06.11.2018 - 08:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Schlager-Reise ins Glück

Es ist so, als ob sie alle noch einmal in Amberg wären. Wie damals bei den Shows im Josefshaus. Schlagerstars auf einem Fleck und deren Musik, die immer dann neu auflebt, wenn eine Combo mit dem Namen Hula Hoop die Bühne betritt.

Wenn der Seemann das Träumen sein lassen soll, der Mann im Mond sich Gedanken über seine Zukunft macht und ein Rocker der Boyfriend von Carolin sein will, dann sind Renate Liebl (links) und Günther Kälberer in ihrem Schlager-Element.
von Autor HOUProfil

Erinnert sich daran noch jemand? Shows während der 1960er- Jahre im Josefshaus mit der angesagten Elite des deutschen Schlagers. Gus Backus sang den "Mann im Mond", Ted Herold säuselte "Moonlight", Paul Würges schwang die Gitarre vor seinem Bill-Haley-Sakko und Peter Kraus schmachtete die "Schwarze Rose Rosemarie" an. Alle waren da. Auch Peter Rubin, Drafi Deutscher und Trude Herr. Sie stand seinerzeit gleich neben Riem und Rudy de Wolf, den Blue Diamonds.

Das ist gut fünf Jahrzehnte her. Nun kamen sie wieder. Nein, nicht in Person. Aber glänzend in Szene gesetzt von einer Band, die sich Hula Hoop nennt. "Tanze mit mir in den Morgen" hieß die ausgegebene Marschroute im proppenvollen Gasthaus am Kugelfang. Und weil dieses Konzert unter der wie einst an der Decke rotierenden Schneekugel zum 60. Geburtstag des Hula-Hoop-Reifens stattfand, waren auch diese den flotten Hüftschwung trainierenden Sportgeräte mit dabei. In Lollipop-Farben und diversen Größen.

Schnulzen von damals

Wenn die Jungs um Sängerin Renate Liebl und Bandleader Günther Kälberer loslegen, kommt erst mal Souliges vom Motown-Label daher: "Time Is Tight" von Booker T. und seinen MGs. Ist das Schlager? Moment Leute, es geht ja gleich los mit dem, was einst von Polydor, Decca und Telefunken in schwarzes Vinyl gepresst wurde. Ab dann ist Englisch so gut wie außen vor. Wobei man sagen muss: Die meisten Schnulzen von damals hatten ihren Ursprung in amerikanischen Originalversionen. Fast so wie bei Kulenkampff-Butler Martin Jente: Die Rillen-Revue wird auf dem Tablett serviert. "Ich will keine Schokolade", röhrt Renate Liebl und lässt Rocco samt Tino aufleben, deren Existenz im "Heißen Sand" keinen Pfifferling mehr wert war. Längst ist die Tanzfläche voller Paare: Petticoats und Hawaii-Hemden, Slipper und High-Heels. Schöne Geburtstagsfeier für den Hula-Hoop-Reifen. Beim Schwofen zu den Gitarren, die seinerzeit Jimmy Makulis leise durch die Nacht klingen ließ, aber wären sie nur hinderlich.

Renate Liebl, Günther Kälberer, Hardy Lieder, Peter Feldmeier und Gert Lieder geben Hitparaden-Vollgas. Brian Hylands "Ginny Come Lately" kommt in deutscher Version daher, mit dem Sound von Teddy Reno wird "Eine Reise ins Glück" unternommen und der "Schu Schu Kolibri" der Nana Gualdi darf mit flottem Flügelschlag quer zwischen den Mikrofonen schwirren.

Viereinhalb Stunden Party

Reise ins Glück? Aber ja. Viereinhalb Stunden lang. "Party" von Wanda Jackson aus dem Pfefferstreuer eines gewaltigen Damen-Timbres, eine Prise Hillbilly vom besten Deutschrocker Ted Herold dazu und gleich anschließend als Sahnehäubchen ein Ausflug in die Wunderwelt des "Paradiso" von Connie Francis.

Doch der Höhepunkt naht erst noch. Nein, es ist nicht dieses "Kiss Me Quick" von Elvis, das Günther Kälberer fast wie im Original drauf hat. Cliff Richard bekam mit "The Young Ones" als 19-Jähriger einen seiner größten Hits. Der darf dann auch in englischer Sprache sein. Was die beiden Hula-Hoop-Frontleute daraus machen, ist schlichtweg grandios. Eingedenk der Gitarre, die sich so anhört, als würde sie Hank Marvin von der Cliff-Begleitband The Shadows selber spielen.

Eine Combo, die man sich anhören sollte. Auch wenn Chuck Berry, Mick Jagger und Paul McCartney bei ihr nicht vorkommen. Aber die hatten ja etwas ganz anderes im Sinn als den "Mann im Mond." Wobei Mick Jagger von den Stones einmal gesagt haben soll, er hätte vor diesem fahlen Herrn auch ganz gerne mal gesungen.

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