10.12.2018 - 15:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Sitzenbleiben am Bahnsteig

Kinder hocken auf ihren Koffern, andere stöbern in der Bahnhofs-Buchhandlung - oder löchern ihre Lehrer: Wann geht's weiter? Das aber weiß keiner so genau. Den Warnstreik bekommen auch Schüler auf dem Weg ins Schullandheim zu spüren.

Eigentlich sollte die fünfte Klasse der Dreifaltigkeits-Mittelschule schon auf dem Weg ins Schullandheim sein. Notgedrungen machen es sich die Buben und Mädchen im Amberger Bahnhof bequem.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Stressiger Start in die neue Woche: Wer sich Montagfrüh auf den Bahnhöfen umsieht, blickt in viele ratlose - häufig auch genervte - Gesichter. Wegen des Warnstreiks bei der Deutschen Bahn ist der Zugverkehr zum großen Teil eingestellt. In Amberg und Sulzbach-Rosenberg geht am Morgen gar nichts mehr, stundenlang fährt kein Zug. Reisende sitzen resigniert in der Wartehalle, andere stehen am Schalter, um an Informationen zu kommen, oder starren auf der Suche nach alternativen Reisemöglichkeiten in ihre Handys.

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für die Zeit von 5 bis 9 Uhr ihre Mitglieder bundesweit zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Viele Pendler erfahren erst am Gleis von den daraus resultierenden Ausfällen. "Ich habe das Haus verlassen, ohne Zeitung zu lesen oder Radio zu hören", erzählt ein Mann, der vergeblich auf seinen Zug wartet. "Ich bin sauer, dass die Streiks so kurzfristig sind und wir nicht früher informiert wurden."

Ein Mitreisender ist da verständnisvoller: "Das Lohnniveau geht in Deutschland in gewissen Branchen immer weiter runter. Ich verstehe, wenn die Arbeitnehmer ihr Streikrecht nutzen." Bei den Bahnreisenden sei nun Gelassenheit gefragt: "Wir wollen immer alles kontrollieren. Aber manchmal funktioniert das eben nicht." Dass die Zugbindung seines Tickets aufgrund des Streiks aufgehoben wurde, findet er "fair". Sandra Kappert-Großer ist Lehrerin an der Dreifaltigkeits-Mittelschule in Amberg. Mit ihren Fünftklässlern will sie für drei Tage ins Jugendhaus Knappenberg bei Sulzbach-Rosenberg fahren. Der Zug sollte die Kinder und ihre Lehrer von Amberg bis nach Neukirchen bringen.

Seit 7.45 Uhr stehen sie am Bahnhof und warten. "Wir können mit dem ganzen Gepäck ja nicht zurück in die Schule gehen", erklärt die Lehrerin. "Bei manchen Kindern sind die Taschen größer als sie selbst", fügt sie hinzu und lacht. Trotz der Warterei ist die Klasse ganz gut gelaunt.

Nur "ein bisschen genervt" und langsam ungeduldig: "Wie lange dauert es noch?" Kommt der Zug also um 9.30 oder wird es doch 10.30 Uhr? Kappert-Großer muss ihre Schüler vertrösten, sie weiß es nicht. Auch das Personal am Ticket-Schalter kann keine verlässlichen Auskünfte geben und ist sichtlich gestresst: Es bekommt gleich zum Wochenstart den Unmut der vielen Bahnreisenden zu spüren.

Um 9.20 Uhr dann rollt in Amberg der erste Zug ein. Und knapp eineinhalb Stunden später als geplant startet die 5c ins Schullandheim. Doch die Auswirkungen des Streiks sind den ganzen Tag zu spüren: Es kommt zu vielen Verspätungen. Seite 3

Wann geht es weiter? Viele Reisende sind am Montagmorgen ratlos.
Sandra Kappert-Großer und ihre Schüler haben keine andere Wahl: sie müssen warten.

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