07.10.2018 - 16:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Spätes Wachküssen

"Dornöschenschlaf" - dieses Wort fällt am Sonntag im großen Rathaussaal nicht nur einmal. Die Rolle des märchenhaften Frosches obliegt dem bevorstehenden Jubiläum 100 Jahre Bauhaus und Amberg schafft schon einmal Fakten.

Trötende, schnarrende, lyrisch-sanfte und rhythmisch harte oder stimmhafte Töne kann das Trio Pura Crema seinen Blas- und Percussion-Instrumenten aus Glas mit jazzigen Improvisationen entlocken. Zum Erstaunen des Eröffungspublikums.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Es war klug, den historischen Rathaussaal für die Eröffnungsveranstalung zu der Sonderausstellung "Gropius, Bauhaus und Rosenthal in Amberg" zu wählen. Das Stadtmuseum, in dem seit gestern in drei Räumen zahlreiche Exponate aus den unterschiedlichsten Rosenthal-Designlinien in Porzellan, Glas und anderen Materialien (etwa Möbel) zu sehen sind, hätte den Publikumsandrang schwer verkraftet.

Für die Stadt, die ein Teil des zum Bauhaus-Jahr speziell für Nordostbayern formierten Programm-Netzwerkes Selb/Amberg ist, manifestiert sich das repräsentative Anliegen in dem Gropiusbau Glaskathedrale. Ganz der Amberger, führt sich für Oberbürgermeister Michael Cerny "die Kunst-, Architektur- und Designschule Bauhaus am Bergsteig zusammen".

Dort steht mit der Jahrzehnte kaum wahrgenommenen, aber denkmalgeschützten Glasproduktionsstätte Walter Gropius' (1883 bis 1969) letzter Bau. Cerny ordnet ihn inzwischen neben dem Olympiastadion in München und der Elbphilharmonie in Hamburg unter den zehn bedeutendsten Nachkriegsbauten in Deutschland ein. 2019 feiert Amberg mithin nicht nur 100 Jahre Bauhaus, sondern auch den 50. Todestag des einstigen Bauhaus-Leiters.

In der Person Philip Rosenthal (1916 bis 2001) und dessen Porzellan- sowie Glasproduktionsstätten fließen die Bauhaus-Bezüge in Nordostbayern zusammen. Das manifestiert sich in den beiden Gropius-Bauten Rosenthal am Rotbühl in Selb (einstige Konzernzentrale) und der Glaskathedrale in Amberg ebenso wie den diversen Designlinien des Hauses. Darauf verwies Robert Suk, Leiter des Rosenthal Creative Center, in einem Grußwort. Er sieht in den Veranstaltungen des Netzwerkes Selb/Amberg zudem die Möglichkeit, die tragende Rolle Nordostbayerns in der Manifestation von Bauhaus-Ideen aus deren "Dornröschenschlaf" zu holen.

Ambergs Kulturreferent Wolfgang Dersch rückte mit dem Blick auf die Amberger Glaskathedrale Rosenthal und Gropius in das Licht "zweier im Geist eng verwandter und sich kongenial ergänzender Persönlichkeiten", die Bauhaus-Denken schlichtweg ganz konkret und handfest umgesetzt hätten. Während jetzt, so Dersch, die denkmalgeschützte Glaskathedrale in das ihr gebührende bauhistorische Licht gerückt werde, stünden gleich nebenan zwei weitere Gropius-Dornröschen in Amberg: nicht minder markante Mehrfamilienhäuser für Beschäftigte der Glashütte. Sie stehen für den Wohnungsbau gemäß Bauhaus-Konzepten.

In die am Sonntag eröffnete Sonderausstellung im Stadtmuseum führte dessen Leiterin Judith von Rauchbauer kurz ein. In ihrem Haus hätten die facettenreichen Ergebnisse der eigentlichen Zweckbestimmung der Amberger Glaskathedrale sowie des Niederschlags von Bauhaus-Ästhetik in Porzellan- und Tischglas-Linien ihren Platz gefunden.

Nicht nur gediegen fein, Glas brilliert auch in seiner Kraft von Farbe und Form, wie die Ausstellung unterstreicht.
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