt. Nun, neun Jahre danach, hat Oberpfalz-Medien den "StehaufMensch!" - wie dessen aktuelles Buch heißt - gefragt, was wirklich für ihn im Leben zählt.

Nach dem Podiumsgespräch mit Martin Klapheck (rechts) im voll besetzten ACC sprach Samuel Koch auch mit Oberpfalz-Medien. Die Unterhaltung führte Theresia Kaspar.
von Theresia KasparProfil

ONETZ: Sie waren bereits als Kunstturner erfolgreich. Heute lassen Sie sich durch Ihre Behinderung nicht von einer Schauspielkarriere abhalten. Haben Sie immer ein klares Ziel vor Augen ?

Samuel Koch: Ich habe oft einfach losgelegt. Ziele und Pläne sind schneller hinfällig, als man denkt, und sie schränken einen ein. Es war schon sehr früh meine Philosophie, mit voller Leidenschaft und Intensität ranzugehen. So war es früher auch beim Kunstturnen. Man hangelt sich von Wettkampf zu Wettkampf und bereitet sich auf ein Turnier vor, indem man einfach das Beste gibt.

ONETZ: Was lenkt Sie von Ihren Zielen ab?

Koch: Andere Ziele. Im ersten Moment hätte ich gesagt, meine Herzensmenschen lenken mich ab. Aber wenn ich genauer nachdenke, sind ja Beziehungen und Begegnungen auch ein Ziel von mir. Ich setze Prioritäten. Die Gegenwart ist die einzige Dimension, in der es sich zu leben lohnt. Ständig auf ein Ziel in der Zukunft hinzuarbeiten, nach Erfolg oder Geld zu trachten, ist mühsam.

ONETZ: Ist es Ihnen wichtig, was andere von Ihnen denken?

Koch: Das gehört ja leider zu meinem Beruf. Es ist wichtig, was der Regisseur oder der Zuschauer denkt. Deshalb bin ich nicht davor gefeit. Ich wünschte, es wäre weniger so. Im Grunde sollte es mir nicht wichtig sein. Ich glaube, jeder Mensch darf sich guten Gewissens geliebt fühlen, unabhängig von dem, was andere tun oder sagen.

ONETZ: Das ist auch etwas, was Sie in Ihrem Buch „StehaufMensch!“ erwähnen. Die Sekundärtugenden wie Dankbarkeit oder Sanftmut. Das mag nicht so recht zu einer typischen Rampensau – jemanden, der häufig und gerne auf der Bühne steht – passen.

Koch: Ich glaube nicht, dass das einander ausschließt. Wenn ich an etwas wie Demut denke, passt das wunderbar. Beispielsweise ist mir Applaus hochgradig unangenehm. Ich nutze aber die Verbeugungsgeste für mich gedanklich. Wenn ich mich verbeuge, kann der Applaus über mich hinwegbranden und erreicht die Leute, die hinter mir stehen. Eben diejenigen, die es möglich gemacht haben, dass ich jetzt genau diesen Applaus bekomme. So verarbeite ich Demut und Dankbarkeit auf der Bühne. Man hat immer eine Verantwortung, wenn man vor vielen Leuten spricht und handelt. Ich kann viel von meinen Werten auch im Schauspiel ausleben. Das ist für mich kein Gegensatz.

ONETZ: Glauben Sie, Sie haben die beste Zeit bereits erlebt oder liegt sie noch vor Ihnen?

Koch: Im ersten Moment denke ich, ich habe sie hinter mir. Aber ich lebe natürlich mit einer Hoffnung, dass die beste Zeit noch vor mir liegt. Wahrscheinlich ist es eine sehr menschliche Ansicht, dass die beste Zeit jetzt ist. Das versuche ich natürlich zu leben.

ONETZ: Im Rampenlicht darf man sicher oft nicht so auftreten, wie man tatsächlich ist. Finden Sie die Medienwelt oberflächlich?

Koch: Es gibt solche und solche Welten. Man kann natürlich nur den roten Teppich sehen. Diesen ganzen Schnickschnack rund um’s Sehen und Gesehen-werden. Mein Ansinnen ist, von dem Scheinwerferlicht, welches manchmal auch auf sinnlose Sachen scheint, umzulenken. Zu Dingen, die im Schatten stehen. Da, wo normalerweise keiner hinschaut. Auch für so was kann man Medien nutzen.

ONETZ: Sie sind festes Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Können Sie sich damit selbst verwirklichen?

Koch: Ich habe große Freude daran und glaube, ich kann Menschen damit helfen aus dem Alltag zu entfliehen. Sie zum Nachdenken zu motivieren. Gleichzeitig kann ich mir selbst gegenüber auch Denkräume eröffnen. Die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten literarischen Werken, empfinde ich immer als eine Bereicherung. Die Reibung mit Kollegen gehört da auch dazu. Ich selbst bin auf der Bühne meinem Alltag entrissen und vergesse was mit mir los ist. Ich sehe hier zwar keine Selbstverwirklichung aber doch eine Selbstbereicherung. Im Optimalfall auch eine Fremdbereicherung.

ONETZ: Wovor fürchten sie sich am meisten?

Koch: Dass meinen Liebsten etwas passiert.

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